Nachweis in Westpolen : Drohende Schweinepest: Jagdverband mahnt zu höchster Wachsamkeit

Die Afrikanische Schweinepest droht sich derzeit von Polen aus auszubreiten.
Die Afrikanische Schweinepest droht sich derzeit von Polen aus auszubreiten.

Wie lange wird es bis zu einem Nachweis hierzulande noch dauern?

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19. November 2019, 12:18 Uhr

Berlin | Nach dem Nachweis der Afrikanischen Schweinepest (ASP) bei toten Wildschweinen in einer an Deutschland grenzenden Region Polens ruft der Jagdverband DJV zu höchster Wachsamkeit auf. "Es ist extrem wichtig, dass Landwirte, Forstwirte, Jäger und Spaziergänger verdächtige Kadaver sowie Tiere mit Blut an Haut oder Schnauze sofort melden", betonte Torsten Reinwald vom Deutschen Jagdverband. Aufmerksamkeit sei dabei nicht nur in Brandenburg und den anderen wildschweinreichen Ost-Bundesländern geboten. "Wir wissen nicht, wo das Virus in Deutschland zuschlagen wird", sagte er. "Es ist aber keine Frage des Ob, sondern nur noch eine des Wann."

Auf keinen Fall anfassen!

Meldungen seien auch über das Tierfundkataster des DJV möglich dort eingetragene Wildschweinfunde landeten automatisch bei der zuständigen Veterinärbehörde. Anfassen oder gar transportieren solle man tote oder erkrankte Schweine auf keinen Fall. "Die Körperflüssigkeiten sind hochinfektiös", betonte Reinwald mit Blick auf die Übertragungsgefahr von Schwein zu Schwein. Zudem habe sich gezeigt, dass das Virus in dem Schlamm, der sich in Radkästen sammle, 100 Tage überleben könne. Das Knochenmark infizierter Tiere, die im Baltikum vergraben wurden, habe auch nach einem harten Winter noch lebende, infektiöse Erreger enthalten, an denen sich weitere Wildschweine ansteckten. Für den Menschen sind die Viren ungefährlich.

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Nur Tschechien ist Seuche wieder losgeworden

Es sei wahnsinnig schwer, den Erreger wieder loszuwerden, wenn er erst einmal eingeschleppt sei. "Wir haben nur eine Chance, wenn wir einen Seuchenherd frühzeitig erkennen", betonte Reinwald. In Belgien seien nach dem ersten Nachweis Ende 2018 inzwischen mehr als 800 weitere bei Wildschweinen erfasst worden. Als einzigem der in Europa betroffenen Länder sei es bisher Tschechien gelungen, Ausbruchsherde hermetisch abzuriegeln und die Seuche wieder loszuwerden, sagte Reinwald. "Das hat etwa ein Jahr gedauert."

Foto: dpa/Frank Rumpenhorst
picture alliance/dpa
Foto: dpa/Frank Rumpenhorst

Von Polen aus über die Oder nach Deutschland zu kommen, stelle für Wildschweine keinerlei Schwierigkeit dar, so Reinwald. "Das sind sehr gute Schwimmer." Allerdings seien infizierte Tiere rasch geschwächt und einige schon nach 48 Stunden tot - weite Strecken legten sie selten noch zurück. "Die Schuld an neuen Seuchenherden hat meist nicht das Wildschwein, sondern der Mensch." Über weggeworfene Wurstbrote reise das Virus vor allem entlang der Transitstrecken. "Auch Räuchern macht dem Virus nichts aus."

"Jäger sind gefragt"

Daher gehöre zu den wichtigsten Schutzmaßnahmen, Parkplätze entlang solcher Strecken mit wildschweinsicheren Zäunen zu umgeben, geschlossene Mülleimer zu installieren sowie Transitfahrer und Bevölkerung intensiv zu informieren. "Auch die Jäger sind gefragt: Sie sollten keinesfalls Jagdausflüge in betroffene Gebiete unternehmen", betonte Reinwald. Das Virus bleibe auch im Dreck des Schuhprofils eingebettet infektiös.

In Brandenburg würden derzeit bei tot aufgefundenen Wildschweinen stichprobenartig Blutproben genommen und auf ASP kontrolliert. "Die Behörden sind da schon sehr auf der Hut." Die Zahl der Frischlinge sei nach dem mageren Vorjahr in diesem Herbst besonders hoch. "Es sind derzeit unglaublich viele Jungtiere unterwegs."

Die Risikobewertung des zuständigen Friedrich-Loeffler-Instituts (FLI) in Greifswald blieb nach den Nachweisen in Polen zunächst unverändert. Die Gefahr einer Einschleppung der Seuche nach Deutschland durch den Menschen oder infizierte Tiere werde weiter als hoch eingeschätzt, sagte die Sprecherin des Instituts, Elke Reinking, am Montag. Die Risikobewertung war zuletzt im Mai 2019 angepasst worden, nachdem Fälle von ASP in Belgien aufgetreten waren. Dort hatte die Entfernung zur deutschen Grenze 70 Kilometer betragen bei den aktuellen Nachweisen in Polen sind es etwa 80 Kilometer.

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