Mehr unbeteiligte Kriegstote 2018 : UNO: Zahl ziviler Opfer in Afghanistan erreicht neuen Höchststand

Bewohner von Jalalabad beten für die Opfer eines Bombananschlags in der Provinz Achin im Oktober 2018 bei dem elf Zivilisten ums Leben kamen.
Bewohner von Jalalabad beten für die Opfer eines Bombananschlags in der Provinz Achin im Oktober 2018 bei dem elf Zivilisten ums Leben kamen.

Offenbar gezielte Angriffe auf Zivilisten haben im vergangenen Jahr die Opferzahl in Afghanistan um elf Prozent erhöht.

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24. Februar 2019, 11:35 Uhr

Kabul | Die Zahl ziviler Opfer in Afghanistan hat im vergangenen Jahr einen neuen Höchststand erreicht. 2018 wurden bei Anschlägen und Gefechten 3804 Zivilisten getötet und 7189 weitere verletzt, wie die UN-Mission in Afghanistan (Unama) und das UN-Hochkommissariat für Menschenrechte am Sonntag mitteilten. Das waren elf Prozent mehr als 2017. Die meisten Zivilisten wurden den Angaben zufolge von Extremistengruppen wie den Taliban oder der Dschihadistenmiliz Islamischer Staat (IS) getötet.

Seit Beginn der UN-Zählung vor zehn Jahren wurden nach Angaben der UNO mindestens 32.000 Zivilisten in Afghanistan getötet und rund 60.000 weitere verletzt. "Gezielte" Angriffe auf Zivilisten bei Anschlägen der Taliban und der IS-Miliz seien 2018 der Hauptgrund für die gestiegene Opferzahl gewesen, erklärte die UNO.

Richard Bennett, Chef der Menschenrechtsabteilung der UN-Hilfsmission in Afghanistan (UNAMA) beklagt einen neuen Rekordstand an zivilen Opfern in Afghanistan. Foto: AFP/WAKIL KOHSAR
Richard Bennett, Chef der Menschenrechtsabteilung der UN-Hilfsmission in Afghanistan (UNAMA) beklagt einen neuen Rekordstand an zivilen Opfern in Afghanistan. Foto: AFP/WAKIL KOHSAR

Im vergangenen Jahr gab es dem Bericht zufolge 65 Selbstmordanschläge in Afghanistan, die meisten davon in der Hauptstadt Kabul. Damit seien die Taliban und die IS-Miliz für mehr als 2200 Todesfälle verantwortlich.

Auch Zahl getöteter Kinder auf Höchststand

Doch 2018 brachte noch weitere traurige Rekorde. Noch nie starben so viele Kinder, 927 waren es. Noch nie kamen so viele Menschen durch Luftschläge der internationalen und afghanischen Luftstreitkräfte um, über 500. Und noch nie wurden so viele Zivilisten bei Selbstmordanschlägen und größer angelegten Angriffen getötet und verletzt.

Mehrere Denkfabriken, darunter die International Crisis Group, stufen den Afghanistan-Konflikt nach dem Abflauen des Bürgerkriegs in Syrien heute wieder als den tödlichsten Konflikt der Welt ein. "Der Anstieg an zivilen Opfern belegt, dass sich der Krieg 2018 intensiviert hat", sagt Thomas Ruttig von der Denkfabrik Afghanistan Analysts Network.

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"Es ist an der Zeit, das menschliche Leid und die Tragödie zu beenden", forderte Unama-Chef Tadamichi Yamamoto. "Die beste Art, die Tötungen und Verletzungen zu beenden, ist eine Beendigung der Kämpfe."

Die USA wollen am Montag ihre Friedensgespräche mit den Taliban in Doha fortsetzen. Verhandlungen mit der Regierung in Kabul lehnt die Extremistengruppe bislang ab. Der US-Gesandte für Afghanistan, Zalmay Khalilzad, hatte sich zuletzt im Januar mit den Taliban getroffen. Er strebt ein Abkommen zur Beendigung des seit 17 Jahren andauernden Konflikts in dem Land noch vor der afghanischen Präsidentschaftswahl im Juli an.

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