Donald Trump auf Auslandsreise : Acht Tage, viele Erkenntnisse

Donald und Melania Trump
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Donald und Melania Trump

In Riad tanzt er mit den Saudis, in Europa beschimpft er die Verbündeten. Donald Trump bereist in acht Tagen fünf Länder

svz.de von
28. Mai 2017, 20:30 Uhr

Die Ziele waren hoch, der Zeitplan eng. Fünf Länder warteten auf Donald Trump. Etliche Staats- und Regierungschefs wollte er treffen, den Papst besuchen. Es war eine Reise ins Unbekannte. Was bleibt?

Neue Freunde: Trump konnte die autoritären Herrscher in Saudi-Arabien gar nicht genug loben. Sie rollten ihm den roten Teppich aus. Mit aller Macht bemühte sich Israel, den 70-Jährigen als Alliierten nie da gewesener Qualität zu preisen.

Starke Symbole: In einer Gesamtbilanz ist der erste Teil der Reise vergleichsweise ein Erfolg. Keine Ausfälle des Präsidenten. Trumps Rede an die muslimische Welt war nach der Schärfe des Wahlkampfs und seinen Einreisedekreten unfallfrei, was viele dankbar bereits als Ausweis von Staatskunst werteten. Starke Symbole gab es und viel klingende Rhetorik. Nichts Greifbares, aber mächtige Bilder.

Diplomatische Patzer: Trumps erste Schritte auf dem internationalen Parkett blieben nicht unfallfrei. Der irritierende Eintrag „Amazing“ (Fantastisch) in das Gästebuch der Holocaust-Gedenkstätte Yad Vashem, der unsanfte Schubser für den Premierminister von Montenegro, die satte Verspätung beim G7-Gipfel. Das wird hängen bleiben.

America first, America alone: Eine als Grußwort geplante Rede zu einem Denkmal für die Attacke auf das World Trade Center vor dem neuen Nato-Hauptquartier nutzte der Präsident für eine Standpauke. Er übte seine Macht auf die anderen aus, gab sich als Oberbefehlshaber. Trump brüskierte Verbündete, die seit Jahrzehnten an der Seite Washingtons stehen. Beim G7-Gipfel auf Sizilien war der US-Präsident der einzige, der nicht im selben Hotel wie die anderen schlief.

Journalisten müssen draußen bleiben: Der Präsident gab in acht Tagen keine einzige Pressekonferenz. In Brüssel verzichtete er auf ein Statement mit den Spitzen der EU. Ratspräsident Donald Tusk stellte sich allein vor die Journalisten und sagte, er sei nicht sicher, ob man eine gemeinsame Position zu Russland habe.

Beim G7-Gipfel war der Amerikaner der einzige Staats- bzw. Regierungschef, der sich nicht den Journalisten stellte.

Abschottung in 140 Zeichen: In seinem Twitteraccount war es während der Reise bemerkenswert ruhig. Ab und an verschickte Trump Dankesworte an seine Gastgeber und Beteuerungen an die Anhänger Zuhause.

Pause, kein Neustart: Trump bereiste in acht Tagen fünf Länder, Russland aber konnte er nicht hinter sich lassen. Die Affäre um Kontakte zwischen seinem Wahlkampflager und Moskau schwelte in der Heimat weiter. Und sie rückte sehr nah an den 70-Jährigen heran. Das FBI soll seinen Schwiegersohn Jared Kushner ins Visier genommen haben. Der von Trump gefeuerte FBI-Chef James Comey will demnächst im Geheimdienstausschuss aussagen.

Trumps Ausflug auf die Weltbühne war eine Ablenkung, ein Neustart war es nicht. Die raue Gegenwart Washingtons wartete auf ihn.

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