Gesetzentwurf : Pseudotherapien gegen Homo- und Transsexualität sollen verboten werden

Pseudotherapien sollen verboten werden.
Pseudotherapien sollen verboten werden.

Gesundheitsminister Jens Spahn (CDU) will sogenannte "Konversionstherapien" für Homo- und Transsexuelle verbieten.

von
18. Dezember 2019, 12:48 Uhr

Berlin | Das Kabinett hat am Mittwoch ein Teilverbot sogenannter Konversionstherapien für Homosexuelle beschlossen. Demnach sollen medizinische Interventionen, die die sexuelle Orientierung oder die selbstempfundene geschlechtliche Identität einer Person gezielt verändern oder unterdrücken, bei Minderjährigen generell verboten sein. Bei Volljährigen dürfen sie nur bei freier Einwilligung angewendet werden. Verstöße sollen mit einer Freiheitsstrafe von bis zu einem Jahr oder einem hohen Bußgeld geahndet werden.

"Homosexualität ist keine Krankheit"

Das "Gesetz zum Schutz vor Konversionsbehandlungen" soll voraussichtlich Mitte nächsten Jahres in Kraft treten. Der Bundesrat muss der Regelung nicht zustimmen. Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) sagte: "Homosexualität ist keine Krankheit. Daher ist schon der Begriff Therapie irreführend". Die Bundesregierung wolle sogenannte Konversionstherapien soweit wie möglich verbieten. "Wo sie durchgeführt werden, entsteht oft schweres körperliches und seelisches Leid", erklärte der Minister.

Für Therapien darf nicht geworben werden

Die Regelung sieht auch ein Verbot für das öffentliche Bewerben, Anbieten und Vermitteln solcher Behandlungen vor. Bei Behandlungen Minderjährigen soll das Verbot auch das nichtöffentliche Werben, Anbieten und Vermitteln umfassen. Verstöße können demnach mit einem Bußgeld von bis zu 30.000 Euro geahndet werden.

Sanktionen können auch Eltern treffen

Das Verbot soll allgemein gelten und nicht auf Berufsgruppen beschränkt sein. "Auch Eltern oder andere Fürsorge- oder Erziehungsberechtigte können bei gröblicher Verletzung der Fürsorge- und Erziehungspflicht bestraft werden", teilte das Gesundheitsministerium mit.

Das Verbot umfasst demnach nicht Behandlungen bei Störungen der Sexualpräferenz, etwa Exhibitionismus oder Pädophilie, sowie Behandlungen, "die der selbstempfundenen geschlechtlichen Identität einer Person oder ihrem Wunsch nach einem eher weiblichen oder eher männlichen Körperbild zum Ausdruck verhelfen". Bei seelsorgerischen und psychotherapeutischen Gesprächen soll das Verbot nur dann gelten, "wenn der Gesprächspartner zielgerichtet Einfluss zu nehmen versucht auf die sexuelle Orientierung oder die selbstempfundene geschlechtliche Identität eines Betroffenen".

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen