Vorschlag der Kultusminister : Jeder Schüler soll vor den Sommerferien wieder zur Schule – tageweise

Schüler in Deutschland sollen vor den Sommerferien tageweise in die Schule zurückkehren.
Schüler in Deutschland sollen vor den Sommerferien tageweise in die Schule zurückkehren.

Ein regulärer Schulbetrieb soll aber nicht möglich sein.

von
28. April 2020, 14:18 Uhr

Mainz/Berlin | Trotz Corona-Beschränkungen sollen alle Schüler vor den Sommerferien zumindest tageweise die Schule besuchen können. Das schlagen die Kultusminister der Länder den Ministerpräsidenten und Kanzlerin Angela Merkel (CDU) in einem Konzept vor, das der Deutschen Presse-Agentur vorliegt. "Jede Schülerin und jeder Schüler soll bis zu dem Beginn der Sommerferien tage- oder wochenweise die Schule besuchen können", steht in dem Papier, über das Bund und Länder an diesem Donnerstag beraten sollen. Es lag der dpa am Dienstag in übereinstimmenden Beschlussvorlagen vor.

Einen uneingeschränkten regulären Schulbetrieb für die rund elf Millionen Schüler in Deutschland wird es vor den Sommerferien laut Kultusministerkonferenz (KMK) aber nicht geben. Nach dem jetzigen Stand in der Corona-Krise sei dies aufgrund des Abstandsgebots von mindestens 1,50 Meter nicht möglich, hieß es in einem am Dienstag beschlossenen gemeinsamen Konzept. Ein Mix aus Präsenzunterricht und Lernen daheim solle ausgebaut, digitales Lehren und Lernen weiterentwickelt werden.

Video: Maskenpflicht und mehr Schüler: Das ändert sich ab 27. April

Strenge Hygieneregeln und Abstandsgebote

Die Länderminister betonen, dass Infektions-und Gesundheitsschutz "höchste Priorität" haben. Diese seien "Maßgabe für alle weiteren Schritte". Mit den vorgelegten Eckpunkten – darunter strenge Hygieneregeln und Abstandsgebote – sei eine allmähliche Rückkehr zu einem "geordneten Schulbetrieb" möglich. Eine Pflicht, in den Schulen einen Nase-Mund-Schutz zu tragen, ist in dem Beschlusspapier nicht vorgesehen. Die Minister setzen ausdrücklich auf ein behutsames Vorgehen: Die Lerngruppen werden verkleinert, räumlich getrennt, der Unterricht soll zeitversetzt laufen. Abstandhalten gilt fürs Klassenzimmer, aber auch für Pausenhof oder zu Essenszeiten. Ein Mund-Nasen-Schutz soll freiwillig sein und wird als "ergänzender Fremdschutz" gesehen.

Im Beschluss heißt es, alle Abschlussprüfungen sollen in diesem Jahr stattfinden, die Abschlüsse gegenseitig anerkannt werden. Neue Termine, wann welche weiteren Jahrgänge an die Schulen zurückkehren sollen, nennt das Papier nicht. Es wird nur der 4. Mai aufgeführt, den viele Bundesländer schon fest im Visier haben für den nächsten Schritt. Über eine Ausweitung des Unterrichts auf weitere Klassenstufen entscheiden die Länder der zwölfseitigen Vorlage zufolge selbst – nach Vor-Ort-Gegebenheiten und Infektionsgeschehen. Für den 4. Mai planen viele Länder eine Rückkehr jeweils für den ältesten Grundschuljahrgang sowie für Schüler, die 2021 ihren Abschluss machen wollen.

Maskenpflicht für Schüler in Bussen und Bahnen

Man müsse allen Akteuren ausreichend Zeit einräumen, um auch etwa eine sichere Beförderung zur Schule bereitzustellen, stellen die Länderminister klar. Auch wenn Mundschutz nicht in den Klassen vorgeschrieben ist: In Bussen und Bahnen gilt seit Montag eine allgemeine Maskenpflicht für Personen ab sechs Jahren – also auch für Jungen und Mädchen auf dem Weg zur Schule. Die Kinder und Jugendlichen sollten verstärkt mit dem Rad oder zu Fuß in die Schulen kommen, rät die KMK.

