UN-Klimagipfel in New York : Greta Thunberg hält Wutrede unter Tränen

Greta Thunberg warnt beim Klimagipfel in New York in einer emotionalen Rede vor den Folgen des Klimawandels.
Greta Thunberg warnt beim Klimagipfel in New York in einer emotionalen Rede vor den Folgen des Klimawandels.

Beim Klimagipfel in New York warnt Greta Thunberg mit eindringlichen Worten vor den Folgen des Klimawandels.

von
23. September 2019, 17:40 Uhr

New York | Die Klima-Aktivistin Greta Thunberg hat beim Klimagipfel der Vereinten Nationen die Staats- und Regierungschefs der Welt mit einem emotionalen und eindringlichen Appell zu mehr Engagement beim Klimaschutz aufgefordert.

"Wie konntet Ihr es wagen, meine Träume und meine Kindheit zu stehlen mit Euren leeren Worten?", sagte Thunberg am Montag in New York mit Tränen in den Augen. "Wir stehen am Anfang eines Massenaussterbens und alles, worüber Ihr reden könnt, ist Geld und die Märchen von einem für immer anhaltenden wirtschaftlichen Wachstum – wie könnt Ihr es wagen?"

"Wir werden Euch nie vergeben!"

Die wissenschaftlichen Vorhersagen zum Klimawandel seien seit Jahrzehnten mehr als deutlich, sagte die 16-Jährige weiter. "Wie könnt Ihr es wagen zu glauben, dass man das lösen kann, indem man so weiter macht wie vorher – und mit ein paar technischen Lösungsansätzen? Ihr seid immer noch nicht reif genug zu sagen, wie es wirklich ist. Ihr lasst uns im Stich. Alle kommenden Generationen haben euch im Blick und wenn Ihr Euch dazu entscheidet, uns im Stich zu lassen, dann entscheide ich mich zu sagen: Wir werden Euch nie vergeben! Wir werden Euch das nicht durchgehen lassen!"

Lesen Sie auch: Greta Thunberg reagiert auf Hater: "Anders zu sein ist eine Superkraft"

Treffen mit Kanzlerin

Am Rande des UN-Klimagipfels traf Thunberg auch Bundeskanzlerin Angela Merkel. Wie auf einem am Montag von Regierungssprecher Steffen Seibert via Twitter verbreiteten Foto zu sehen war, saßen die CDU-Politikerin und die junge Schwedin nebeneinander auf zwei Sesseln. Seibert schrieb dazu: "Begegnung vor den Reden beim @UN #ClimateActionSummit"


Merkel sieht Industrieländer in der Pflicht

Merkel hat die Industrienationen mit großer Dringlichkeit aufgefordert, gegen die globale Herausforderung der Erderwärmung aktiv zu werden.
"Wir alle haben den Weckruf der Jugend gehört" Bundeskanzlerin Angela Merkel


In ihrer Rede bekannte sich Merkel zur Verantwortung Deutschlands und der Industrienationen für den Klimawandel. "Es gibt keinen Zweifel, dass der Klimawandel, die Erderwärmung im Wesentlichen von Menschen gemacht ist", sagte sie, ohne US-Präsident Donald Trump zu erwähnen, der ihrer Rede im Publikum folgte. Trump hält den Klimawandel nicht für menschengemacht. Merkel betonte, die Erderwärmung sei "eine globale Herausforderung, die nur gemeinsam bewältigt werden kann, denn wir haben alle nur eine Erde".

Deutschland vor tiefgreifendem Wandel

Die Industriestaaten seien Verursacher der Erderwärmung, die Entwicklungsländer die Hauptleidtragenden, sagte Merkel. "Deshalb haben wir als Vertreter der Industrieländer die Pflicht, Innovation, Technologie und Geld einzusetzen, um den Weg zu ebnen, um die Erderwärmung zu stoppen."

Merkel bei der Klimakonferenz. Foto: AFP/Johannes Eisele
AFP/Johannes Eisele
Merkel bei der Klimakonferenz. Foto: AFP/Johannes Eisele


Deutschland stehe vor einem tiefgreifenden Wandel, bei dem man durch Anreize die Menschen mitnehmen müsse, sagte die Kanzlerin. "Es gibt diejenigen, die aktiv sind und demonstrieren und uns Druck machen. Aber es gibt auch die Zweifler." Aufgabe jeder Regierung sei es, "alle Menschen mitzunehmen". Dieser Aufgabe stelle sich Deutschland. "Wir werden unseren Beitrag zu einer nachhaltigen Wirtschaft und zu einem nachhaltigen Leben weltweit leisten", versprach Merkel.

Klimaneutralität bis 2050

Auch UN-Generalsekretär António Guterres rief eindringlich zum Kampf gegen die schnell voranschreitende Erderwärmung auf. "Wenn wir nicht dringend unseren Lebensstil ändern, setzen wir das Leben selbst aufs Spiel", sagte er. Das Rennen gegen den Klimawandel könne gewonnen werden. "Die Zeit ist knapp, aber es ist noch nicht zu spät."

Schon vor dem Gipfel sagten die Teilnehmerstaaten konkrete Maßnahmen zu. 66 Länder, zehn Regionen, 102 Städte und 93 Konzerne verpflichteten sich zur Klimaneutralität bis 2050. Unter dem Strich wollen sie dann also keine klimaschädlichen Treibhausgase mehr ausstoßen. Merkel hat dieses Ziel auch für Deutschland ausgerufen. "Das ist kein Klima-Gipfel der Reden. Wir haben genug geredet", sagte Guterres. "Das ist kein Klima-Gipfel der Verhandlungen. Man verhandelt nicht mit der Natur. Das ist ein Klima-Gipfel der Taten."

Nach seinen Angaben haben 59 Staaten zugesichert, ehrgeizigere Pläne für den Klimaschutz vorzulegen. Nach dem Pariser UN-Klimaabkommen von 2015 sollten das allerdings bis 2020 eigentlich alle Unterzeichner machen. Bisher sind es nur etwa ein Drittel.

Kein Rederecht für Klimasünder

Guterres hat den Gipfel einberufen, um die Dringlichkeit des Kampfes gegen den Klimawandel zu verdeutlichen. Die Welt hinkt weit hinter den Zielen des Pariser Abkommens von 2015 hinterher. Ziel ist es, die Erderhitzung auf deutlich unter 2 Grad im Vergleich zur vorindustriellen Zeit zu begrenzen, möglichst auf 1,5 Grad. Wenn man alles zusammennimmt, was die Staaten bisher zugesagt haben, steuert der Planet aber mit hoher Wahrscheinlichkeit auf rund 3 Grad zu. Das hat katastrophale Folgen, die jetzt schon in vielen Weltregionen sehr deutlich zu spüren sind, zum Beispiel durch den steigenden Meeresspiegel und die Zunahme extremer Wetterphänomene wie Wirbelstürme.

Rederecht erhielten bei dem Gipfel nur Länder mit konkreten Plänen, darunter große Wirtschaftsmächte wie Deutschland, Frankreich, Indien oder die Türkei. Aber auch kleine Staaten, die wenig für den Klimawandel können, aber besonders stark unter ihm leiden, erhielten das Wort: die Marshallinseln, die Seychellen, Jamaika oder auch Tonga standen auf der Liste. Neben den USA erhielten Klimasünder wie Brasilien, Südkorea, Japan, Saudi-Arabien und Australien kein Rederecht

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Die Kommentare wurden für diesen Artikel deaktiviert