Kritik an Maduros "Schlägern" : Tödliches Chaos um Hilfsgüter in Venezuela – USA wollen eingreifen

Menschen versuchen von dem brennenden Lastwagen auf der Urena-Grenzbrücke Hilfsgüter zu retten.
Menschen versuchen von dem brennenden Lastwagen auf der Urena-Grenzbrücke Hilfsgüter zu retten.

Die Lage in Venezuela spitzt sich zu: An der Grenze zu Kolumbien durchbrachen mehrere Lkw mit Hilfsgütern Barrieren.

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23. Februar 2019, 20:31 Uhr

Cúcuta | Die umstrittenen Hilfslieferungen für Venezuela aus Kolumbien und Brasilien sind an den Grenzübergängen in tödlichem Chaos steckengeblieben. Insgesamt wurden bei Zusammenstößen mit den venezolanischen Sicherheitskräften am Samstag zwei Menschen getötet und rund 300 weitere Menschen verletzt. Die USA kündigten angesichts der Gewalt "Maßnahmen" gegen die Regierung des linksnationalistischen venezolanischen Staatschefs Nicolás Maduro an. Dieser brach die Beziehungen zu Kolumbien ab.

Der selbsternannte Übergangspräsident Venezuelas, Juan Guaidó, hatte die Hilfsgüter aus dem Ausland für Samstag angekündigt. Maduro lehnte diese strikt ab und verurteilte sie als Vorwand, um eine militärische US-Invasion vorzubereiten.

Fast 300 Verletzte an mehreren Grenzübergängen

Maduro-treue Sicherheitskräfte versperrten den Lastwagen, die aus dem kolumbianischen Grenzort Cúcuta mit tonnenweise Lebensmitteln und Medikamenten aufgebrochen waren, an mehreren Grenzübergängen den Weg. Es kam zu Zusammenstößen, nach Angaben des kolumbianischen Außenministers Carlos Holmes Trujillo wurden 255 Venezolaner und 30 Kolumbianer verletzt worden.

Demonstranten werfen mit Steinen nachdem ein Truck mit Hilfsgütern aus Kolumbien angezündet worden war. Foto: AFP/RAUL ARBOLEDA
Demonstranten werfen mit Steinen nachdem ein Truck mit Hilfsgütern aus Kolumbien angezündet worden war. Foto: AFP/RAUL ARBOLEDA

In den venezolanischen Grenzstädten San Antonio del Táchira und Ureña gingen Sicherheitskräfte mit Tränengas und Gummigeschossen gegen Maduro-Gegner vor.

Zwei Lastwagen angezündet

Auf der Santander-Brücke in Ureña wurden zwei Lastwagen von Maduros Truppen angezündet. In Videos in den Online-Netzwerken war zu sehen, wie dutzende Menschen inmitten einer großen Rauchwolke aus den Lastwagen Säcke und Kartons mit Medikamenten und Lebensmitteln herausholten. Die kolumbianische Regierung ordnete angesichts der gewaltsamen Blockade die Rückkehr der Lastwagen an.

Infektionskrankheiten auf dem Vormarsch in Venezuela

Wegen der Unterstützung Kolumbiens für die Hilfstransporte brach Maduro die diplomatischen Beziehungen zu dem Nachbarstaat ab. Bei einer Kundgebung in Caracas sagte er, die "faschistische Regierung von Kolumbien" müsse all ihre diplomatischen Vertreter binnen 24 Stunden aus Venezuela abziehen.

Menschen versuchen noch Hilfsgüter vom brennenden Lkw zu retten. Foto: imago/Agencia EFE/DEIBISON TORRADO
Menschen versuchen noch Hilfsgüter vom brennenden Lkw zu retten. Foto: imago/Agencia EFE/DEIBISON TORRADO

Auch an der Grenze zwischen Venezuela und Brasilien kam es zu gewaltsamen Zusammenstößen. Nach Angaben der Nichtregierungsorganisation Foro Penal wurden dabei mindestens zwei Menschen getötet, darunter ein 14-jähriger Junge. Beide seien durch Schüsse der venezolanischen Armee in Santa Elena de Uairén gestorben. 31 weitere Menschen seien verletzt worden.

Zwei Lastwagen, die von Brasilien aus Hilfsgüter über die Grenze bringen wollten, mussten nach stundenlanger Blockade durch venezolanische Sicherheitskräfte umkehren.

Pompeo über Maduro: "Was für ein kranker Tyrann"

US-Außenminister Mike Pompeo verurteilte am Samstagabend die Gewalt von Präsident Nicolàs "Maduros Schlägern" gegen die Zivilbevölkerung Venezuelas scharf. "Diese Angriffe resultierten in Toten und Verletzten", twitterte Pompeo und sprach den Familien der Opfer dieser "kriminellen Taten" sein Mitgefühl aus. "Wir schließen uns deren Forderung nach Gerechtigkeit an", schloss Pompeo die Botschaft, auf denen er noch Fotos der gewaltsamen Zusammenstößen an den Grenzen Venezuelas zu den Nachbarn Kolumbien und Brasilien zeigte.

"Was für ein kranker Tyrann stoppt Nahrung für hungrige Menschen?", schrieb er weiter. Die Bilder brennender Lastwagen mit Hilfe "machen krank". Pompeo kündigte in einer weiteren Twitter-Botschaft Schritte der USA gegen diejenigen an, "die sich einer friedliche Wiederherstellung der Demokratie in Venezuela widersetzen". Nunmehr sei die Zeit gekommen, die verzweifelten Menschen in Venezuela zu unterstützen. "Wir stehen in Solidarität mit denen, die ihren Kampf für Freiheit fortsetzen."

Guaidó bittet internationale Gemeinschaft um Hilfe

Ein von Puerto Rico aus in See gestochenes Schiff mit Hilfslieferungen wurde von der venezolanischen Marine massiv bedroht, wie der Gouverneur des US-Außengebiets, Ricardo Rossello, erklärte. Die Marine habe gedroht, das Feuer auf das Hilfsschiff zu eröffnen und dieses damit zur Umkehr gezwungen.

Guaido, der am Freitag nach Cúcuta gereist war, rief die internationale Gemeinschaft angesichts der gewaltsamen Ereignisse auf, "alle Möglichkeiten" gegen Maduro in Erwägung zu ziehen. Zudem kündigte er an, ein für Montag anberaumtes Treffen der Lima-Gruppe in Bogotá zu besuchen.

Rund 60 venezolanische Sicherheitskräfte setzten sich am Samstag nach Kolumbien ab. Sie seien aus den venezolanischen Bezirken Norte de Santander und Arauca in den Nachbarstaat geflohen, teilte die kolumbianische Einwanderungsbehörde mit. Bislang konnte Maduro weitgehend auf die Unterstützung des Militärs zählen.

In dem südamerikanischen Land herrscht trotz seines Ölreichtums eine Wirtschaftskrise mit akuten Versorgungsengpässen. Nach Schätzungen der Vereinten Nationen haben seit 2015 insgesamt rund 2,7 Millionen Menschen Venezuela verlassen.

Venezuelas Staatschef Maduro lässt Grenze zu Brasilien schließen

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