Nordafrikanisches Bürgerkriegsland : Türkei schickt Truppen nach Libyen – Erdogan dementiert Kampfeinsatz

Recep Tayyip Erdogan unterstützt die international anerkannte Regierung von Ministerpräsident al-Sarradsch in Tripolis demnächst auch militärisch.
Recep Tayyip Erdogan unterstützt die international anerkannte Regierung von Ministerpräsident al-Sarradsch in Tripolis demnächst auch militärisch.

Ausländische Kräfte mischen längst in dem Konflikt mit. Dabei trifft der Kampf um Tripolis immer wieder Zivilisten.

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05. Januar 2020, 21:40 Uhr

Tripolis | Nach der Ankündigung der Türkei eines militärischen Eingreifens in Libyen hat Ankara mit der Truppenentsendung in das nordafrikanische Land begonnen. "Unsere Soldaten sind jetzt dabei, schrittweise dorthin zu gehen", sagte der türkische Staatschef Recep Tayyip Erdogan am Sonntag dem Fernsehsender CNN Turk.

Ziel sei türkisches "Einsatzzentrum" in Libyen

Aufgabe der türkischen Soldaten in Libyen sei "Koordination" und die Einrichtung eines "Einsatzzentrums". Ein Kampfeinsatz sei nicht das Ziel der türkischen Soldaten, sagte Erdogan. Vielmehr sollten die türkischen Truppen "die legitime Regierung unterstützen und eine humanitäre Tragödie vermeiden".

Die international anerkannte Regierung in Libyens Hauptstadt Tripolis hatte formell um militärische Unterstützung gebeten. Die Türkei kündigte daraufhin ein militärisches Eingreifen Ankaras an, um die international anerkannte Regierung in ihrem Kampf gegen die Truppen des abtrünnigen libyschen Generals Chalifa Haftar zu unterstützen. Am Donnerstag gab das türkische Parlament grünes Licht für den Einsatz.

Mindestens 28 Tote bei Angriff auf Militärakademie

Bei einem Luftangriff auf eine Militärakademie in Libyens Hauptstadt Tripolis waren in der Nacht zum Sonntag mindestens 28 Menschen getötet und 18 weitere verletzt worden. Unbekannte "ausländische Kampfflugzeuge", die General Chalifa Haftar unterstützen, hätten die Akademie angegriffen, teilte die Regierung der Nachrichtenseite Al-Wasat zufolge mit.

Wer für den Angriff verantwortlich war, blieb zunächst unklar. Haftar bemüht sich seit Monaten, Tripolis mit seinen Kämpfern der Libyschen Nationalarmee (LNA) einzunehmen. Die LNA hatte ihre Angriffe auf die Hauptstadt in vergangenen Wochen verstärkt. Haftar wird in dem Konflikt von Ägypten, den Vereinigten Arabischen Emiraten, Saudi-Arabien und Russland unterstützt.

Die Türkei unterstützt in dem Konflikt die Regierung von Ministerpräsident Fajis al-Sarradsch mit Sitz in Tripolis und hat bereits syrische Rebellen dorthin entsandt. Das Parlament im Osten Libyens, das Haftar zugewandt ist, stimmte für strafrechtliche Ermittlungen gegen Al-Sarradsch wegen "Hochverrats", da er sich um militärische Unterstützung aus dem Ausland bemüht habe. Zudem stimmte es dafür, die Beziehungen zur Türkei abzubrechen.

Libyer bei der Trauerfeier für die beim Angriff getöteten Militärschüler. Foto: AFP/Mahmud TURKIA
Libyer bei der Trauerfeier für die beim Angriff getöteten Militärschüler. Foto: AFP/Mahmud TURKIA


Die EU drückte große Besorgnis aus. "Gewalttätige Angriffe werden nur weitere Gewalt und menschliches Leid bringen", sagte ein Sprecher des EU-Außenbeauftragten Josep Borrell auf Anfrage. Er ruft zu einer Wiederaufnahme des politischen Dialogs auf. Deutschland plant nach Angaben eines Regierungssprechers zum Thema Libyen für Anfang des Jahres eine Konferenz in Berlin, um die wichtigsten internationalen Akteure an einen Tisch zu bringen.

Chaos seit dem Arabischen Frühling

In Libyen herrscht seit dem Sturz und gewaltsamen Tod des langjährigen Machthabers Muammar al-Gaddafi 2011 Chaos. Die international anerkannte Einheitsregierung in Tripolis ist schwach und hat weite Teile des Landes nicht unter Kontrolle. Haftar und seine "Libysche Nationalarmee" kontrollieren den Osten des Landes, wo auch das Parlament seinen Sitz hat.

Haftar startete vor acht Monaten eine Offensive auf Tripolis. Seither wurden nach UN-Angaben mehr als 280 Zivilisten getötet und mehr als 140.000 Menschen vertrieben. Der UN-Sicherheitsrat rief zuletzt im Dezember zu einer Waffenruhe in Libyen auf.

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