Nach Anschlag in Halle : "Gewolltes Missverstehen": Seehofer kritisiert Kritik an seiner Gamer-Äußerung

Bundeinnenminister Horst Seehofer fühlt sich missverstanden.
Bundeinnenminister Horst Seehofer fühlt sich missverstanden.

"Dieses gewollte Missverstehen ist mittlerweile eine beliebte politische Vorgehensweise geworden", sagte Seehofer.

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22. Oktober 2019, 07:42 Uhr

Berlin | Bundesinnenminister Horst Seehofer (CSU) hat sich verärgert gezeigt über die Kritik an seiner Äußerung nach dem tödlichen Anschlag von Halle, dass die Szene der Internet-Spieler stärker in den Blick genommen werden müsse. "Dieses gewollte Missverstehen ist mittlerweile eine beliebte politische Vorgehensweise geworden", kritisierte Seehofer in der "Augsburger Allgemeinen" (Dienstag). Aufgabe sei es, jene aus der Gamer-Szene herauszuholen, die die Spieler benutzten. "Wir bekämpfen Verbrecher und Rechtsextremisten und nicht die Bürger und nicht die Gamer."

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Der rechtsextremistische Attentäter von Halle war ein Gamer und hatte vor der Tat einen Ablaufplan veröffentlicht, der wie ein verschriftlichtes Computerspiel wirkt. Seehofer hatte am Wochenende zunächst erklärt: "Viele von den Tätern oder den potenziellen Tätern kommen aus der Gamer-Szene." Manche nähmen sich Simulationen geradezu zum Vorbild. "Und deshalb müssen wir die Gamer-Szene stärker in den Blick nehmen."

Kritik an Seehofer von Gamern, Opposition und CSU

Später warnte er gezielter davor, dass Rechtsextremisten Gaming-Plattformen für ihre Zwecke nutzen. Seehofer hatte damit breite Kritik geerntet, vor allem von der Opposition, aber auch aus den Reihen seiner CSU und der Bundesregierung.

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Für ihn sei sein Besuch in Halle, wo sich der Anschlag zunächst gegen die Synagoge hatte richten sollen, eine harte Erfahrung gewesen, berichtete Seehofer. Ein junger Mann habe "Ihr könnt uns nicht beschützen" gerufen: "Das war für mich wie ein Stich ins Herz."

Seehofer sagte weiter, dass er CSU-Veranstaltungen wie dem jüngsten Parteitag bewusst fernbleibe. "Ich will nicht rumwuseln in Bayern und zeigen: Mich gibt's auch noch", sagte der ehemalige CSU-Chef. "Ich mische mich mit keinem einzigen Satz in die Alltagsgeschäfte der CSU oder der Bayerischen Staatsregierung ein."

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