Endlich Nachschub : Regierung schafft "Luftbrücke" für Schutzmaterial aus China

Weltweit kommt es zu Problemen bei der Beschaffung von Schutzausrüstung für Ärzte und Pflegekräfte.
Weltweit kommt es zu Problemen bei der Beschaffung von Schutzausrüstung für Ärzte und Pflegekräfte.

Masken und Schutzanzüge für Ärzte und Pflegekräfte sind knapp. Die Regierung hat eine "Luftbrücke" organisiert.

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08. April 2020, 15:15 Uhr

Berlin | Im Kampf gegen die Corona-Epidemie hat der Bund eine "Luftbrücke" für Transporte mit dringend benötigter Schutzausrüstung aus China nach Deutschland organisiert. Damit ist man in der Lage, täglich eine Passagiermaschine der Lufthansa für 25 Tonnen Fracht nach Shanghai zu schicken, wie die Deutsche Presse-Agentur vom Bundesgesundheitsministerium erfuhr. Hinzu kommen demnach weitere Transport-Optionen über das Verteidigungsministerium. Beide Maßnahmen sollen dazu dienen, flexibel auf Warenströme reagieren zu können.

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Material weltweit knapp

Schutzausrüstung für medizinisches Personal wie Atemschutzmasken und Anzüge sind derzeit weltweit knapp, der Markt ist außerdem massiv umkämpft. Die Bundesregierung ist daher in eine zentrale Beschaffung eingestiegen, um ergänzendes Material zum Weiterverteilen an Praxen, Krankenhäuser und Pflegeheime zu besorgen. Dabei bereiten Einkaufs- und Lieferbedingungen teils Schwierigkeiten – besonders in China, das für den Großteil der globalen Schutzmaskenproduktion steht.

Jüngste Erfahrungen zeigten, dass Zwischenhändler Lieferpflichten oft nicht erfüllen könnten, heißt es in einem Ministeriumsbericht zum Stand der Beschaffung vom 4. April, der der dpa vorliegt. Teils würden Fälschungen oder Produkte angeboten, die von zugesagten Standards abweichen. Auch beim Versand nach Deutschland komme es zu Problemen. Daher gebe es bei Lieferprognosen große Unsicherheiten.

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Zugriff auf 1000 Hersteller

Vor allem die Beschaffung vor Ort in China zeigt demnach aber nun "kurzfristig Wirkung". Sie erlaube Zugriff auf sehr große Kapazitäten von etwa 1000 Herstellern, die normgerechte Ware herstellen könnten. Anfang April habe zudem ein direkter Zugang zu einem staatlichen Produzenten hergestellt werden können, der ein höheres Maß an Qualität und Liefersicherheit verspreche.

Die vom Bund zentral beschaffte Schutzausrüstung soll laut dem Bericht zu 85 Prozent im Gesundheitssektor verteilt werden, 15 Prozent sollen an oberste Bundesbehörden und ihre Geschäftsbereiche gehen - dazu gehören etwa auch Bundespolizei und Technisches Hilfswerk. Die Kassenärztlichen Vereinigungen verteilen an Praxen weiter, die Länder an Kliniken, Pflegeheime und andere Einrichtungen.

Herstellung im Inland aufbauen

Kanzlerin Angela Merkel (CDU) hatte deutlich gemacht, dass der Nachschub besser werden müsse. Man sei bei der Versorgung mit Schutzmasken vorangekommen, aber noch nicht im wünschenswerten Umfang, hatte sie am Montag gesagt. "Wir müssen hart arbeiten, damit Krankenhäuser, Ärzte, Pflegeeinrichtungen, Behinderteneinrichtungen, damit das Personal dort wirklich ausreichend und auch nicht von Tag zu Tag lebend mit den entsprechenden Schutzgütern ausgestattet ist."

Neben der Beschaffung auf den Märkten will der Bund Anreize setzen, um eine Herstellung von Masken und Vorprodukten wie Vlies-Material im Inland aufzubauen. Vorgesehen sind dafür Investitionszuschüsse, wenn Unternehmen ihre Produktion umstellen, und Abnahmegarantien. Ziel ist es laut Bundesregierung, einen nicht nur kurzfristigen Bedarf zu decken - sondern Nachschub für mehrere Monate.

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