THW hatte Lager Stavern evakuiert : Streit um Grenzwerte beim Moorbrand setzt sich fort

Trotz der starken Rauchentwicklung am 18. September bestand in Stavern nach Einschätzung des Landkreises keine akute Gesundheitsgefährdung. Die THW-Helfer schliefen trotzdem lieber woanders, ihr 400-Mann-Lager blieb verwaist zurück. Foto: Hermann-Josef Mammes
Trotz der starken Rauchentwicklung am 18. September bestand in Stavern nach Einschätzung des Landkreises keine akute Gesundheitsgefährdung. Die THW-Helfer schliefen trotzdem lieber woanders, ihr 400-Mann-Lager blieb verwaist zurück. Foto: Hermann-Josef Mammes

Die Schadstoffgrenzwerte rund um den Moorbrand in Meppen sorgen weiter für Diskussionsstoff. Der Landkreis Emsland sieht nach wie vor kein Gefährdungspotenzial. Das THW hatte sein Lager in Stavern wegen des Qualms allerdings evakuiert. Die Grünen dringen auf Aufklärung.

svz.de von
08. Oktober 2018, 18:45 Uhr

Osnabrück | Von Burkhard Ewert, Manfred Fickers und Hermann-Josef Mammes

Nach "toxikologischer Fachexpertise" bleibe es bei der Einschätzung, dass eine akute Gesundheitsgefährdung der Bevölkerung nicht bestanden habe, betonte der Landkreis. Eine isolierte Betrachtung des Grenzwerts sei "sachlich falsch". Der Landkreis verwies beispielsweise darauf, dass der im Emsland überschrittene Richtwert der Weltgesundheitsorganisation von 9 ppm Kohlenmonoxid (CO) über mehrere Stunden für Innenräume gelte. Er selbst hatte im Zusammenhang mit dem Moorbrand allerdings "10 ppm CO über mehrere Stunden auch für Belastungen in der Außenluft als Handlungswert festgelegt", wie es in einer Bilanz der bisherigen Messergebnisse heißt.

Kurzfristige Überschreitungen, auf welche unsere Redaktion laut Landkreis abgestellt habe, beliefen sich auf der Höhe eines Siedlungsgebietes in Stavern auf bis zu 14 ppm – im unbewohnten Gebiet auf bis zu 20 ppm. Diese Werte aus der Nacht vom 18. auf den 19. September stellten die höchsten Werte dar, bestätigte der Landkreis entsprechende Berichte unserer Zeitung, stellte aber zugleich Teile der Berichterstattung als falsch dar.

Fehlende Messwerte

Insbesondere klagte der Kreis neben anderer Kritik über eine Überbewertung "punktueller Überschreitungen von andauernden Werten". Die NOZ hatte allerdings klar darauf verwiesen, dass etwaige Evakuierungen nicht allein aufgrund eines Messwertes, sondern immer auch aufgrund der Dauer seiner Erhebung eingeleitet werden müssten. Genau diese Messungen über einen längeren Zeitraum wurden allerdings nicht vorgenommen. Es ist und bleibt der Sachstand: Dauerhafte oder auch nur wiederholte Messungen über die relevante Zeit von 4 bzw. 8 Stunden hatte es im Moment der Entwarnung nicht gegeben, schon gar nicht von Stoffen außer Kohlenmonoxid wie etwa Staub. Genau darin besteht auch die Kritik der Feuerwehr, deren anders lautender Empfehlung auf weitere Messungen die Bundeswehr nicht gefolgt war.

THW hatte Lager Stavern evakuiert

Während die Feuerwehr Leer für ihren Messzug nach der Ermittlung überschrittener Grenzwerte in der Nacht auf den 19. September die Nutzung von Atemschutz anwies, hatte das Technische Hilfswerk (THW) sein Lager für rund 400 Helfer im Ortskern von Stavern zu diesem Zeitpunkt bereits ganz ohne Messwert evakuiert. Seine Kräfte übernachteten in einer Turnhalle in Meppen, bestätigte die THW-Zentrale am Montag unserer Redaktion. Die Räumung geschah, weil den Verantwortlichen die Qualmbelastung in Stavern am Nachmittag zu groß geworden war. Zugleich stand die Sorge im Raum, dass sich die Situation wegen einer angekündigten Änderung der Wetterlage am Abend des 18. September noch hätte verschlechtern können. Zurück blieben die Bürger von Stavern.

Bundeswehr: Keine Gefährdung der Einsatzkräfte

Die Bundeswehr teilte mit, sie habe zur Einschätzung der möglichen Freisetzung von Schadstoffen die vom Umweltbundesamt herausgegebenen Störfallbeurteilungswerte zugrunde gelegt. Der dort benannte niedrigste Grenzwert von 27 ppm sei bei keiner Messung überschritten worden. „Die gemessenen Werte stellten sich als unkritisch für die Einsatzkräfte dar, da sie sämtlich unter dem niedrigsten Störfallbeurteilungswert lagen." Die nachlassende Rauchentwicklung und Intensität des Brandes im Laufe des Abends hätten die Annahme zugelassen, dass keine höheren oder grenzwertüberschreitenden Messergebnisse zu erwarten gewesen seien. „Eine Gefährdung der Einsatzkräfte konnte und kann weiterhin ausgeschlossen werden", hieß es.

Kritik der Grünen

Scharfe Kritik kam erneut von den Grünen im Landtag. "Wir haben erneut eine Unterrichtung im Innenausschuss am kommenden Donnerstag beantragt", sagte Fraktionschefin Anja Piel. "Die von der Feuerwehr erhobenen Vorwürfe gegenüber den Verantwortlichen der Bundeswehr wiegen schwer", erklärte sie. Der Eindruck eines völligen Versagens des staatlichen Krisenmanagments auch durch Land und Landkreis müsse ausgeräumt werden. Grüne wie auch Landesregierung formulierten außerdem erneut Unmut über das Krisenmanagement und die Kommunikation der Bundeswehr.

148 Einsatzkräfte

Unterdessen sind auf dem Sperrgelände, auf dem Munitionstests den Moorbrand ausgelöst hatten, noch 148 Einsatzkräfte mit dem Löschen letzter Glutnester befasst. Die Bundeswehr setzt Drohnen ein, um sie aus der Luft zu identifizieren. Am Dienstag soll wieder ein Tornado-Aufklärungsflugzeug das Lagebild ergänzen, teilte die Bundeswehr mit. Für die zur Durchfahrt Berechtigten ist die Sperrung der sogenannten Panzerstraße in der Verlängerung des Schlagbrückener Wegs in Meppen aufgehoben worden. Weil hier aber noch Bauarbeiten laufen, bittet die Bundeswehr um eine umsichtige Fahrweise.

Bei der Schadensannahmestelle sind inzwischen 50 Anträge eingegangen.

Die Bundeswehr arbeitet ferner an einer Zusammenstellung der von zivilen und militärischen Stellen während des Brandes gewonnenen Messdaten. Ergebnisse sollen in einer Pressekonferenz am Mittwoch vorgestellt und bewertet werden.

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