Moorbrand im Emsland : Uran-Munition war in Meppen gelagert

Dieses Geschütz verschießt bei einem Test uranhaltige DU-Munition - das aber in Schottland. Der Direktor der WTD im Emsland soll sich in weiser Voraussicht geweigert haben. Foto: dpa/Mark Owens
Dieses Geschütz verschießt bei einem Test uranhaltige DU-Munition - das aber in Schottland. Der Direktor der WTD im Emsland soll sich in weiser Voraussicht geweigert haben. Foto: dpa/Mark Owens

Auch unsere Redaktion hat keine Hinweise, dass auf der WTD der Bundeswehr im Emsland Uranmunition verschossen worden ist. Denn: Der damalige Dienststellenleiter soll sich geweigert haben. Unterlagen gibt es darüber aber keine mehr, und gelagert wurde die Munition auf der Anlage in jedem Fall. So richtig sicher kann sich dann also doch keiner sein.

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06. Oktober 2018, 13:31 Uhr

Osnabrück | Von Burkhard Ewert

Die Bundeswehr untersucht das Gelände der Wehrtechnischen Dienststelle der Bundeswehr (WTD 91) in Meppen nach dem massiven Moorbrand der vergangenen Wochen gegenwärtig auf Strahlung. Erste Ergebnisse blieben negativ. Hintergrund: Auf der WTD war in den Jahren 1978/1979 zur Erprobung vorgesehene uranhaltige Munition eingelagert. Das hatte unserer Zeitung bereits um das Jahr 2000 herum berichtet. Der Leitende Baudirektor Hartmut Lehmann, der den Dienststellenleiter damals vertrat, wollte die Informationen seinerzeit weder bestätigen noch dementieren. Er bestritt allerdings energisch Meldungen des NDR, der sich auf einen anonymen Informanten stützten und nach denen auf der WTD 91 mit uranhaltiger Munition geschossen worden sei. Dies sei ,,zu keiner Zeit" geschehen.

Der Direktor wollte nicht

Ende der 70-er Jahre war der damaligen NOZ-Berichterstattung zufolge zunächst tatsächlich in Erwägung gezogen worden, entsprechende Munition im Emsland zu erproben. Konkrete Unterlagen über diese Erprobungszeit gab es nicht mehr; die Aufbewahrungsfrist für entsprechende Akten beläuft sich auf zehn Jahre. Nachforschungen innerhalb der Dienststelle hätten jedoch, so verlautete aus vertraulicher Quelle, ergeben, dass die Erprobung seinerzeit nicht durchgeführt worden sei. Zu dem Verschuss der Munition sei es nicht gekommen, weil der damalige Dienststellenleiter auf das Vorhaben mit Ablehnung reagiert habe. Dies wiederum sei ,,in weiser Voraussicht" geschehen: Man habe eine Kontaminierung der schließlich für andere Vorhaben benötigten Anlagen befürchtet und diese Verseuchung auf jeden Fall verhindern wollen, hieß es in unserer damaligen Berichterstattung.

Geschosse vom Kaliber 20

Bei den seinerzeit zu Versuchszwecken nach Meppen gelieferten Geschossen hat es sich dem Vernehmen nach um eine auf das Kaliber 20 Millimeter ,,umgebaute" Munition gehandelt. Es sei nicht um große Mengen gegangen, sondern um ,,unter hundert Stück", berichtete unserer Zeitung im Jahr 2001.

Den Verantwortlichen war diesen Informationen zufolge seinerzeit bekannt, dass die Patronen Uran enthielten. Konkret ging es um Uran 238. Hierbei handelt es sich - wie auf Anfrage von Expertenseite bestätigt wurde - um einen Alpha-Strahler, der, solange er von einer Hülle umgeben sei, als ,,harmlos" eingestuft werden könne. Entsprechend sei die Einlagerung ,,nicht gefährlich" gewesen. Schaden könnten lediglich die bei einem Verschuss frei werdenden Stäube anrichten - oder aber natürlich, falls ein entsprechendes Geschoss tagelang von einem stark qualmenden Moorbrand bekokelt wird.

Zur Herkunft wie zum weiteren Verbleib der Munition gibt es keine konkreten Angaben. Aus vertraulicher Quelle hieß es, sie sei geraume Zeit nach der Einlagerung in Meppen ,,wieder abgegeben" worden.

Vergleichstest von Wolfram und Uran

Die Bundesregierung reagierte in den vergangenen Jahrzehnten mehrfach auf parlamentarische Anfragen zur Uranmunition. Darin stellte sie klar, dass aufgrund der politischen Entscheidung, solche Geschosse nicht einzusetzen, auch keine Erprobung nötig gewesen sei. Das stimmt unseren Recherchen der vergangenen Tage nach nur zum Teil. So wurden sehr wohl Vergleiche von uranhaltiger Munition mit ähnlich wirkenden, aber teureren Geschossen mit Wolfram durchgeführt. Wolfram-Munition wurde in Meppen im Rahmen der Reihe auch abgeschossen, die uranhaltigen Vergleichsgeschosse aber diesen Informationen nach nicht in Meppen, sondern in den USA.

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