Zweischneidige Strategie : Türkei schickt Polizei an EU-Grenze – und erwägt Grenzöffnung zu Syrien

Die Migranten in der Pufferzone zwischen der Türkei und Griechenland bauen sich ein provisorisches Zelt.
Die Migranten in der Pufferzone zwischen der Türkei und Griechenland bauen sich ein provisorisches Zelt.

Die Türkei schickt 1000 weitere Polizisten an die Grenze, während Präsident Erdogan nach Moskau gereist ist.

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05. März 2020, 13:55 Uhr

Ankara | Die türkische Regierung entsendet tausend zusätzliche Polizisten an die Grenze zu Griechenland. Diese sollen sogenannte "Push-Backs" von Migranten verhindern. "Um zu verhindern, dass sie zurückgedrängt werden, haben wir heute Morgen 1000 voll ausgestattete Spezialpolizisten an den Fluss Meric geschickt", sagte Innenminister Süleyman Soylu am Donnerstag vor Journalisten an der türkisch-griechischen Grenze. Der Grenzfluss Evros heißt auf Türkisch Meric. Bei den Polizisten handele es sich um vollausgerüstete Spezialkräfte.

Wegen der Eskalation des militärischen Konflikts in Nordsyrien hält die Türkei seit dem Wochenende Flüchtlinge nicht mehr davon ab, von ihrem Territorium aus in die EU zu gelangen. Griechische Sicherheitskräfte drängten seitdem zehntausende Migranten an der Grenze zurück. Innerhalb der vergangenen fünf Tage hinderten griechische Grenzschützer nach Regierungsangaben fast 35.000 Menschen am Übertreten der Grenze.

Die griechische Polizei wehrt die Migranten an der Grenze ab. Foto: imago images/Xinhua /Dimitris Tosidis
Die griechische Polizei wehrt die Migranten an der Grenze ab. Foto: imago images/Xinhua /Dimitris Tosidis


Dabei kam es auch zu gewaltsamen Zusammenstößen, dutzende Menschen wurden festgenommen. Am Mittwoch erschossen griechische Grenzschützer nach türkischen Angaben einen Flüchtling. Die Regierung in Athen wies dies entschieden zurück und sprach von "Falschnachrichten". Nach Angaben von Soylu wurden zudem 164 Migranten verletzt.

Türkei: Grenzöffnung für Flüchtlinge aus syrischem Idlib möglich

Angesichts der Eskalation in Syrien hält die Türkei zudem eine Öffnung ihrer Grenze für Flüchtlinge aus der Krisenregion Idlib für möglich. Die Flüchtlinge könnten dann auch weiter in die EU gelangen, sagte Innenminister Süleyman Soylu am Donnerstag. "3,5 Millionen Menschen in Idlib und an den türkischen Grenzen sind derzeit in Not. Das unmenschliche Verhalten des Regimes dort bedeutet folgendes: auch die Türen dort werden sich öffnen und letztendlich werden sich alle auf den Weg nach Europa machen." Er fügte hinzu: "Das ist keine Drohung oder Erpressung." Soylu äußerte sich bei einem Besuch an der türkisch-griechischen Grenze vor Journalisten.

In Idlib, der letzten großen Rebellenhochburg Syriens, sind die Truppen von Präsident Baschar al-Assad mit russischer Unterstützung auf dem Vormarsch – ungeachtet eines türkischen Militäreinsatzes auf syrischem Gebiet. Gleichzeitig verschlimmerte sich die humanitäre Lage in Nordsyrien dramatisch. Fast 950.000 der drei Millionen Einwohner der Region sind nach UN-Angaben auf der Flucht.

Weiterlesen: Tochter soll über Bomben lachen: Familie schafft Flucht aus Syrien

Seit der Öffnung der türkischen Grenze Ende vergangener Woche versuchten zehntausende Flüchtlinge, nach Griechenland und damit in die EU zu gelangen. Innerhalb der vergangenen fünf Tage hinderten griechische Grenzschützer nach Regierungsangaben fast 35.000 Menschen am Übertreten der Grenze. Dabei kam es auch zu gewaltsamen Zusammenstößen, dutzende Menschen wurden festgenommen.

Erdogan berät mit Putin in Moskau über Lage in Syrien

Der russische Präsident Wladimir Putin und sein türkischer Kollege Recep Tayyip Erdogan sind derweil in Moskau zu Gesprächen über die angespannte Lage in der nordwestsyrischen Provinz Idlib zusammengetroffen. "Die Situation in Idlib hat sich derart verschlimmert, dass ein persönliches und direktes Gespräch erforderlich ist", sagte Putin am Donnerstag zu Beginn des Treffens. Erdogan hofft nach eigenen Worten auf die Vereinbarung einer Feuerpause.

Recep Tayyip Erdogan und Wladimir Putin haben mit Blick auf den Syrienkrieg verschiedene Interessen. Foto: AFP/Pavel Golovkin
Recep Tayyip Erdogan und Wladimir Putin haben mit Blick auf den Syrienkrieg verschiedene Interessen. Foto: AFP/Pavel Golovkin


Die Truppen des syrischen Machthabers Baschar al-Assad gehen mit russischer Unterstützung seit Dezember gegen die letzte Hochburg islamistischer Milizen in Idlib vor. Knapp eine Million Menschen flüchteten seitdem nach UN-Angaben ins syrisch-türkische Grenzgebiet; in der Provinz Idlib leben noch immer rund drei Millionen Menschen. Die Türkei startete vor einigen Tagen eine große Militäroffensive gegen die syrischen Regierungstruppen in der Region.

Ankara und Moskau unterhalten enge Beziehungen in den Bereichen Verteidigung und Handel. Obwohl sie im Syrien-Konflikt auf unterschiedlichen Seiten stehen, haben sich die Türkei und Russland in der Vergangenheit eng abgestimmt. Russland steht zu Syriens Machthaber Baschar al-Assad, die Türkei unterstützt islamistische Milizen in ihrem Kampf gegen die Regierungsarmee.

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