Pistorius wartete bis zuletzt auf Daten : Verteidigungsministerium: Frühe Moorbrand-Messwerte gibt es nicht

'Weil sie nicht angefordert wurden': Jens Flosdorff (vorne im roten Pullover) ist Sprecher von Bundesverteidigungsministerin Ursula von der Leyen. Während die niedersächsischen Behörden noch immer auf Antwort der örtlichen Bundeswehrkräfte warten, bekräftigte der Beamte in Berlin, dass es keine Messdaten aus den ersten Wochen des Moorbrandes gibt.  Foto: imago/Christian Thiel
"Weil sie nicht angefordert wurden": Jens Flosdorff (vorne im roten Pullover) ist Sprecher von Bundesverteidigungsministerin Ursula von der Leyen. Während die niedersächsischen Behörden noch immer auf Antwort der örtlichen Bundeswehrkräfte warten, bekräftigte der Beamte in Berlin, dass es keine Messdaten aus den ersten Wochen des Moorbrandes gibt. Foto: imago/Christian Thiel

Niedersächsische Behörden warten noch immer auf Messdaten aus den ersten Wochen des Moorbrandes, um eine Gefährdung von Einsatzkräften auf der Wehrtechnischen Dienststelle in Meppen ausschließen zu können. Aktuellen Aussagen des Bundesverteidigungsministeriums zufolge werden sie keine erhalten.

svz.de von
06. Oktober 2018, 08:57 Uhr

Osnabrück | Bisher liegen nur erste Daten von Luftmessungen ab dem 18. September und umfassende Messwerte ab dem 20. September vor. Der Brand aber brach am 3. September aus. In der Zeit bis zum 18. September waren bereits zahlreiche Kräfte von Technischem Hilfswerk und Feuerwehr auf dem Gelände im Einsatz.

Inzwischen ist abschließend klar, dass es Daten aus dieser Zeit nicht gibt. Trotz entsprechender Angaben der Bundeswehr unserer Redaktion gegenüber war das niedersächsische Innenministerium bis zuletzt davon ausgegangen, welche zu erhalten.

Noch am Freitag zitierte der NDR den zuständigen Referatsleiter, dass in Hannover seit der Anfrage vom 27. September auf eine Antwort gewartet werde. Damals habe es geheißen, es werde geprüft, welche Daten erhoben worden sind und ob diese veröffentlicht werden können. "Wir drängen immer wieder darauf, unsere Fragen zu beantworten", sagte der Beamte. Das Innenministerium sehe es kritisch, dass gerade in diesem Punkt eine Antwort der Bundeswehr so lange auf sich warten lasse.

Auch das Technische Hilfswerk, die örtlich eingesetzten Feuerwehrkräfte aus ganz Norddeutschland und der Landkreis Emsland haben während der Einsätze ihrer Kräfte in der Zeit bis zum 18. September niemals Messdaten zur Verfügung gestellt bekommen.

Warum nicht, ist spätestens seit der Bundespressekonferenz vom Freitag in Berlin klar. Dort erklärte der Sprecher von Bundesverteidigungsministerin Ursula von der Leyen in Berlin, Jens Flosdorff, es gebe aus jener Zeit keine Daten, weil die örtlichen Kräfte der Bundeswehr keine hätten erheben lassen: "Warum hat es dort keine Messungen gegeben? Weil sie dort nicht angefordert waren", sagte Flosdorff. Und: "Wir haben Gasmessungen aus der Zeit rund zwei Wochen nach Ausbruch des Brandes, also ab dem 18. September." Ergo: Aus der Zeit davor liegen keine vor, wie auch die Bundeswehr unserer Redaktion bereits mitgeteilt hatte.

Das Bundeswehr-Blog "Augen geradeaus" zitiert den Wortwechsel aus der Bundespressekonferenz komplett:

Frage: An Herrn Flosdorff die Frage: Wurde auf dem Moorbrand-Gebiet in Meppen uranhaltige Munition getestet? Welche Untersuchungen laufen gerade, und warum wurden erst zwei Wochen nach Ausbruch des Brandes Geologen hinzugezogen?

