Todesstrafe für 21-Jährigen? : "So viele Mexikaner wie möglich töten": US-Justiz sieht El-Paso-Attacke als Terror an

Ein 21-Jähriger aus einem Vorort von Dallas wird verdächtigt, in einem Einkaufszentrum 20 Menschen getötet und Dutzende verletzt zu haben.
Ein 21-Jähriger aus einem Vorort von Dallas wird verdächtigt, in einem Einkaufszentrum 20 Menschen getötet und Dutzende verletzt zu haben.

Ein vom mutmaßlichen Täter verfasstes Online-Manifest weist auf ein mögliches "Hassverbrechen" hin.

von
04. August 2019, 20:00 Uhr

El Paso/Washington | Der 21-jährige Patrick Crusius aus der Stadt Allen nahe Dallas fuhr am Wochenende fast 1000 Kilometer in Richtung Südwest-Texas, weil ihm – glaubt man einem veröffentlichten Internet-"Manifest" – die Grenzstadt mit ihrer diversen Mischung und multikulturellen Prägung als perfektes Ziel für einen Anschlag erschien.

Die Polizei ist mittlerweile davon überzeugt, dass die Online-Erklärung von Crusius – veröffentlicht auf der vom rechtsextremen Spektrum bevorzugten Plattform 8chan – authentisch ist. Der Täter habe so viele Mexikaner wie möglich töten wollen, berichtete der Sender ABC unter Berufung auf die Ermittler.

_201908042000_full.jpeg


Sympathien für Christchurch-Attentat

In dem Manifest wird unter anderem die "Hispanic invasion of Texas", also der starke Zuzug von Latinos nach Texas, als Tatmotiv angegeben. "Ich bin total nervös, aber kann nicht länger warten," schrieb der weiße Täter. El Paso stehe für das, was "falsch in diesem Land" sei. Und: "Ich werde vermutlich heute sterben". Auch zeigte das Manifest Sympathien für den Massenmord von Neuseeland, bei dem in diesem Jahr beim Anschlag auf zwei Moscheen 51 Menschen starben.

Diese Nachrichten erschienen Berichten zufolge auf 8chan nur 14 Minuten, bevor Crusius sein Fahrzeug am Samstagmorgen gegen 10.40 Uhr Ortszeit vor einem "Walmart"-Einkaufszentrum parkte, sich Ohrenschützer aufsetzte und mit einem legal erworbenen Schnellfeuergewehr des Typs AK-47 in Richtung des gut besuchten Warenhauses ging.

Gleichzeitig war das FBI von anderen 8chan-Nutzern über das Manifest informiert worden – doch es gelang der Bundespolizei nicht, sofort die Identität des Autoren festzustellen. Das gab Patrick Crusius für die Ausführung seiner Hassmorde einen wertvollen Vorsprung.

Mindestens 20 Menschen getötet – Schütze überlebt

Die ersten Menschen, die er ins Visier nahm, starben bereits vor dem "Walmart"-Eingang. Ein wackliges Handy-Video zeigt, wie Augenzeugen weinend um Hilfe für die regungslosen Menschen am Boden rufen. Eine Überwachungskamera hat dann den Moment festgehalten, als der Täter das Einkaufszentrum betritt – den Finger nur einen Zentimeter vom Gewehr-Abzug entfernt. Andere Videos von Augenzeugen dokumentierten, wie Menschen sich unter Tischen oder Auslagen verbergen – und hilflos zuhören müssen, wie in rascher Folge Schüsse in nächster Nähe abgegeben werden.

Zunächst hatte die Polizei vor mehreren Schützen gewarnt. Allem Anschein nach war es doch nur einer – mit einer Schnellfeuerwaffe. Foto: AFP/Joel Angel Juarez
Zunächst hatte die Polizei vor mehreren Schützen gewarnt. Allem Anschein nach war es doch nur einer – mit einer Schnellfeuerwaffe. Foto: AFP/Joel Angel Juarez


Am Ende des Amoklaufs stehen mindestens 20 Tote und 26 Verletzte, von denen viele um ihr Leben kämpfen. Drei der Toten sind Besucher aus Mexiko. Patrick Crusius stirbt an diesem Tag – anders als er es zunächst angenommen hatte – nicht. Er wird nahe des Tatorts gestellt und ergibt sich widerstandslos. Er rede mit den Ermittlern, die von einem "Hass-Verbrechen" ausgehen, hieß es gestern.

Staatsanwalt fordert Todesstrafe

Am Sonntag sagte John Bash von der Generalstaatsanwaltschaft auf einer Pressekonferenz, die US-Ermittler stufen das Massaker in einem Einkaufszentrum im texanischen El Paso als inländischen Terrorismus ein. Die Behörden seien entschlossen, rasch für Gerechtigkeit zu sorgen.

Bezirksstaatsanwalt Jaime Esparza kündigte an, in dem Fall die Todesstrafe fordern zu wollen. Auf Ebene des Bundesstaates werde man Anklage wegen Mordes gegen den Verdächtigen erheben, so dass die Todesstrafe in Frage kommen könnte. Die Tat stehe nicht für das, was El Paso auszeichne. "Wir sind eine wirklich gute und liebevolle Gemeinschaft, wir werden ihn zur Verantwortung ziehen", sagte Esparza.

Wenige Stunden später tödliche Schießerei in Ohio

Rund 13 Stunden nach dem Angriff von El Paso schoss ein Mann am Samstagabend in der Stadt Dayton (Ohio) in einem beliebten Barviertel aus einem großkalibrigen Gewehr wahllos auf Passanten. Uniformierte Cops, die den "Orgeon"-Distrikt routinemäßig patrouillieren, töten den Mann innerhalb von nur 60 Sekunden nach den ersten Schüssen. Sie müssen dabei auf seinen Kopf zielen, da er eine kugelsichere Weste trägt.

Auch auf die Frage, ob sich der Mörder durch die Tat von El Paso animiert fühlte, gibt es noch keine Antwort. Dass innerhalb von einer Minute in Ohio neun Menschen von ihm erschossen und 26 verletzt werden, zeigt Experten zufolge einmal mehr die verheerende Wirkung, die Schnellfeuergewehre anrichten können.

Weiterlesen: Ein Jahr nach Parkland: Was von der #NeverAgain-Bewegung bleibt

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen