Kritik aus eigenem Landesvorstand : "Könnte eine 10.000er-Geflügelfarm leiten": SPD-Politiker empört mit Geywitz-Kritik

Parteiinterne Kritik an Klara Geywitz (SPD), Abgeordnete im Landtag von Brandenburg, sorgt für Wirbel.
Parteiinterne Kritik an Klara Geywitz (SPD), Abgeordnete im Landtag von Brandenburg, sorgt für Wirbel.

Ein Brandenburger SPD-Politiker geht seine Kollegin heftig an. Andere Parteigenossen springen ihr zur Seite.

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21. September 2019, 18:30 Uhr

Potsdam | Die Brandenburger SPD-Politikerin Klara Geywitz hat aus dem eigenen Landesvorstand heftige Kritik zu ihrer Bewerbung für den Bundesvorsitz bekommen: Schatzmeister Harald Sempf sprach ihr die Eignung ab. "Für die erste Reihe der Partei, und dann noch im Duo mit Olaf Scholz, ist sie nicht die Richtige", sagte Sempf dem "Spiegel". Wenn er Minister wäre, würde er sie aber zur Staatssekretärin machen und könne sich keine bessere vorstellen.

Sempf: Ihr fehlt die "Herzenswärme" für den Vorsitz

Geywitz bewirbt sich im Team mit Bundesfinanzminister Scholz um den SPD-Bundesvorsitz. Bei der Landtagswahl in Brandenburg konnte sie zuletzt kein Direktmandat holen und wird deshalb nicht im neuen Landtag vertreten sein. Sempf ist seit 2016 Schatzmeister der SPD Brandenburg.

SPD-Politiker verteidigen Geywitz gegen Kritik von Harald Sempf, SPD-Schatzmeister in Brandenburg. Foto: dpa/Soeren Stache
SPD-Politiker verteidigen Geywitz gegen Kritik von Harald Sempf, SPD-Schatzmeister in Brandenburg. Foto: dpa/Soeren Stache


Geywitz sei zwar ein politisches Talent und eine klar denkende Analytikerin, sagte Sempf. Aber: "Diese Herzenswärme, die ihr zugeschrieben wird, woher die kommen soll, ist mir ein Rätsel." Die SPD brauche Politiker mit Wärme. "Aber Klara Geywitz könnte von der zwischenmenschlichen Wärme her auch eine 10.000er-Geflügelfarm leiten."

"Diffamierung ihrer Person ist schäbig"

Mit Unverständnis reagierten am Samstag andere SPD-Politiker. Geywitz' Konkurrent im Rennen um den Parteivorsitz, Karl Lauerbach, twitterte: "Sie ist äußerst fair und hört auch den Menschen gut zu. Die Diffamierung ihrer Person ist schäbig und entspricht ihr in keiner Weise."


Ein weiterer Mitbewerber, SPD-Vize Ralf Stegner, schrieb bei Twitter daraufhin: "So ist es. Fairer Wettbewerb mit viel Gemeinsamkeiten und klaren Unterschieden – darum geht es, wenn wir wollen, dass unser Grundwert Solidarität wieder vorgelebt wird."


Mitstreiter um die SPD-Spitze Michael Roth verurteilte "die Verunglimpfungen in unserer SPD":


Seine Tandem-Partnerin Christina Kampmann schrieb, wer solche Worte wähle, "hat nicht verstanden, worum es in der SPD gerade geht!" Geywitz antwortete ihr unter dem Tweet mit: "Danke liebe Christina und bis Montag #unsere SPD".


Auch die frühere Bundesjustizministerin und heutige Vizepräsidentin des EU-Parlaments, Katarina Barley, verteidigte die Angegriffene: "Klara Geywitz ist einer der liebenswertesten, humorvollsten und anständigsten Menschen, die mir in der Politik begegnet sind."


Der SPD-Bundestagsabgeordnete Johannes Kahrs kommentierte den Beitrag mit den Worten: "Da sollten sich einige schämen!" Später ergänzte er, der "Angriff auf Klara ist unanständig, falsch und peinlich!":


Vorstandsmitglied Sempf verteidigte seine kritischen Worte. "Hier geht's um die Führung der Partei. Da legt man eben Maßstäbe an", sagte Sempf der Deutschen Presse-Agentur.

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