Anschlag von Halle : Bundespräsident Steinmeier findet deutliche Worte – Merkels Anruf bei Netanjahu

Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier nimmt an einer Feier im Jüdischen Museum zum zehnjährigen Bestehen des Ernst-Ludwig-Ehrlich-Studienwerks (ELES) teil und hält eine Rede. Foto: Wolfgang Kumm/dpa
Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier nimmt an einer Feier im Jüdischen Museum zum zehnjährigen Bestehen des Ernst-Ludwig-Ehrlich-Studienwerks (ELES) teil und hält eine Rede. Foto: Wolfgang Kumm/dpa

Bundespräsident Steinmeier fordert eine klare Haltung gegen Rechtsextremismus. Kanzlerin Merkel zeigt sich betroffen.

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10. Oktober 2019, 20:54 Uhr

Berlin/Halle | Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier hat nach dem Anschlag auf die Synagoge in Halle/Saale vor einer kaum verhohlenen Bereitschaft zur Gewalt sowie Hass gegen Minderheiten und Andersdenkende gewarnt. "Ich bin es leid, dass Rechtsextremismus offen das Wort geredet wird und diese Borniertheit klammheimliche Zustimmung findet", sagte Steinmeier laut Redemanuskript am Donnerstagabend in Berlin. Zuvor hatte der Bundespräsident in Halle eine klare Haltung der Gesellschaft gegen Rechtsextremismus gefordert.

Kommentar: Steigt aus! Wer einen Funken Ehre hat, besinnt sich

"Der Staat muss Verantwortung übernehmen für jüdisches Leben in Deutschland, und unsere Solidarität muss sichtbar werden", sagte Steinmeier in Berlin. Seine Gedanken gingen an die Ermordeten und Verletzten des Angriffs und ihre Angehörigen. Auch denke er an jene, die in der Synagoge "darauf vertrauen mussten, dass eine Tür standhält und Schlimmeres verhüten möge", sagte Steinmeier zur Verleihung der Ernst Ludwig Ehrlich Medaille an die Präsidentin der israelitischen Kultusgemeinde München und Oberbayern, Charlotte Knobloch.

"Der Staat muss Verantwortung übernehmen für jüdisches Leben in Deutschland, und unsere Solidarität muss sichtbar werden" Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier


Knobloch, die unter anderem Präsidentin des Zentralrats der Juden war, sei eine "unüberhörbare Stimme" und ein "Orientierungslicht". Als Überlebende des Holocaust habe sie sich mit ihrem Mann Samuel Knobloch, ebenfalls ein Überlebender, entschieden, in Deutschland zu bleiben und am demokratischen Aufbau zu beteiligen. Ihr Engagement sei von unschätzbarem Wert für die Entwicklung der Bundesrepublik.

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Das vor zehn Jahren gegründete Ernst Ludwig Ehrlich Studienwerk hat bisher mehr als 750 jüdische Studierende und Promovierende gefördert.

Bundeskanzlerin Merkel telefoniert mit Netanjahu

Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) hat am Donnerstag mit dem israelischen Ministerpräsidenten Benjamin Netanjahu telefoniert. Dabei habe sie ihre tiefe Betroffenheit über den antisemitischen Anschlag in Halle am Mittwoch zum Ausdruck gebracht, teilte die stellvertretende Regierungssprecherin Ulrike Demmer am Donnerstagabend mit. Merkel habe deutlich gemacht, dass Deutschland fest zu seiner historischen Verantwortung stehe, jüdisches Leben zu schützen. Die Bundesregierung werde den Kampf gegen den Antisemitismus entschlossen fortsetzen.

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