Geplante Steinigungen : Todesstrafe für Schwule in Brunei: George Clooney nimmt den Kampf auf

George Clooney will die Gesetzgebung von Brunei's Sultan Hassanal Bolkiah (rechts) nicht akzeptieren.
George Clooney will die Gesetzgebung von Brunei's Sultan Hassanal Bolkiah (rechts) nicht akzeptieren.

Auch Ausländer sollen von der Regelung betroffen sein. Doch nun ruft Hollywood-Star George Clooney zum Protest auf.

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29. März 2019, 06:55 Uhr

Kuala Lumpur | Im Sultanat Brunei droht Homosexuellen künftig die Todesstrafe, und zwar auf besonders grausame Art: Wer sich beim Geschlechtsverkehr erwischen lässt, muss damit rechnen, zu Tode gesteinigt zu werden. Die mittelalterliche Strafe kann von nächster Woche an verhängt werden. Grundlage dafür ist die Scharia, die islamische Rechtsprechung. International gibt es massive Kritik. Auch Ausländer müssen aufpassen. Das Auswärtige Amt mahnte, sich vor einer Reise nach Brunei genau zu informieren.

Hollywood-Star George Clooney (57) hat zu einem Boykott von Luxushotels im Besitz des herrschenden Sultans Hassanal Bolkiah aufgerufen. In einer Gastkolumne für das Filmportal "Deadline.com" listete der Oscar-Preisträger am Donnerstag neun Luxusherbergen in England, Frankreich, Italien und Kalifornien auf, die der Brunei Investment Agency gehören - darunter das vornehme Beverly Hills Hotel in Los Angeles. Mit jedem Besuch dieser Hotels würde man dazu beitragen, die Ermordung unschuldiger Menschen zu finanzieren, mahnte Clooney.

Einfluss konservativ islamischer Kräfte

In der ehemaligen britischen Kolonie auf der Insel Borneo ist die große Mehrheit der etwa 500.000 Einwohner muslimischen Glaubens. Der Sultan - einer der reichsten Monarchen der Welt - regiert dort bereits seit 1967. In den vergangenen Jahren haben konservative islamische Kräfte Einfluss gewonnen. Bislang stehen auf homosexuelle Beziehungen bis zu zehn Jahre Haft. Schwule und Lesben werden seit jeher unterdrückt.

Homosexualität war auch schon zu Kolonialzeiten offiziell verboten. Vom 3. April an kann Sex zwischen Männern oder Sex zwischen Frauen nun jedoch sogar mit der Hinrichtung bestraft werden. Auch öffentliche Züchtigungen mit dem Stock sind dann möglich. In Brunei gab es in jüngerer Zeit mehrfach Todesurteile. Hingerichtet wurde aber schon seit Jahren niemand mehr.

Amputationen als Strafe für Diebe

Verschärft werden auch die Strafen für Diebstahl. Künftig müssen Diebe damit rechnen, dass ihnen Hände und Beine amputiert werden. Amnesty International appellierte an Brunei, auf solch "grausame und unmenschliche Strafen" zu verzichten.

Im Unterschied zu anderen südostasiatischen Ländern spielt Tourismus in dem Sultanat keine große Rolle - also auch Sex-Tourismus nicht. Trotzdem können auch Ausländer nach Scharia-Recht verurteilt werden. Die Bundesregierung empfiehlt in den Reisehinweisen des Auswärtigen Amt allen Brunei-Besuchern, sich mit den neuen Vorschriften vertraut zu machen. Ausdrücklich heißt es: "Einzelne Straftatbestände im Scharia-Recht betreffen auch Nicht-Muslime - insbesondere, wenn ein beteiligter Teil Muslim ist."

Amnesty International appellierte an Brunei, auf solch "grausame und unmenschliche Strafen" zu verzichten - ohne große Aussicht auf Erfolg. Ungewöhnliche Kritik kam vom österreichischen Bundeskanzler Sebastian Kurz - einem konservativen Hardliner. Er forderte das Sultanat auf, die Todesstrafe zurückzuziehen. "Niemand sollte aufgrund seiner sexuellen Orientierung oder Geschlechtsidentität kriminalisiert werden", twitterte Kurz.

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Der Sultan von Brunei hat mit drei verschiedenen Frauen insgesamt zwölf Kinder. Der 72-Jährige, der bereits seit 1967 regiert, lebt in einem riesigen Palast mit mehr als 1700 Zimmern. Die konservative Auslegung des Korans steht in einem gewissen Gegensatz zum eigenen, sehr luxuriösen Lebensstil. Die "New York Times" schrieb kürzlich, der Sultan habe einen "Ruf der Extravaganz, mit einer Vorliebe für Autos, Häuser, Mätressen und erotische Statuen".

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