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Deutschen-Phobie auf Mallorca : „Abschaum“ unerwünscht

vom
Aus der Redaktion der Zeitung für die Landeshauptstadt

Deutsche Touristen geraten auf Mallorca mehr und mehr in Verruf.

svz.de von
erstellt am 11.Jul.2017 | 06:00 Uhr

Palmas neuer Bürgermeister Antoni Noguera ist erst ein paar Tage im Amt, aber er kündigte gleich einen neuen Feldzug gegen den Schmuddeltourismus auf Mallorca an. Nach den Exzessen deutscher Neonazis und randalierender Sauftouristen im Partyviertel an der Playa de Palma wählt er harte Worte, um seiner Empörung Luft zu machen: Er nennt die deutschen Problemtouristen „Abschaum“. Gleichzeitig warnt er davor, dass diese Auswüchse unter den Einheimischen zu einer „Deutschen-Phobie“ führen könnten. Der Bürgermeister fordert die deutsche Bundesregierung und Reiseveranstalter auf, dafür zu sorgen, dass sich die germanischen Touristen künftig besser benehmen. Deutschland stellt den größten Teil der Mallorca-Urlauber: Mehr als 40 Prozent der rund zehn Millionen internationalen Touristen, die in 2016 auf die Insel kamen, waren Deutsche.

„Der Abschaum, der uns geschickt wird, ist nicht angenehm“, wetterte Noguera, der von der linken Regionalpartei Més stammt, im Gespräch mit der Inselzeitung „Diario de Mallorca“. Mitverantwortlich dafür seien jene Reisekonzerne, die solche Urlauber, die auf Trinkgelage und Konflikte aus seien, mit billigen Pauschalangeboten auf die Insel lockten. Noguera spricht von der „Diktatur der Reiseveranstalter an der Playa de Palma“, der Hochburg des deutschen Partytourismus. Allein an dieser Vergnügungsmeile östlich der Inselhauptstadt Palma, die auch als „Ballermann“-Viertel bekannt ist, stehen rund 40 000 Gästebetten.

Diese Problemurlauber seien zwar nur „ein kleiner Teil der Touristen“, räumt Palmas oberster Sittenwächter ein. Aber sie schädigten das Bild des deutschen Urlaubers auf der Insel. Das Verhalten dieser Minderheit nähre bei den Einheimischen Klischees und Vorurteile über die Deutschen. Es wachse eine „besorgniserregende Deutschen-Phobie“, warnt Noguera. Auch wenn ihm natürlich klar sei, dass viele deutsche Urlauber kommen, „um ganz normale Ferien zu verbringen“. Noguera: „Die große Mehrheit der Deutschen weiß sich zu benehmen und ist bei uns willkommen.“

Mehrere Auswüchse an der Playa de Palma hatten in den letzten Wochen die Empörung hochkochen lassen: Erst pöbelten deutsche Neonazis herum, riefen ausländerfeindliche Parolen und breiteten eine Reichskriegsflagge aus. Dann prügelten sich deutsche Touristen am helllichten Tag auf der Strandpromenade. Hinzu kommen tägliche Alkoholexzesse, wie zum Beispiel das beliebte Sangría-Saufen aus Eimern, begleitet von Gegröle, sexuellen Belästigungen und öffentlichem Urinieren. Im Frühjahr war der Moderator des Norddeutschen Rundfunks, Hinnerk Baumgarten, zusammengeschlagen worden, nachdem er einen deutschen alkoholisierten Wildpinkler am Strand gerügt hatte. „Wir verlangen von den Herkunftsländern ein bisschen Mitverantwortung“, sagt Bürgermeister Noguera.



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