Blockade gegen US-Hilfslieferungen : Venezuelas Staatschef Maduro lässt Grenze zu Brasilien schließen

Gegenpräsident Juan Guaidó will an der kolumbianischen Grenze (Foto) Hilfslieferungen entgegennehmen. Maduro macht derweil die Grenze zu Brasilien dicht.
Gegenpräsident Juan Guaidó will an der kolumbianischen Grenze (Foto) Hilfslieferungen entgegennehmen. Maduro macht derweil die Grenze zu Brasilien dicht.

Maduros Widersacher Juan Guaidó ist Richtung Kolumbien unterwegs, um persönlich von dort Hilfsgüter abzuholen.

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21. Februar 2019, 19:32 Uhr

Caracas | Im Tauziehen um geplante Hilfslieferungen aus den USA schließt Venezuela seine Grenze zu Brasilien. Staatspräsident Nicolás Maduro verkündete am Donnerstag nach einem Treffen mit Armeechefs, die Grenze werde ab 20 Uhr Ortszeit (Freitag 1 Uhr MEZ) bis auf Weiteres vollständig geschlossen. Die Regierung will verhindern, dass von den USA bereit gestellte und von der Opposition geforderte Hilfslieferungen ins Land gelangen.

Sie hatte deshalb bereits die Grenze zu Kolumbien geschlossen und Grenzübergänge mit quergestellten Containern blockiert.

Der Auflieger eines Tanklastzugs und zwei Container versperren die Tienditas-Brücke nach Venezuela. Foto: dpa/Benjamin Rojas
Der Auflieger eines Tanklastzugs und zwei Container versperren die Tienditas-Brücke nach Venezuela. Foto: dpa/Benjamin Rojas

Die humanitäre Hilfe für Venezuela ist zum Spielball im Machtkampf zwischen Präsident Nicolás Maduro und der Oppositionsführer geworden.

Guaidó setzt Frist für Hilfsgüter-Einfuhr bis Samstag

Der Oppositionsführer und selbsternannte Übergangspräsident Juan Guaidó hat der Regierung eine Frist bis Samstag gesetzt, um mehrere Tonnen hauptsächlich von den USA zur Verfügung gestellte Medikamente und Lebensmittel ins Land zu lassen. Die Hilfsgüter sind bislang in Kolumbien blockiert.

Am Donnerstagmorgen war Guaidó mit Oppositionsabgeordneten und einem Buskonvoi in Richtung der Grenze zu Kolumbien aufgebrochen, um ausländische Hilfslieferungen ins Land zu holen. "Wir brechen mit leeren Fahrzeugen auf, aber wir werden beladen mit Kisten voller Hilfsgüter zurückkehren!" sagte die Oppositionsabgeordnete Delsa Solorzano, die an dem Konvoi teilnahm.

Ein Lkw-Konvoi aus Guaidó-Anhängern fährt 900 Kilometer von Caracas Richtung Kolumbien um persönlich Hilfsgüter abzuholen. Foto: imago/ITAR-TASS/Valery Sharifulin
Ein Lkw-Konvoi aus Guaidó-Anhängern fährt 900 Kilometer von Caracas Richtung Kolumbien um persönlich Hilfsgüter abzuholen. Foto: imago/ITAR-TASS/Valery Sharifulin

Maduro meint, Trump plane seinen Sturz

Maduro weigert sich kategorisch, US-Hilfen anzunehmen. Er sieht diese als Vorwand und Täuschungsmanöver, um den Boden für eine US-geführte Militärintervention zu bereiten. Am Mittwochabend bezeichnete er die Hilfslieferungen erneut als politische "Showveranstaltung" und warf US-Präsident Donald Trump vor, seinen Sturz zu planen: "Sie haben eine angebliche humanitäre Hilfe aus verdorbenen und krebserregenden Lebensmitteln erfunden und wollen sie mit Gewalt ins Land bringen", sagte der Präsident.

Guaidó bekräftigte dagegen, die Hilfslieferungen würden auch gegen den Widerstand der Regierung ins Land gelangen: "Die humanitäre Hilfe wird reinkommen, egal was passiert – über das Meer oder auf dem Landweg", sagte er. Wie genau der von inzwischen rund 50 Ländern anerkannte Übergangspräsident dies durchsetzen will, sagte er allerdings nicht.

Mit "Despacito" – Guaidó und Maduro planen Großkonzerte

In ihrem Kräftemessen planen derweil beide Seiten Großkonzerte an der kolumbianischen Grenze. Auf Initiative des britischen Virgin-Chefs und Milliardärs Richard Branson soll am Freitag in Cúcuta auf der kolumbianischen Seite das Benefizkonzert "Venezuela Aid Live" stattfinden, bei dem Spenden für die venezolanische Bevölkerung gesammelt werden sollen.

Der britische Großinvestor Richard Branson plant in Kolumbien am 22. Februar ein Benefizkonzert für die notleidende Bevölkerung im benachbarten Venezuela. In der Grenzstadt Cúcuta sollen sowohl internationale als auch regionale Stars auftreten. Foto: dpa/Benjamin Rojas
Der britische Großinvestor Richard Branson plant in Kolumbien am 22. Februar ein Benefizkonzert für die notleidende Bevölkerung im benachbarten Venezuela. In der Grenzstadt Cúcuta sollen sowohl internationale als auch regionale Stars auftreten. Foto: dpa/Benjamin Rojas

Auftreten sollen internationale Stars wie Alejandro Sanz und Miguel Bosé aus Spanien, Juan Luis Guerra aus der Dominikanischen Republik, Juanes und Carlos Vives aus Kolumbien und der durch den Hit "Despacito" bekannte Puertoricaner Luis Fonsi.

Die venezolanische Regierung kündigte derweil ein Konzert unter dem Motto "Hände weg von Venezuela" in nur rund 300 Metern Entfernung auf der Tienditas-Grenzbrücke an. Wer dort auftreten soll, wurde nicht mitgeteilt, das Konzert soll ebenfalls am Freitag starten und drei Tage dauern. "Was sie auf der anderen Seite der Grenze machen ist ihr Problem – wir werden unser Staatsgebiet verteidigen", sagte Diaro Vivas von der Regierungspartei.

Weiterlesen: Ratlosigkeit in Venezuela: Grenze dicht, Kompromiss nicht in Sicht

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