Nach Rekord-Verlängerung : UN-Klimagipfel einigt sich auf Kompromiss – Kritik von Umweltschützern

Beim UN-Klimagipfel 'COP25' ließ der Durchbruch lange auf sich warten.
Beim UN-Klimagipfel "COP25" ließ der Durchbruch lange auf sich warten.

Die Weltklimakonferenz in Madrid ist ohne nennenswerte Fortschritte im Kampf gegen die Erderhitzung zu Ende gegangen.

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15. Dezember 2019, 08:54 Uhr

Madrid | Zwei Wochen lang haben fast 200 Länder beim UN-Klimagipfel verhandelt am Ende stand es Spitz auf Knopf, nie zuvor wurde länger überzogen. Nach der ersten Einigung war unklar, ob sie weitere Regeln für den internationalen Handel im Klimaschutz beschließen würden.


40 Stunden Verlängerung

Die Weltklimakonferenz in Madrid hat sich am Sonntag nach einer 40-stündigen Verlängerung auf eine gemeinsame Abschlusserklärung geeinigt. Noch nie hat eine Weltklimakonferenz ihre Beratungen so lange überzogen wie in diesem Jahr. Nach zweiwöchigen Verhandlungen erinnerte das Plenum darin alle rund 200 Staaten an ihre Zusage, im nächsten Jahr ihre Klimaschutzziele für 2030 möglichst zu verschärfen.

Die vielen Überstunden und zähen Verhandlungen brachten einige Teilnehmer an den Rand der Erschöpfung. Foto: AFP/OSCAR DEL POZO
AFP/OSCAR DEL POZO
Die vielen Überstunden und zähen Verhandlungen brachten einige Teilnehmer an den Rand der Erschöpfung. Foto: AFP/OSCAR DEL POZO


Vier Jahre nach der Einigung auf das Klimaabkommen von Paris sollte das Plenum zudem Regeln für die internationale Zusammenarbeit beschließen, insbesondere den Handel mit Klimaschutz-Gutschriften. Ob das gelingen würde, war zunächst aber offen.

Kritik von Greenpeace und WWF

Die Umweltschutzverbände Greenpeace und WWF sehen die internationalen Bemühungen für mehr Klimaschutz nach dem Abschluss der UN-Klimakonferenz in Madrid in einer tiefen Krise. Martin Kaiser von Greenpeace sagte in einer Mitteilung: "Diese Klimaschutzkonferenz war ein Angriff auf das Herz des Pariser Abkommens." Zudem habe die Politik von US-Präsident Donald Trump und des brasilianischen Staatsoberhauptes Jair Bolsonaro zu einer handfesten Blockade beigetragen.

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Die Umweltschutzorganisation WWF bezeichnete die Beschlüsse als "so müde wie die Delegierten nach zwei durchverhandelten Nächten" und sagte, die Konferenz sei "ein gruseliger Fehlstart in das für die Umsetzung des Pariser Klimaabkommens so entscheidende Jahr 2020". Ziel des Pariser Abkommens ist, die Erderwärmung auf deutlich unter zwei Grad zu begrenzen. Dafür muss der Ausstoß von Treibhausgasen vor allem aus der Verbrennung von Kohle, Öl und Gas in den kommenden Jahren drastisch sinken, bisher steigt er aber immer weiter.

Vorgesehen ist, dass 2020 die Staaten ihre nationalen Pläne für den Klimaschutz nachbessern – das sollte der Gipfel in Madrid vorbereiten. Heftig umstritten war, wie nachdrücklich die Länder in der Abschlusserklärung ermahnt werden sollen, ihre Zusagen einzuhalten. Der nächste UN-Klimagipfel findet im November 2020 in Glasgow statt.

Vertreter aus 196 Staaten und der EU hatten in Madrid zwei Wochen lang verhandelt. Im Vorjahr hatten sie in Polen ein Regelwerk für den internationalen Klimaschutz vereinbart, dabei aber einen Teil offen gelassen. Es geht dabei um den Handel mit Klimaschutz-Gutschriften.

Länder in wichtigen Punkten uneins

Wenn ein Land seine Ziele beim Einsparen von Treibhausgasen übererfüllt, kann es solche Gutschriften verkaufen. Streit gab es vor allem mit Brasilien um die Art der Anrechnung – fast allen anderen Ländern war wichtig, dass nichts doppelt gezählt wird. Auch der Umgang mit Zertifikaten aus der Zeit vor dem Pariser Klimaabkommen war ein Knackpunkt. Strittig waren zudem Fragen rund um Finanzhilfen der reicheren Länder für die ärmeren.

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