Flosdorff: Vielen Dank für die Frage. Das gibt mir Gelegenheit, das hier noch einmal klarzustellen.

Es gibt jetzt keine neuen Erkenntnisse oder Hinweise darauf, dass es dort eine erhöhte Quecksilberbelastung oder eine Uranbelastung gibt. Es gibt auf dem Gelände in Meppen jährlich intensive detaillierte Wasserproben. Es hat dort nie Hinweise auf Belastungen gegeben, wie Sie sie jetzt gerade angesprochen haben. Das ist eine rein vorsorgliche Maßnahme. Wir haben auch keine Hinweise darauf, dass jemals auf dem Gelände Uranmunition getestet worden ist. Das ist die Faktenlage. Also man sollte das einmal ins Verhältnis zu den Überschriften setzen, die dann mit einem Fragezeichen versehen werden. Sie beziehen sich auf rein vorsorgliche Messungen, die jetzt durchgeführt werden. Das ist nicht das erste Mal, dass sie durchgeführt werden. Jedes Jahr werden dort routinemäßig Messungen durchgeführt, und man schaut jetzt, ob sich nach dem Moorbrand – beziehungsweise es brennt ja noch etwas im Kleinen Umfang – dort irgendwelche Veränderungen ergeben haben. Das geschieht rein vorsorglich auf Wunsch des Landes Niedersachsen, um dort Sicherheit für die Bevölkerung zu schaffen und aktuelle Werte und Daten zu haben. Also wir haben keine Erkenntnisse, dass dort jemals Uranmunition verschossen worden ist.

Sie haben noch eine andere Frage angesprochen – Luftmessungen. Dazu habe ich ja schon, auch wiederholt von dieser Stelle, Stellung genommen. Die Ministerin war vor Ort. Wir sind nicht damit einverstanden, wie das in der ersten Zeit nach Ausbruch des Brandes dort gemanagt worden ist. Da ist sicherlich nicht alles glücklich gelaufen. Trotzdem stellt sich die Frage: Warum hat es dort keine Messungen gegeben? Weil sie dort nicht angefordert waren. Das ist ein 200 Quadratkilometer großes Gelände. Wir wären glücklicher gewesen, man hätte frühzeitiger auch die zivilen Kräfte alarmiert und eingebunden.

Trotzdem, wir haben Luftmessungen. Wir haben Schadstoffmessungen. Wir haben Gasmessungen aus der Zeit rund zwei Wochen nach Ausbruch des Brandes, also ab dem 18. September. Das war die Zeit der größten Belastung, auch der Luftbelastung. Da hatte man den meisten Rauch. Dort sind nach allen Erkenntnissen – das sind nicht nur Bundeswehrmessungen, sondern auch zivile Messungen anderer Behörden anderer Bundesländer – die Grenzwerte nicht überschritten worden. Also dass jetzt in der Zeit davor, als das Ausmaß des Brandes noch Kleiner war, eine größere Gesundheitsgefährdung bestanden hat, dafür gibt es keine Anhaltspunkte.

Frage: Sie haben gesagt, Sie hätten keine Hinweise auf uranhaltige Munition, die da getestet worden ist. Gilt das auch für quecksilberhaltige Sprengkörper?

Die andere Frage ist: Habe ich das jetzt richtig verstanden, dass Sie auch nach Strahlenbelastung messen? Das war ja so der Berichterstattung zu entnehmen.

Flosdorff: Das ist die Berichterstattung darüber. Da hat man gefragt, ob Messungen durchgeführt werden. Ja, dafür werden Messungen durchgeführt.

Zusatzfrage: Also Strahlenbelastungen?

Flosdorff: Das heißt aber nicht, dass wir Hinweise darauf haben, dass es dort eine Strahlenbelastung gibt. Diese Messungen werden jetzt umfassend nach der Hochphase des Brandes durchgeführt, um festzustellen, ob dort irgendetwas freigesetzt worden ist.

