Ukraine-Affäre : Drohung an Whistleblower: Trump will Geheimdienstmitarbeiter treffen

Er habe das Recht, seinen Angreifer zu treffen, sagt Donald Trump.
Er habe das Recht, seinen Angreifer zu treffen, sagt Donald Trump.

Wer ist der "Spion", der ihm solch einen Ärger eingehandelt hat? Diese Frage scheint Trump keine Ruhe zu lassen.

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30. September 2019, 07:12 Uhr

Washington | US-Präsident Donald Trump hat ein Treffen mit dem anonymen Geheimdienstmitarbeiter gefordert, der die Ukraine-Affäre ins Rollen gebracht hat. Trump schrieb am Sonntag im Kurzbotschaftendienst Twitter, wie jeder US-Bürger habe auch er das Recht, seinen "Ankläger" zu treffen. Dem Geheimdienstmitarbeiter warf er vor, sein Telefonat mit dem ukrainischen Präsidenten Wolodymyr Selenskyj "komplett falsch" und "betrügerisch" dargestellt zu haben.


Derweil äußerten die Anwälte des Whistleblowers Sorgen um die Sicherheit ihres Mandaten. "Wir erwarten, dass die Situation sich verschlechtert und noch gefährlicher wird", schreiben sie in einem Brief an den geschäftsführenden US-Geheimdienstdirektor Joseph Maguire, wie der Sender CBS berichtete. Es müssten alle erforderlichen Maßnahmen getroffen werden, um die Sicherheit des Geheimdienstmitarbeiters zu gewährleisten.

Whistleblower soll bald vor Abgeordneten aussagen

Gegen Trump sind unter anderem Vorwürfe des Machtmissbrauchs lautgeworden. Die Demokraten im US-Repräsentantenhaus haben Untersuchungen für ein mögliches Amtsenthebungsverfahren eingeleitet. Im Zentrum der Affäre steht ein Telefonat mit dem ukrainischen Präsidenten Wolodymyr Selenskyj Ende Juli, in dem Trump seinen Amtskollegen zu Ermittlungen ermunterte, die seinem politischen Rivalen Joe Biden schaden könnten.

Weiterlesen: Wie Donald Trump aus dem Amt getrieben werden könnte

Die Affäre kam nach Bekanntwerden der Beschwerde eines Geheimdienstmitarbeiters bei einem internen Kontrollgremium ins Rollen. Die Beschwerde wurde vom Generalinspekteur der US-Geheimdienste als glaubwürdig eingestuft. Trump jedoch zweifelt die Glaubwürdigkeit des Whistleblowers offen an. Dieser hatte angegeben, bei den meisten von ihm beanstandeten Vorgängen kein direkter Zeuge gewesen zu sein und sich auf übereinstimmende und glaubwürdige Informationen verschiedener Regierungsmitarbeiter zu berufen. Seine Identität ist nicht bekannt. Der Chef des Geheimdienstausschusses im Repräsentantenhaus, Adam Schiff, rechnet damit, dass der Whistleblower "sehr bald" aussagen werde, wie er dem Sender ABC sagte.

"Machen Sie es nicht noch schlimmer"

Trump hatte den Informanten kürzlich mit einem "Spion" verglichen. Präsidentenberater Stephen Miller bezeichnete den Geheimdienstmitarbeiter am Sonntag im Sender Fox News als "Saboteur, der eine demokratisch gewählte Regierung zu untergraben versucht".

Die Demokraten haben eine offizielle Untersuchung zu einem möglichen Amtsenthebungsverfahren gegen den Präsidenten eingeleitet. Laut einer neuen Umfrage für den Sender CBS befürworten inzwischen 55 Prozent der US-Bürger eine solche Untersuchung. Bei den Anhängern der Demokraten sind es neun von zehn.

Die demokratische Vorsitzende des US-Repräsentantenhauses, Nancy Pelosi, rief Trump am Sonntag auf, sich an seinen Amtseid zu halten und "die Wahrheit" zu sagen. "Machen Sie es nicht noch schlimmer, als es bereits ist."

Ärger um Trumps Anwalt

Derweil forderte Bidens Wahlkampfteam Fernsehsender auf, Trumps persönlichen Anwalt Rudy Giuliani nicht mehr als Gesprächsgast einzuladen. Der frühere Bürgermeister von New York habe bewiesen, dass er lüge, um seine Darstellung zu verbreiten, heißt es laut "New York Times" in einem Brief des Biden-Teams an mehrere Sender. Er würde er im Interesse von Trump "falsche, entlarvte Verschwörungstheorien" und "Lügen" verbreiten, hieß es in dem Statement, das die Zeitung auf ihrer Internetseite veröffentlichte.

Giuliani ist längst zu einer zentralen Figur in der Affäre geworden – sein Name fiel mehrfach im Telefonat und wurde auch in der Beschwerde genannt. Giuliani ist in den vergangenen Tagen im US-Fernsehen dauerpräsent und verteidigt Trump.

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