Pomp und Demonstrationen : Trump in London: US-Präsident nennt große Proteste "Fake News"

Tausende Demonstranten haben am Dienstag in London ihrem Unmut über den Staatsbesuch von US-Präsident Donald Trump Luft gemacht.
Tausende Demonstranten haben am Dienstag in London ihrem Unmut über den Staatsbesuch von US-Präsident Donald Trump Luft gemacht.

Pomp und Proteste: Der Staatsbesuch von US-Präsident Trump sorgt für Wirbel in Großbritannien.

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04. Juni 2019, 15:14 Uhr

London | Das Treffen zwischen US-Präsident Donald Trump und der scheidenden britischen Premierministerin Theresa May ist am Dienstag frostig ausgefallen. Der erwartete Handschlag zwischen den beiden blieb aus, als Trump und First Lady Melania von May und ihrem Ehemann Philip im britischen Regierungssitz Downing Street in London empfangen wurden. Nach der Begrüßung verschwanden die beiden Paare hinter der schwarzen Türe des Regierungssitzes für Gespräche.

Trumps Verhältnis zu May wurde immer wieder erschüttert von dessen öffentlicher Kritik am Brexit-Kurs der Regierungschefin und Sympathiebekundungen für ihren innerparteilichen Widersacher Boris Johnson.

Foto: Henry Nicholls/AFP
HENRY NICHOLLS
Foto: Henry Nicholls/AFP

Trump legte kurz vor seiner Ankunft zu einem Staatsbesuch in Großbritannien in Interviews mit britischen Zeitungen noch einmal nach. Meinungsverschiedenheiten gibt es auch hinsichtlich Trumps Position zum Atomabkommen mit dem Iran, zum Klimawandel und dem Umgang mit dem chinesischen Mobilfunkkonzern Huawei. May hatte vor Kurzem ihren Rücktritt angekündigt, nachdem sie drei Mal mit ihrem Brexit-Abkommen im Parlament gescheitert war.

Fantasievoller Protest: Trump als Baby und auf Gold-Klo in London

Tausende Demonstranten haben derweil in London ihrem Unmut über den Staatsbesuch von US-Präsident Donald Trump Luft gemacht. Sie ließen am Dienstag einen Protestballon in Form eines riesigen Trump-Babys in Windeln in die Luft steigen. Nicht weit davon entfernt - am Trafalgar Square - bauten sie einen knapp fünf Meter großen sprechenden Donald-Trump-Roboter auf, der mit heruntergelassener Hose auf einer Goldtoilette sitzt. Andere verkauften Klopapier mit Trumps Gesicht darauf oder protestierten mit Schildern, auf denen stand "Trump ist eine Gefahr für die Welt".

Foto: Isabel Infantes/AFP
ISABEL INFANTES
Foto: Isabel Infantes/AFP

Einige Medienberichte waren zuvor sogar von bis zu 250.000 Demonstranten ausgegangen. Die Organisatoren warfen Trump Sexismus und Rassismus vor. Als Redner hatte sich auch der Chef der oppositionellen Labour-Partei, Jeremy Corbyn, angemeldet. Aus Protest war er dem Staatsbankett zu Ehren Trumps am Montagabend im Buckingham-Palast fern geblieben.

Trump: Große Proteste sind "Fake News"

Trump sagte bei einer Pressekonferenz, er habe auf den Straßen Londons "Tausende jubelnde Menschen" gesehen. "Und dann habe ich gehört, dass es Proteste gebe. Ich sagte, wo sind die Proteste? Ich sehe keine Proteste. Als ich heute kam, habe ich einen kleinen Protest gesehen, sehr klein. Es tut mir leid, das sagen zu müssen, vieles davon ist Fake News."

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Die Demonstrantin Duniya Okada (48) sagte: "Ich ärgere mich sehr, dass die britische Regierung Trump eingeladen und für ihn ein Staatsbankett abgehalten hat." Der US-Präsident sei ein Rassist, das zeige sich an seinem Vorhaben, eine Mauer an der Grenze zu Mexiko bauen zu wollen. Vor allem ärgert sich die Biochemikerin aus London über Trumps Einmischung in den Brexit-Streit. Der EU-Austritt sei "das Schlimmste, was diesem Land geschehen kann".

Vor Trump bekamen nur zwei US-Präsidenten eine Staatsvisite in Großbritannien: George W. Bush und Barack Obama. Millionen Briten hatten eine Petition unterschrieben, um die Visite Trumps zu verhindern.

Auch interessant: Trump begeistert, Queen mit mahnenden Worten: So lief das Staatsbankett

Trump hatte sich gleich zu Beginn seines Besuchs ein Twitter-Scharmützel mit Londons Bürgermeister Sadiq Khan geliefert. Ärger verursachte der US-Präsident auch, weil er öffentlich für den britischen Ex-Außenminister Boris Johnson als Nachfolger der scheidenden Premierministerin Theresa May geworben hatte. Damit verstieß er gegen diplomatische Gepflogenheiten.

Mit Umweltminister Michael Gove vereinbarte Trump kurzfristig ein Gespräch, wie die britische Nachrichtenagentur PA am Dienstag berichtete. Gove habe zugesagt, zitierte PA eine nicht näher genannte Quelle. Der Umweltminister gilt ebenfalls als ein aussichtsreicher Kandidat für das Amt des Premierministers. Insgesamt warfen bereits ein gutes Dutzend Bewerber den Hut in den Ring.

Foto: imago images / PA Images
Matt Crossick
Foto: imago images / PA Images

May hatte vor etwas mehr als einer Woche ihren Rücktritt als Parteichefin angekündigt. Drei Mal war sie zuvor mit ihrem Abkommen über den EU-Austritt im Parlament gescheitert. Bis Ende Juli soll sie von ihrem Nachfolger auch als Regierungschefin abgelöst werden.

Trump twitterte fast überschwänglich, sein Besuch in London laufe sehr gut. Die Queen und die gesamte Königsfamilie seien "fantastisch" und die Verbindung zu Großbritannien sei sehr stark.

Am Dienstag diskutierten May und Trump mit Wirtschaftsbossen aus beiden Ländern über die ökonomischen Beziehungen. Die Regierungschefin sprach von "großen Chancen" für beide Staaten, die Zusammenarbeit zwischen den USA und Großbritannien nach dem Brexit auszubauen.

Trump will schnellen Brexit

Trump sprach sich in London für einen raschen Austritt Großbritanniens aus der EU aus. "Ich denke, es wäre sehr gut für das Land", sagte er. "Das ist ein großartiges, großartiges Land und es will seine eigene Identität und es will seine eigenen Grenzen." Als Lockmittel stellte Trump ein Handelsabkommen mit den USA in Aussicht: "Die USA fühlen sich verpflichtet zu einem phänomenalen Freihandelsabkommen", sagte Trump am Dienstag bei einer Pressekonferenz.

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