Kommentar zu Sonntagsarbeit : Sonntagsarbeit: Vor Selbstausbeutung gibt es keinen Schutz

 
 

Fast jeder fünfte Arbeitnehmer muss auch sonntags ran. Wer einen Skandal wittert, irrt jedoch: Die Sonntagsarbeit ist in Deutschland gut geregelt, Auswüchse sind bereits vor Jahren per Gericht eingedämmt worden. Ein Kommentar.

von
19. Dezember 2019, 01:01 Uhr

Osnabrück | Eigentlich ist die Sache seit 2014 klar: Da hat das Bundesverwaltungsgericht einer Klage von Verdi und zweier evangelischer Dekanate weitgehend stattgegeben und die seinerzeit ausufernde Sonntagsarbeit eingeschränkt. Aus gutem Grund, war damals doch noch jeder Vierte von Sonn- und Feiertagsarbeit betroffen. Da wurde in Callcentern, Videotheken (ja, die gab es damals noch) oder auch Büchereien sonntags gearbeitet. Nicht erlaubt, hatte Leipzig entschieden. Mit Erfolg, die Quote ist heute wieder auf das normale Maß gesunken ist – auch 1995 hat jeder Fünfte an Sonn- und Feiertagen gearbeitet.

Es mag in Großstädten trotzdem auch jetzt noch spätabendliche oder gar nächtliche Öffnungszeiten geben. Es gibt aber gerade in Ballungsräumen eben auch Menschen genug, denen diese Arbeitszeiten gut in den eigenen Lebensentwurf passen. Und wenn sich Familien in ihrem kleinen Friseur- oder Dönerladen selbst ausbeuten wollen, dann helfen da kein Gesetz und keine Kontrollen.

Dass die Linke nun fordert, der Staat müsse mehr gegen Sonntagsarbeit tun, hat mit der Realität im und vor allem auf dem Land wenig zu tun. Hier leben aber nun mal die meisten Deutschen. Wer dort an Sonn- und Feiertagen arbeitet, der rettet Leben im Notarztwagen, pflegt Kranke oder Alte, fliegt Menschen in den Urlaub, predigt in der Kirche oder macht die Zeitung für den Montag. Alles ganz normal.

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen