zur Navigation springen

22. Politischer Aschermittwoch : „Ach Angie, du bist so bescheiden“

vom
Aus der Redaktion der Zeitung für die Landeshauptstadt

22. Politischer Aschermittwoch der CDU in Demmin im Wahljahr – ausgelassen und nachdenklich

von
erstellt am 01.Mär.2017 | 20:45 Uhr

Eine ausgelassene Stimmung in einer gut gefüllten Tennishalle im vorpommerschen Demmin. Stehende Ovation bekam Hauptrednerin Angela Merkel (CDU) heute Nachmittag schon beim Einmarsch von den gut 1200 Gästen. „Zeit für offene Worte“, hieß auch im Wahlkampfjahr 2017 wieder das Motto.

Bernd Schönfeld war mit zwei Freunden sogar aus der Karnevalshochburg Köln angereist. „Wir hoffen, dass die Kanzlerin gegen die SPD mit Martin Schulz und gegen die AfD klare Kante zeigt“, sagte der 52-Jährige über seine Erwartungen. Ansonsten sah man viele bekannte Gesichter aus dem CDU-Landesverband Mecklenburg-Vorpommerns sowie Politiker aus anderen Parteien und Vertreter aus Wirtschaft, Behörden und Organisationen. Nicht aber aus der AfD. Pikanterweise hatten die Alternativen ihren politischen Aschermittwoch ebenfalls nach Demmin verlegt unter dem Motto „Freibier für alle“ (siehe unten). Bei der CDU kostete das große frisch gezapfte Lübzer übrigens 2,50 Euro.

Der Zeremonienmeister mit Zylinder und Fliege, Europaabgeordneter Werner Kuhn (CDU) aus Zingst, nahm sich auch gleich die AfD vor: „Als Trittbrettfahrer hier per se versucht sich jetzt die AfD. Und kocht nun ihre braune Suppe als Aschermittwochs-Krabbelgruppe.“ Tätärääää.

Lob dagegen für Parteifreunde wie Wirtschaftsminister Harry Glawe (CDU): „Jetzt zu dir, den man vermisste, den Ludwig Erhard der Küste.“ Oder für Angela Merkel. „Ach Angie, du bist so bescheiden. Um deinen Job nicht zu beneiden.“ Tätärääää.

Dann endlich war die Kanzlerin dran. Sie trug eine orange Kostümjacke und versuchte es erst gar nicht mit Witzigkeit. Analyse ist eher ihre Stärke. Die innere Sicherheit bezeichnete Merkel als eines der wichtigsten Aufgabenfelder der Union. „Es braucht die CDU, damit Sicherheitsbehörden effektiv und wirkungsvoll arbeiten können“, sagte sie. Polizisten und Rettungskräfte hätten mehr Wertschätzung und Respekt nötig. Außerdem sprach sie sich für die schwarze Null in der Finanzpolitik, den Ausbau eines starken Internets und gegen ein Aufweichen des Leistungsprinzips an Schulen aus. Auf der größten Aschermittwochveranstaltung der CDU zeigte sich die Kanzlerin im Wahlkampfmodus.

Dann wurde sie nachdenklich: „An diesem Abend denken wir auch an den Journalisten Deniz Yüzel, dessen Freilassung aus dem türkischen Gefängnis wir fordern.“ Die Bundesregierung werde alles in ihrer Macht stehende für seine Freilassung tun, sagte die Kanzlerin in einer insgesamt guten Rede. Unabhängiger Journalismus könne manchmal unbequem sein, sei aber als Teil der Demokratie unverzichtbar.

CDU-Landesvorsitzender Lorenz Caffier hielt sich wie schon im Landtagswahlkampf mit verbalen Angriffen gegen den Koalitionspartner SPD zurück und widmete mehr als die Hälfte seiner Redezeit der Bundespolitik. Vorbei sind die Zeiten, als er die heutige Bundesfamilienministerin Manuela Schwesig (SPD) auf solchen Veranstaltungen noch schenkelklopfend als „Küstenbarbie“ bezeichnet hatte. Mit etwas Wehmut erinnerte Caffier daran, dass sein gestriger Auftritt der letzte in Demmin sein wird. Am 8. April wird ein neuer CDU-Landeschef gewählt.

Zeremonienmeister Kuhn keilte kräftiger gegen den Koalitionspartner aus. Über Verkehrsminister Christian Pegel (SPD) witzelte er: „Weine nicht, wenn der Pegel fällt, ich hab‘ uns noch ein Bier bestellt.“ Es reimte sich zumindest.


zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Kommentare

Leserkommentare anzeigen