Noch einmal: Wir machen jährlich detaillierte Wasser- und Bodenanalysen in Meppen. Da wird auf alle möglichen Schadstoffe getestet. Es hat keine Hinweise darauf gegeben, dass wir dort zu normalen Zeiten eine erhöhte Belastung haben. Es wird ja auch das Wasser ausgewaschen. Da müsste man in den Wasserproben eigentlich etwas finden.

Jetzt schauen wir noch einmal nach dem Brand, ob sich da irgendetwas geändert hat. Das heißt aber nicht, dass wir jetzt irgendeinen akuten Hinweis darauf haben, dass dort eine bestimmte Munition verschossen worden ist und sich dort Werte erhöht haben könnten.

Wir wollen aber trotzdem, dass man das macht. Wenn es zur Aufklärung und zur Transparenz beiträgt, dann ist es gut, dass man diese Messungen jetzt durchführt. Ich bitte einfach, den Umstand – da appelliere ich auch ein bisschen an Ihre Verantwortung -, dass Messungen durchgeführt werden, jetzt nicht mit einem Fragezeichen zu versehen und zu fragen: Gibt es da jetzt eine erhöhte Strahlenbelastung? Ist da jetzt plötzlich Uran verschossen worden?

Wir haben auch vorher schon wiederholt gegenüber Medien vor Ort geäußert, dass wir keine Hinweise darauf haben, dass dort jemals während der vielen Jahrzehnte der über 100 Jahre alten Geschichte dieses Testgeländes Uran-Munition verschossen worden ist. Ich appelliere an Sie, jetzt sorgfältig mit diesen Informationen umzugehen, das zu gewichten und die Berichterstattung danach zu gestalten.

Zusatzfrage: Wann werden denn die Ergebnisse dieser Messungen vorliegen?

Flosdorff: Diese Ergebnisse werden veröffentlicht, wenn sie vorliegen. Sie werden konsolidiert. Auch vorher können Sie sich auf den Seiten des Landkreises informieren. Wir tauschen diese Informationen aus. Sie werden gesichert, und dann werden sie veröffentlicht.

Noch einmal: Diese Messungen, die jetzt hier eingestellt werden – das sage ich noch einmal ganz deutlich -, sind nicht auf akute Hinweise zurückzuführen, sondern darauf, dass wir vorsorglich wissen wollen, ob sich die Messergebnisse mit dem decken, was wir in den ganzen Jahren zuvor auf diesem Platz gemessen haben.

Zusatzfrage: Was war mit den quecksilberhaltigen Sprengkörpern? Können Sie das auch ausschließen?

Flosdorff: Dazu kann ich Ihnen jetzt keine Details sagen.

Ich kann Ihnen nur sagen: Bei Messungen von Wasserproben in den vergangenen Jahren, die immer wieder detailliert durchgeführt worden sind, hat es keine Auffälligkeiten gegeben. Wir schauen jetzt, ob sich nach dem Brand an diesen Werten irgendetwas ändert. Die Messergebnisse werden zur Verfügung gestellt, wenn es dort Hinweise gibt.

Wir gehen sehenden Auges kein Risiko ein – das dürfen Sie uns glauben -, weder für die eigenen Kräfte noch für die Unterstützungskräfte der Feuerwehren oder der Anwohner dort in der Gegend.

Frage: Trotzdem noch einmal die Nachfrage: Wie muss man sich das vorstellen? Dauert das einen Tag? Da geht jemand hin, misst und wertet das dann aus? Oder dauert das eine Woche, bis man alle Proben genommen hat? Es geht mir darum, dass man ein Kleines bisschen den Zeithorizont einschätzen kann.

Flosdorff: Sehen Sie es mir nach. Ich bin kein Experte für solche Prüfungen. Das werden sorgfältige Prüfungen sein. Das sind Experten, die dort am Werk sind. Wir berichten jeden Tag mit einem technischen Bulletin darüber, wie der Stand in Meppen ist. Da können Sie sich gern eintragen. Dann bekommen Sie täglich brandaktuell die Ergebnisse und neuen Erkenntnisse, die man dort hat.

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