Vorstoß von Wolfgang Schäuble : Werden die Sommerferien 2020 für Schüler verkürzt? Kritik aus MV

Eine Verkürzung der Sommerferien für Schüler böte die Gelegenheit, versäumten Unterrichtsstoff nachzuholen.
Eine Verkürzung der Sommerferien für Schüler böte die Gelegenheit, versäumten Unterrichtsstoff nachzuholen.

Bundestagspräsident Wolfgang Schäuble hat der nun eine Verkürzung der Sommerferien ins Gespräch gebracht.

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17. April 2020, 09:40 Uhr

Berlin | Bundestagspräsident Wolfgang Schäuble (CDU) hat eine Verkürzung der Sommerferien ins Gespräch gebracht, dafür aber umgehend eine Absage aus vielen Ländern erhalten. "Bis auf Ausnahmen bleiben die Schulen noch einige Zeit geschlossen. Daher frage ich mich, ob die Verantwortlichen in den Ländern darüber nachdenken, die Schulferien in der Sommerzeit etwas zu verkürzen", sagte Schäuble der "Augsburger Allgemeinen" (Freitag). Ein solcher Schritt böte Schülern die Gelegenheit, den durch die Corona-Pandemie versäumten Stoff nachzuholen. Stellvertretend für viele Kultusminister lehnte Berlins Bildungssenatorin Sandra Scheeres (SPD) den Vorstoß als "nicht sinnvoll" ab.

Urlaubskonten oftmals strapaziert

Schäuble verwies auch darauf, dass das Urlaubskonto vieler Eltern durch die Corona-Krise bereits "strapaziert" sei. "Ich kann die verstehen, die sich fragen, wie sie da noch sechs Wochen Sommerferien organisieren sollen." In einer Meinungsumfrage des Unternehmens Civey im Auftrag der Zeitung erklärten 29,6 Prozent der Teilnehmer, die Sommerferien sollten 2020 auf jeden Fall verkürzt werden. 25,5 Prozent befürworteten dies "eher", knapp 15,9 Prozent "eher nicht" und 19,8 Prozent wollen eine Verkürzung auf keinen Fall.

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Verkürzte Sommerferien? Kritik aus den Ländern

Kritik an dem Schäuble-Vorstoß gab es aus Mecklenburg-Vorpommern. Wirtschaftsminister Harry Glawe (CDU) betonte in Schwerin: "Wir sind Tourismusland. Eine – auch bundesweite – Verkürzung der Sommerferien hätte wirtschaftliche Folgen. Die schon jetzt gebeutelte Branche hätte ein noch kürzeres Zeitfenster Umsätze zu generieren. Damit würde eine Erholung von der Corona-Krise nochmals erschwert."

Die Vorsitzende der Kultusministerkonferenz, Stefanie Hubig (SPD), sagte der Deutschen Presse-Agentur, in der KMK gehe es jetzt darum, wie der Wiedereinstieg an den Schulen stufenweise gestaltet werde. Es sei Sache der einzelnen Länder, die Frage kürzerer Sommerferien für sich zu klären. Für ihr Land "steht eine Verkürzung der Sommerferien derzeit nicht zur Diskussion", sagte die rheinland-pfälzische Kultusministerin.

Nordrhein-Westfalens Schulministerin Yvonne Gebauer (FDP) sagte ebenfalls, in ihrem Land würden die Sommerferien nicht verkürzt. Solche Erwägungen gebe es in ihrem Ministerium nicht. Bayerns Kultusminister Michael Piazolo (Freie Wähler) sagte der Deutschen Presse-Agentur: "Ich persönlich möchte an die Ferien nicht rangehen. Wichtig ist es, sich um die anliegenden Aufgaben zu kümmern und Eltern und Schülerinnen und Schüler bestmöglich zu unterstützen." Auch in Kiel hieß es, eine Verkürzung oder Verschiebung der Ferien stehe für das Bildungsministerium derzeit nicht zur Debatte.

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Ein Sprecher des niedersächsischen Kultusministeriums sagte: "Eine Sommerferiendebatte zu führen, ist nicht hilfreich und erhöht nicht die Planungssicherheit." Sachsen-Anhalts Bildungsminister Marco Tullner (CDU) sagte der dpa: "Wir führen derzeit keine Debatte über die Sommerferien." Schüler, Lehrer und Unternehmen bräuchten Planungssicherheit. Zwar werde über freiwillige Angebote diskutiert. "Aber eine generelle Verkürzung oder Verschiebung steht nicht an." Sachsen-Anhalts Ministerpräsident Reiner Haseloff (CDU) zeigte sich dagegen offen für eine Verkürzung der Sommerferien. "Es gibt gute Argumente, die dafür sprechen", sagte er am Freitag der "Mitteldeutschen Zeitung".

Lehrerverband dagegen

Kritik kam auch von Lehrerverbänden wie dem VBE: "Schäubles Vorschlag bringt zum jetzigen Zeitpunkt Unruhe, löst aber keines der eigentlichen Probleme", sagte der Bundesvorsitzende Udo Beckmann. Der Präsident des Deutschen Lehrerverbandes, Heinz-Peter Meidinger, zeigte sich skeptisch zur Idee der verkürzten Ferien Für eine solche Diskussion sei es zu früh, sagte er am Freitag im Deutschlandfunk. Zudem zweifelte er an dem Effekt eines solchen Schrittes. Nötig sei vielmehr ein gutes Gesamtkonzept, um den Lernstoff bestmöglich zu vermitteln.

Ebenfalls ablehnend reagierte der Bundesverband der Deutschen Tourismuswirtschaft: "Unternehmen wie Bürger brauchen Verlässlichkeit und Planbarkeit statt weiterer Verunsicherung durch eine völlig unnötige und unverantwortliche Diskussion, die der Bundestagspräsident heraufbeschwört", sagte Generalsekretär Michael Rabe.

Kritik aus der SPD

SPD-Vize Kevin Kühnert lehnte die Verkürzung ab. "Dieser Vorschlag überzeugt mich nicht. Ich glaube, dass Erholung ein ganz wichtiger Faktor in so einem Stressjahr ist", sagte der Juso-Vorsitzende den Sendern RTL und n-tv. Die Corona-Krise sei eine "Hoch-Stressphase. Es gibt soziale Konflikte in den Familien, die Kinderschutzfälle steigen an."Wenn es im Sommer die Möglichkeit gebe, "wieder stärker rauszugehen und sich mit der Freizeit zu beschäftigen, Freunde zu treffen, dann ist das auch ein wichtiger Teil", betonte er. Bildung und Erziehung fänden nicht nur in der Schule statt, "sondern dazu gehört auch, dass man die Welt erkunden kann, und für sowas sind Ferien da".

Wegen der Corona-Pandemie sind die Schulen in Deutschland seit Wochen geschlossen. Ab Anfang Mai sollen sie schrittweise wieder öffnen, zunächst aber nur für bestimmte Klassen, insbesondere für Schüler vor dem Abschluss.

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