Kommentar : Rezo Reloaded: Über AKK und die Kraft der Zerstörung

Die politische Bühne in Berlin kann gnadenlos sein, das Internet auch: In beiden Dimensionen zahlt die CDU-Bundesvorsitzende und frühere Regierungschefin im Saarland, Annegret Kramp-Karrenbauer, derzeit Lehrgeld. Foto: Odd Andersen/AFP
Die politische Bühne in Berlin kann gnadenlos sein, das Internet auch: In beiden Dimensionen zahlt die CDU-Bundesvorsitzende und frühere Regierungschefin im Saarland, Annegret Kramp-Karrenbauer, derzeit Lehrgeld. Foto: Odd Andersen/AFP

Die Youtube-"Meinungsmacher" regulieren? Mit dieser Idee sorgte die CDU-Vorsitzende Annegret Kramp-Karrenbauer für eine Neuauflage der Rezo-Debatte, diesmal ganz alleine. Ein schwerer Fehler, der tief blicken lässt, meint unser Kommentator.

von
28. Mai 2019, 15:13 Uhr

Osnabrück | Merkwürdig. So schlecht hat die Union doch gar nicht abgeschnitten. In Bremen steht sie sogar kurz davor, erstmals in der Geschichte der Republik den Regierungschef zu stellen. Strategisch nachjustieren, das wäre also okay gewesen nach diesem Wahlsonntag, an dem sie zwar gewonnen hat, aber Verluste sah. Doch Schuldzuweisungen an die Junge Union, deren Positionierung kaum jemand registrierte? Und eine öffentliche Selbstzerstörung vor der Hauptstadtpresse?

Rezo Reloaded

Mit verkniffener Mine und drohendem Ton dozierte die Parteivorsitzende dort, dass über das Anti-CDU-Plädoyer einiger Youtuber unmittelbar vor der Wahl noch zu reden sein werde. Es sei die Frage, ob für solche Meinungsmache im digitalen Raum künftig Regeln gelten müssten. Höchstselbst sorgte Annegret Kramp-Karrenbauer damit für „Rezo Reloaded“. Mit ihrer – man kann es nicht anders nennen – dummen Aussage warf sie die Empörungsmaschine aufs Neue an.

War vielleicht alles nicht so gemeint, denn anders erschienen die Aussagen ja kaum zu glauben? Und wer berät sie eigentlich, fragt man sich? Eine Antwort auf beide Fragen lieferte der digitalpolitische Sprecher der CDU/CSU-Bundestagsfraktion bei Twitter, wo er zur Verteidigung der Parteivorsitzenden Hinweise auf medienrechtliche Publikationen versandte, mit denen sich die Online-Jugend augenscheinlich schon einmal vertraut machen sollte.

Nicht hinterherlaufen

Aus dem luftleeren Raum kamen die AKK-Aussagen daher nicht. Dorthin sollten sie aber schleunigst verbannt werden. Zugleich wäre die Partei ebenfalls schlecht beraten, allen Netztrends hinterherzulaufen. Manche tun ja so, als würde jeder, der heute 18 ist, mit 48 das gleiche wählen. Und war die CDU in der Jugend der 68er-Generation der Inbegriff der Modernität? Heute ist sie dennoch die erfolgreichste Partei des Landes. Eine gewisse Bodenständigkeit steht einer CDU-Vorsitzenden daher durchaus. Aber wissen, wovon man redet, und auf die Art zu achten, mit der man es tut, das würde helfen. Dann gäbe es durchaus auch Wege, die Debatte über die diskursive und destruktive Kraft von Debatten in sozialen Netzen fortzuführen, worum es im Nachhinein gegangen sein soll. Zur richtigen Zeit, mit den richtigen Worten, mit der richtigen Haltung und mit den richtigen Partnern. In diesen Tagen aber war all das falsch.

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