Gefährliche Arbeit : Schon mehr als 300 tote Wahlhelfer bei Wahlen in Indonesien

Ein Wahlhelfer in Indonesien zählt Stimmen nach Schließung des Wahllokals.
Ein Wahlhelfer in Indonesien zählt Stimmen nach Schließung des Wahllokals.

Schon bei der vergangenen Wahl waren 150 Menschen gestorben, dieses Mal sind es mindestens doppelt so viele.

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29. April 2019, 08:38 Uhr

Jakarta | Bei der Auszählung der Wahlergebnisse in Indonesien sind nach amtlichen Angaben seit Mitte April mehr als 300 Menschen gestorben. Die staatliche Wahlkommission berichtete am Montag von mindestens 287 Todesfällen unter Wahlhelfern. Zudem gab es 18 Todesfälle bei der Polizei. Todesursache war demnach in den meisten Fällen völlige Erschöpfung.

Sieben Millionen Wahlhelfer im Einsatz

Indonesien – viertgrößtes Land der Welt mit mehr als 260 Millionen Einwohnern – besteht aus mehr als 17.000 Inseln. Wahlen sind stets auch eine organisatorische Herausforderung. Die diesjährige gilt laut Experten als die größte jemals an einem Tag abgehaltene Wahl im größten Inselstaat der Welt. Die knapp 200 Millionen wahlberechtigten Indonesier wählten gleichzeitig ihren Präsidenten, ihr Parlament und ihre Regionalvertretungen. Es waren 245.000 Kandidaten verteilt auf fast 18.000 Inseln. ein Think Tank bezeichnete den 17. April als einen der kompliziertesten Wahltage der Weltgeschichte, schreibt die ARD-Korrespondentin Lena Bodewin.

Wahlurnen mussten demnach per Boot, Flugzeug, Motorrad und Elefant eingesammelt werden. Das Land dehnt sich von Ost nach West über 5000 Kilometer aus, das ist eine Entfernung wie von Berlin zum Senegal. Die Auszählung aller Stimmen läuft noch bis in den Mai hinein.

Am 17. April waren sowohl das Staatsoberhaupt als auch ein neues Parlament gewählt worden. Zudem fanden Regional- und Kommunalwahlen statt. Insgesamt waren während der Wahlen sowie für die Auszählung mehr als sieben Millionen Wahlhelfer im Einsatz.

Unterstützer begrüßen den indonesischen Präsidentschaftskandidaten Prabowo Subianto. Foto: dpa/Dita Alangkara/AP
Dita Alangkara
Unterstützer begrüßen den indonesischen Präsidentschaftskandidaten Prabowo Subianto. Foto: dpa/Dita Alangkara/AP

Das amtliche Endergebnis soll am 22. Mai bekanntgegeben werden. Bei der Präsidentenwahl deuten die bisherigen Resultate auf einen klaren Sieg des Amtsinhabers Joko Widodo hin.

Todesursache: Erschöpfung

Der Sprecher der Wahlkommission, Arief Priyo Susanto, bestätigte am Montag Berichte über zahlreiche Todesfälle. "Bislang sind im gesamten Land 287 Wahlhelfer gestorben und 2095 krank geworden", sagte er. Die Wahlzettel werden per Hand ausgezählt, bis tief in die Nacht, oft in unerträglicher Hitze und hoher Luftfeuchtigkeit. "Hauptsächliche Todesursache ist Erschöpfung. Zudem gab es Unfälle und Erkrankungen aufgrund von Erschöpfung."

Im Gegensatz zu Regierungsbeamten werden die temporären Helfer vor ihrem Einsatz nicht medizinisch durchgecheckt. Kritiker werfen der Regierung daher vor, dass es eine wahnwitzige Idee war, die Wahlen aus Kostengründen zusammenzulegen: Knapp 200 Millionen Wahlberechtigte, jeder muss auf bis zu fünf Wahlzetteln per Loch abstimmen die Zettelzahl geht nahe an die Milliarde.

Bei der vorigen Wahl 2014 – als Präsident und Parlament im Abstand von drei Monaten gewählt wurden - hatte es 150 Todesfälle gegeben.

Der südostasiatische Staat ist die drittgrößte Demokratie der Welt. Von den mehr als 260 Millionen Einwohnern sind annähernd 90 Prozent Muslime. Lange Zeit galt Indonesien als Modell für einen toleranten Islam. In den vergangenen Jahren gewannen aber auch dort konservative Kräfte an Einfluss.

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