Weitere Niederlage für Erdogan : Türkisches Verfassungsgericht: Deniz Yücel saß zu Unrecht in Haft

Deniz Yücel saß über ein Jahr lang zu Unrecht in Haft. Das urteilte das türkische Verfassungsgericht. Foto: dpa/Boris Roessler
Deniz Yücel saß über ein Jahr lang zu Unrecht in Haft. Das urteilte das türkische Verfassungsgericht. Foto: dpa/Boris Roessler

Es ist die zweite herbe Niederlage für den türkischen Präsidenten Erdogan innerhalb kürzester Zeit.

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28. Juni 2019, 07:52 Uhr

Istanbul | Es ist ein überraschender Erfolg für den "Welt"-Reporter Deniz Yücel. Das türkische Verfassungsgericht hat geurteilt, dass Behörden und Gerichte mit der Untersuchungshaft Yücels geltendes Recht verletzt haben. Rund 13 Monate hatte der Journalist dort verbringen müssen, neun Monate davon in Isolationshaft. Nach eigenen Aussagen sei er während der Haft "drei Tage lang gefoltert" worden.

Artikel falsch übersetzt

Die Staatsanwaltschaft forderte damals wegen "Propaganda für eine Terrororganisation" und "Volksverhetzung" 17 Jahre Haft. Nun die Wende: Das Verfassungsgericht stellte fest, dass Yücels Recht auf persönliche Sicherheit und Freiheit sowie das Recht auf Meinungsfreiheit verletzt worden seien. Außerdem beanstandete das Gericht, dass sowohl im Hafturteil gegen Yücel als auch in der nach einem Jahr vorgelegten und mit dem Hafturteil weitgehend identischen Anklageschrift zahlreiche Aussagen in Yücels "Welt"-Artikeln fehlerhaft ins Türkische übersetzt worden seien.

Foto: dpa/Michael Kappeler
picture alliance/dpa
Foto: dpa/Michael Kappeler

Rüffel gegen Erdogan

Das Urteil bedeutet eine weitere schwere Niederlage für Staatspräsident Recep Tayyip Erdogan nach der verlorenen Bürgermeisterwahl in Istanbul. Erdogan hatte Yücel öffentlich als Terroristen diffamiert. Der Rüffel des Gerichts gilt also auch ihm. (Weiterlesen: Istanbul-Wahl wird zur krachende Ohrfeigen für Erdogan)

Yücel berichtet von Landtagswahlen im Osten

Knapp ein Jahr nach seiner Haftentlassung wird Yücel im Sommer wieder regelmäßig als Journalist arbeiten. Wie der Chefredakteur der "Welt"-Gruppe, Ulf Poschardt, mitteilte, wird Yücel ab Juli über die Landtagswahlen in Sachsen, Brandenburg und Thüringen von Dresden berichten.

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