Herausgestellt wird einmal mehr die Bedeutung von Hygiene. "Jede Schule muss einen Hygieneplan haben." Für regelmäßiges Händewaschen müssten genug Möglichkeiten vorhanden sein, ebenso brauche es ausreichend Flüssigseife. Auf den Abstand von 1,50 Meter sei konsequent zu achten. Vor allem mit den jüngeren Schülern sollten die wichtigsten Verhaltensregeln – auch etwa Nies- und Hustenetikette – eingeübt werden. Vorerkrankte Schüler wollen die Kultusminister von einer Teilnahme am Präsenzunterricht befreien. Der Unterricht solle zwar wenn möglich nach regulärem Stundenplan erteilt werden, die Lehrkräfte setzen aber die Schwerpunkte. Vorerkrankte Lehrer sollen möglichst nicht im Präsenzunterricht eingesetzt werden.

Bis Dienstagvormittag waren 156.200 Corona-Infektionen gemeldet. Laut Robert Koch-Institut stieg die Ansteckungsrate leicht an.

Hamburgs Schulsenator: "Kein normaler Schulbetrieb vor den Sommerferien"

Bildung ist Ländersache, die Umsetzung von gemeinsamen Beschlüssen – ob und wie – obliegt den Bundesländern. Hamburgs Schulsenator Ties Rabe (SPD) sagte dem Sender NDR Info: "Garantieren kann man zum jetzigen Zeitpunkt nur, dass der normale Schulbetrieb vor den Sommerferien auf keinen Fall wieder losgehen wird." Bayerns Ministerpräsident Markus Söder (CSU) hatte als Ziel ausgegeben, "dass vor Pfingsten jeder Schüler zumindest einmal wieder in der Schule war" – also etwa bis Ende Mai. NRW-Schulministerin Yvonne Gebauer (FDP) will möglichst alle Schüler vor den Sommerferien wieder in die Schulen zu holen – wohl in rollierendem System.

Das Konzept soll der Ministerpräsidentenkonferenz für die nächste Beratung mit Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) zugeleitet werden. Diese Besprechung zum weiteren Vorgehen ist für Donnerstag geplant. "Die Gespräche waren insgesamt sehr konstruktiv und von dem gemeinsamen Willen geleitet, ein Gesamtkonzept für die Öffnung der Schulen vorzulegen", sagte Hubig der Deutschen Presse-Agentur.

Aufgeteilt auf mehrere Räume bereiten sich diese Dortmunder Schüler auf ihr Abitur vor.
AFP/INA FASSBENDER
Aufgeteilt auf mehrere Räume bereiten sich diese Dortmunder Schüler auf ihr Abitur vor.

Bildungsverbände: Sicherheit vor Schnelligkeit

Bildungsverbände mahnten "Sicherheit und Sorgfalt vor Schnelligkeit" an. Es dürfe in der Corona-Krise keinen Wettbewerb geben, wer am schnellsten wieder Präsenzunterricht ermögliche, appellierten die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW), die Pädagogen-Gewerkschaft Verband Bildung und Erziehung (VBE) sowie der Bundeselternrat (BER). "Der Gesundheits- und Infektionsschutz der Lehrenden und der Lernenden muss im Zentrum aller Entscheidungen stehen, wenn die Schulen wieder schrittweise öffnen."

Wenn die Hygienebedingungen nicht ausreichend seien, dürften die Schulen nicht öffnen, betonte VBE-Chef Udo Beckmann. Laut GEW sollten die Abschlussprüfungen nach den wochenlangen Schließungen nicht "auf Teufel kommt raus" durchgezogen werden.

In Mainz informiert ein Plakat über die Maskenpflicht in der Berufsbildenden Schule.
dpa/Andreas Arnold
In Mainz informiert ein Plakat über die Maskenpflicht in der Berufsbildenden Schule.

Am 4. Mai sollen zunächst Abschlussklassen zurückkehren

Die meisten Bundesländer planen eine weitere teilweise Schulöffnung für den 4. Mai. Dabei sollen zunächst die im kommenden Schuljahr vor Prüfungen stehenden Jahrgänge in die Kurs- und Klassenräume zurückkehren. Auch für die ältesten Grundschüler wird es den Planungen zufolge in den meisten Ländern dann wieder losgehen. In nahezu allen Bundesländern sind seit Anfang der vergangenen Woche die ersten Schüler wieder in die Klassenräume zurückgekehrt, allerdings nur die Abschlussklassen – für Prüfungen oder Prüfungsvorbereitungen.

_202004272030_full.jpeg
dpa

Weiterlesen: Chinesische Grundschüler tragen "Ein-Meter-Hüte" im Unterricht

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen