Debatte um CDU-Vorstoß aus Hamburg : ADFC fordert bessere Fahrradwege statt Nummernschilder

Die Hamburger CDU hat eine Kennzeichnungs- und Versicherungspflicht für Fahrräder ins Spiel gebracht. Foto: imago images / Steinach
Die Hamburger CDU hat eine Kennzeichnungs- und Versicherungspflicht für Fahrräder ins Spiel gebracht. Foto: imago images / Steinach

Die Zahl der Unfälle mit Fahrradfahrern nimmt weiter zu. Gibt es einfach mehr Fahrradfahrer oder fahren die zu rücksichtslos durch den Straßenverkehr? Ein Vorschlag der Hamburger CDU zur Senkung von Verkehrsdelikten sorgt für Diskussionen.

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25. Juni 2019, 19:52 Uhr

Osnabrück | Polizei und Verbände lehnen die Idee eines Nummernschildes für Fahrräder ab. „Jetzt von einer Kennzeichenpflicht zu sprechen, halte ich für zu viel“, sagt Michael Mertens vom Bundesvorstand der Gewerkschaft der Polizei. Zuvor hatte die CDU in der Hamburgischen Bürgerschaft eine mögliche Kennzeichnungs- und Versicherungspflicht für Fahrräder zur Diskussion gestellt, ähnlich zu der für E-Scooter, wie das Hamburger Abendblatt berichtete.

Als Grund geben die Christdemokraten Hintergrund ist die gestiegene Anzahl an Unfällen in Hamburg, die von Radfahrern verursacht wurden. Eine Kleine Senatsanfrage ergab demnach einen Zuwachs um 53 Fälle auf 1852 Unglücke in der Hansestadt. Durch die Kennzeichen sollen bessere Kontrollen möglich sein.

In Hamburg selbst halten das die Fahrradfahrer nicht für zielführend. „Die CDU in Hamburg fällt seit Langem in der Verkehrspolitik mit solchen rückständigen ,Ideen‘ auf“, heißt es vom ADFC Hamburg. „Je mehr Radfahrer auf den engen Wegen unterwegs sind, desto wahrscheinlicher sind natürlich auch Unfälle“, sagt ein Sprecher des verkehrspolitischen Vereins.

Fahrradfahren wird beliebter

Die Zahl der Fahrräder wächst im gesamten Bundesgebiet. Der Bestand an Fahrrädern wird vom Zweirad-Industrie-Verband auf 75,5 Millionen geschätzt. Für die steigenden Umsätze seien vor allem die hohen Verkaufszahlen der E-Bikes verantwortlich. 980.000 Räder mit Motorunterstützung wurden im Jahr 2018 verkauft.

Die Fahrer von E-Bikes, beziehungsweise Pedelecs, seien im Durchschnitt älter und vernünftiger, lautet die Einschätzung von Polizeigewerkschafter Mertens. Dennoch gibt der Hauptkommissar zu bedenken, dass Reaktionszeiten und Bremswege auf den E-Bikes eine größere Rolle spielen: „Die höhere Durchschnittsgeschwindigkeit bedeutet auch ein höheres Risiko.“

Die ausführliche Unfallstatistik des Statistischen Bundesamts zeigt, dass im Jahr 2017 unter den verunglückten Radfahrern jeder Sechste über 65 Jahre alt war. Bei den tödlich Verletzten waren sogar mehr als die Hälfte in diesem Alter.

Autofahrer halten zu Radlern

Auch die Autofahrer halten den Vorstoß für überflüssig. Der ADAC gibt zu bedenken, dass allein der Verwaltungsaufwand bei so vielen Fahrrädern in keinem vertretbaren Verhältnis zum angestrebten Ziel stehe. Der Anstieg an Unfällen liegt aus Sicht des Autoclubs nicht an einer zunehmend aggressiven Fahrweise der Radfahrer.

Wenn Radfahrer eine rote Ampel überfahren, auf der falschen Seite des Fahrradweges fahren oder das Handy benutzen, werde das bundesweit nicht erfasst, erklärt Mertens. Der Polizeigewerkschaftler gibt zudem zu bedenken, dass ein Kennzeichen nicht zielführend sei, denn damit könne nur der Eigentümer, nicht der tatsächliche Fahrer ermittelt werden: „Die direkte Ahndung vor Ort ist verkehrserzieherisch am effektivsten.“ Fahrradfahrer müssten an der eigenen Disziplin arbeiten, sagt er.

Fahrradfahrer verursachen mehr Unfälle

Bei Verkehrsunfällen sind laut Statistischem Bundesamt bundesweit im vergangenen Jahr 96.337 Fahrradfahrer zu Schaden gekommen, geht aus Daten des Statistischen Bundesamts hervor. Allerdings trug nur in knapp 14 Prozent der Fälle ein Radfahrer die Hauptschuld, 2017 lag die Quote noch bei 12,3 Prozent.

„Der Hauptverursacher bleibt der Autofahrer“, betont ein ADFC-Sprecher. Daher fordern die Fahrradlobbyisten, die Infrastruktur besonders in Städten für Fahrradfahrer auszubauen, etwa mit breiteren Fahrradwegen: „Auf knappem Raum mit ungerechter Flächenverteilung entstehen Konflikte und kommt es leider fast zwangsläufig zu Unfällen.“

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