Tourismusregion Harz drohen Kahlschläge : Waldwirtschaft erwartet erneutes Katastrophenjahr

Von Borkenkäfern befallener Wald im niedersächsischen Harz. Foto: Julian Stratenschulte/dpa
Von Borkenkäfern befallener Wald im niedersächsischen Harz. Foto: Julian Stratenschulte/dpa

Sturmschäden, Trockenheit und Schädlingsbefall bereiten den deutschen Wäldern im zweiten Jahr in Folge massive Probleme.

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11. Juli 2019, 14:25 Uhr

Hannover | Deutschlands Wäldern und der Forstwirtschaft droht nach 2018 ein erneutes Katastrophenjahr. Allein bis März dieses Jahres sind in den Bundesländern bereits 13 Millionen Kubikmeter Schadholz, so genanntes Kalamitätsholz, angefallen, teilte das Bundesagrarministerium in Berlin mit. „Nach ersten Prognosen zeichnet sich bereits ab, dass für das laufende Jahr eine vergleichbare Schadholzmenge wie vergangenes Jahr zu erwarten ist“, erklärte eine Sprecherin von Agrarministerin Julia Klöckner (CDU). 2018 waren insgesamt rund 32,4 Millionen Kubikmeter Kalamitätsholz angefallen, das entspricht dem viertschwersten Schadensereignis der Forstwirtschaft in den vergangenen 30 Jahren. Entscheidend sei nun der weitere Witterungsverlauf in diesem Jahr.

Etwa ein Drittel der Schäden gehen auf Sturmwürfe zurück, zwei Drittel auf Borkenkäferfraß vor allem an Fichten. Vor allem die anhaltende Trockenheit macht den Bäumen zu schaffen und sie anfällig für Schädlingsbefall. Bundesweit summieren sich die durch Einschlag geschaffenen Freiflächen bereits jetzt auf etwa 114 000 Hektar. Das ist größer als die Fläche von Hamburg und Bremen zusammengenommen.

Besonders augenfällig sind die Probleme in den Mittelgebirgen, insbesondere in der Tourismusregion Harz im Dreiländereck Niedersachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen. Das Gastgewerbe berichtet angesichts verwüsteter Flächen von besorgten und verunsicherten Touristen. Allein Niedersachsens höchster Erhebung, dem Wurmberg bei Braunlage, droht ein teilweiser Kahlschlag der vom Borkenkäfer befallenen Fichten. Auf 80 Hektar Fläche sollen bis zu 80 000 Bäume gefällt werden werden. An ihrer Stelle sollen weniger klimaempfindliche Mischwälder mit Buchen, Eichen, Douglasien, Lärchen und Roteichen gepflanzt werden. Allerdings leiden auch diese Baumarten niedersachsenweit zum Teil stark unter der anhaltenden Trockenheit und Schadinsekten, die sich bei dem Wetter rasch vermehren. „Wir rechnen damit, dass alle Baumarten Vitalitätseinbußen hinnehmen müssen“, sagte Mathias Aßmann, Sprecher der Niedersächsischen Landesforsten. So begünstige das warme Wetter beispielsweise die Ausbreitung des Eichenprozessionsspinners.

Klöckner forderte ein massives Wiederaufforstungsprogramm für Deutschland. Zur Wiederbewaldung der geschädigten Flächen würden mehrere Millionen Bäume benötigt. „Jeder Baum, der heute vertrocknet und verendet und nicht nachgepflanzt wird, ist eine verlorene Chance für die kommende Generation“, sagte die CDU-Politikerin. Allerdings sei die Förderung der Forstwirtschaft Sache der Länder, betonte die Ministerin.

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