Politiker würdigen Willy Brandt : „Zutiefst menschliche Geste“: 50 Jahre Kniefall von Warschau

von 07. Dezember 2020, 10:43 Uhr

svz+ Logo
Willy Brandt kniet am vor dem Mahnmal im einstigen jüdischen Ghetto, das den Helden des Ghetto-Aufstandes vom April 1943 gewidmet ist. Archivfoto
Willy Brandt kniet am vor dem Mahnmal im einstigen jüdischen Ghetto, das den Helden des Ghetto-Aufstandes vom April 1943 gewidmet ist. Archivfoto

Vor 50 Jahren gingen die Bilder von Willy Brandts Kniefall in Warschau um die Welt. Die Geste wirkt bis heute nach.

Berlin | Mit seinem Kniefall in Warschau bat Willy Brandt vor 50 Jahren eindrucksvoll im Namen der Deutschen um Vergebung für die Nazi-Verbrechen. Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier hat die Bedeutung des Kniefalls für der deutsch-polnischen Beziehungen gewürdigt. "Die Partnerschaft zwischen Deutschland und Polen ist eine wichtige Voraussetzung für eine erfolgreiche Zukunft", sagte Steinmeier in einer Videobotschaft zum Jahrestag. "Aber wir werden auch die Vergangenheit nicht vergessen. Nicht das Leid der Menschen in Polen, nicht den historischen Mut zur Versöhnung und auch nicht einen Kniefall, der uns an all das erinnert." Lesen Sie auch: Umfrage: Holocaust-Gedenken geht jedem Fünften zu weit Vor 75 Jahren wurde das NS-Konzentrationslager Auschwitz befreit Steinmeier begrüßte auch den Beschluss des Bundestags, ein Denkmal für die polnischen Opfer des Zweiten Weltkriegs an prominenter Stelle in Berlin zu errichten. "Dieses Denkmal setzt ein sichtbares Zeichen gegen das Vergessen. Es soll uns zugleich ständige Mahnung für eine bessere Zukunft sein", sagte er. Der Bundestag hatte die Bundesregierung Ende Oktober aufgefordert, einen solchen Gedenkort zu schaffen. Geste fand weltweit Beachtung Am 7. Dezember 1970 hatte Brandt unmittelbar vor der Unterzeichnung des Vertrags, in dem die Bundesrepublik die polnische Westgrenze anerkannte, am Denkmal für die Helden des jüdischen Ghettos in Warschau einen Kranz niedergelegt. Nach dem Zurechtrücken der Kranzschleifen fiel der SPD-Politiker auf die Knie. Die Geste fand weltweit Beachtung als Bitte um Vergebung für die Verbrechen der Nazizeit und als Zeichen für Versöhnung. Am Montag wird der Chef des Bundespräsidialamtes, Staatssekretär Stephan Steinlein, an dem Ghetto-Denkmal in Warschau einen Kranz niederlegen. Vizekanzler Olaf Scholz würdigte den Kniefall als "zutiefst menschliche Geste" und würdigte die Entspannungspolitik Brandts gegenüber der Sowjetunion, der DDR und den anderen Staaten des Warschauer Pakts "als große befreiende Veränderung für Deutschland und für Europa". Related content Der SPD-Kanzlerkandidat forderte in der "Rheinischen Post" (Montag) eine neue europäische Ostpolitik. "Deutschland wird eine neue Ostpolitik nur im Verbund der Europäischen Union voranbringen", sagte er. "Wir wollen deshalb unsere Nachbarn, auch Russland, davon überzeugen, dass sie den europäischen Integrationsprozess akzeptieren." ...

Schließen Sie jetzt den kostenfreien Probemonat ab (anschließend 7,90 €/Monat), um diesen Artikel zu lesen. Alle weiteren Inhalte auf unserer Webseite und in unserer App stehen Ihnen dann ebenfalls zur Verfügung.

Monatlich kündbar

Sie sind bereits Digitalabonnent?

Hier anmelden »

Oder kostenlos bis zu drei Artikel in 30 Tagen lesen

Registrieren »
zur Startseite