Manipulation der Hongkong-Proteste : Twitter und Facebook decken von Peking gesteuerte Propaganda auf

Meinungsmache gegen die Regenschirm-Revolution: Soziale Netzwerke werfen der chinesischen Regierung Täuschungstaktiken im Internet vor.
Meinungsmache gegen die Regenschirm-Revolution: Soziale Netzwerke werfen der chinesischen Regierung Täuschungstaktiken im Internet vor.

China wird vorgeworfen, online gezielt Stimmung gegen die Demokratiebewegung zu machen. Tausende Konten wurden gesperrt.

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20. August 2019, 10:57 Uhr

San Francisco | Twitter hat nach eigenen Angaben eine "staatlich unterstützte" Informationskampagne gegen die Protestbewegung aufgedeckt. Der Kurznachrichtendienst machte 936 Accounts aus, über die koordiniert "politischer Streit in Hongkong gesät werden sollte". Zusätzlich sei auch ein Netzwerk aus rund 200.000 Accounts gesperrt worden, bevor es nennenswerte Aktivität entwickeln konnte, teilte Twitter am Montag mit.

Facebook entfernte mit ähnlicher Begründung fünf Accounts, sieben Seiten und drei Gruppen. Mindestens einer der Seiten seien rund 15.500 Facebook-Profile gefolgt. Beide Dienste zeigten Beispiele von Beiträgen, in denen die Demonstranten in Hongkong zum Beispiel als gewalttätig dargestellt wurden.

Verbindungen zu chinesischer Regierung

Mit "Täuschungstaktiken" wie falschen Nutzerkonten seien Botschaften zu Hongkong verbreitet worden, erklärte Facebook-Onlinesicherheitshef Nathaniel Gleicher. Nachforschungen hätten ergeben, dass es Verbindungen zwischen den Urhebern und der chinesischen Regierung gebe.

Twitter ging noch einen Schritt weiter und nimmt künftig keine Werbeanzeigen mehr von staatlichen Medien an. Mit den Werbeprodukten von Twitter kann man zum Beispiel Beiträge auch in den Newsfeed der Nutzer bringen, die einem nicht folgen. Vom Steuerzahlern finanzierte Medien wie unabhängige öffentliche Sender sind von dem Verbot ausgenommen, wie Twitter in einem Blogeintrag betonte.

Im Unterschied zu früheren Demonstrationen blieb es am Wochenende bei Protesten mit 1,7 Millionen Teilnehmern weitgehend friedlich. Die Polizei verzichtete darauf, Tränengas einzusetzen. Foto: dpa/AP/Kin Cheung
Im Unterschied zu früheren Demonstrationen blieb es am Wochenende bei Protesten mit 1,7 Millionen Teilnehmern weitgehend friedlich. Die Polizei verzichtete darauf, Tränengas einzusetzen. Foto: dpa/AP/Kin Cheung

Twitter ist in Festlandchina blockiert. Laut dem Kurzbotschaftendienst wurden aber virtuelle private Netzwerke genutzt, um den tatsächlichen Standort des Nutzers zu verschleiern.

Hongkongs Regierungschefin signalisiert Gesprächsbereitschaft

In Hongkong gibt es seit zweieinhalb Monaten Massendemonstrationen für mehr Demokratie und gegen eine wachsende Einflussnahme Pekings. Die chinesische Regierung hat den zumeist friedlichen Demonstranten in der Sonderverwaltungszone zuletzt immer unverhohlener gedroht. So brachte sie die Demonstranten mit "Terrorismus" in Verbindung und schickte Truppen an die Grenze. Inzwischen wächst die Sorge vor einem chinesischen Militäreinsatz.

Carrie Lam signalisiert ein Entgegenkommen, ohne konkrete Zugeständnisse zu machen. Foto: imago images / ZUMA Press/Sion Ang
Carrie Lam signalisiert ein Entgegenkommen, ohne konkrete Zugeständnisse zu machen. Foto: imago images / ZUMA Press/Sion Ang

Die chinatreue Regierungschefin Carrie Lam kündigte am Dienstag eine "Plattform zum Dialog an". Sie und ihre Regierung seien "entschlossen, zuzuhören, was die Leute uns zu sagen haben". Dabei machte die Regierungschefin allerdings kein konkretes Angebot an die Protestbewegung. Es gehe um einen Dialog "mit Menschen aus allen Lebensbereichen".

Lam sagte, dass es eine Untersuchung der seit dem 9. Juni andauernden Proteste und der damit verbundenen Beschwerden gegen die Polizei geben werde. Diese solle jedoch von der Aufsichtsbehörde der Polizei und nicht, wie von Demonstranten gefordert, von einer unabhängigen Stelle durchgeführt werden.

Weiterlesen: Tinder und Pokémon Go: So organisieren sich Demonstranten in Hongkong

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