Rassismusvorwürfe gegen Feministin : Streit mit Muslima in Frankfurt: Alice Schwarzer legt nach

Alice Schwarzer sieht sich nach einem Vorfall in Frankfurt großer Kritik ausgesetzt.
Alice Schwarzer sieht sich nach einem Vorfall in Frankfurt großer Kritik ausgesetzt.

Für eine Aktion gegen die Muslima wird die Feministin nun kritisiert.

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10. Mai 2019, 20:48 Uhr

Frankfurt | Die Frauenbewegung der 70er-Jahre war der Höhepunkt in der Karriere von Alice Schwarzer: Die Feministin organisierte damals Protestaktionen für Abtreibungsrechte und gründete im Januar 1977 die Zeitschrift "Emma". Schwarzer gilt als kritisch, heutzutage auch als islamkritisch. Am Mittwoch war Schwarzer zu einer Tagung zum muslimischen Kopftuch an der Frankfurter Goethe-Universität geladen. Offenbar versprachen sich die Veranstalter kontroverse Diskussionen.

"Sprechverbot" für Kopftuch-Kritiker?

Die Frauenrechtlerin beklagte während der Diskussion ein "Sprechverbot" für kritische Stimmen gegen den politisierten Islam. Jeder, der das Kopftuch kritisiere, werde angefeindet, sagte Schwarzer. Ob sie wusste, wie recht sie damit haben sollte? Die Veranstaltung war umstritten, einige Menschen hatten sich zum Protest versammelt. Am Rande der Tagung trafen Schwarzer und die Protestanten aufeinander. Im Internet ist davon ein Video aufgetaucht. Es zeigt Schwarzer während der Diskussion mit einer Muslima.

Im Video ist zu sehen, wie Schwarzer eine Demonstrantin leicht am Arm berührt. Danach kommt es zum Streit. Die Frau droht ihr mit Anzeige. Daraufhin ruft Schwarzer: "Oh, ich dachte, nur ein Mann darf Sie nicht anfassen!"

Kritik an Schwarzer

Auf Twitter werfen Nutzer der Emma-Herausgeberin eine anti-muslimische und sogar anti-feministische Haltung vor. Eine der Kritikerinnen ist die Journalistin und Tagesspiegel-Autorin Hatice Akyün. "Diese paar Sekunden mit Alice Schwarzer sind kaum auszuhalten, ihre Arroganz, ihre Überheblichkeit, ihre Respektlosigkeit, ihr Zynismus! Wenn das Feminismus sein soll, dann schäme ich mich, Feministin zu sein", schreibt sie auf Twitter. Auch Mario Sixtus, Netz-Journalist und Autor, kritisierte Schwarzer deutlich. "Alice Schwarzer ist eine Rassistin", schrieb er bei Twitter.

Schwarzer reagiert mit Statement

Alice Schwarzer äußerte sich am Freitag in einem Tweet zu den Geschehnissen in dem Video. Sie warf den Demonstrantinnen eine Diffamationskampagne vor. "Und was macht ihr aus diesem Versuch, zu verstehen? Ein Diffamationskampagne. Echt traurig. Und aufschlussreich", schrieb Schwarzer.

Eine Mitarbeiterin der "Emma"-Redaktion wies auf Nachfrage des Tagesspiegels auf ein Video hin, das auf der Online-Seite des Magazins zu sehen ist. Auch dieses zeigt Schwarzer in der Diskussion mit den Demonstrantinnen.

Die Stimmung während der Diskussion ist aufgeheizt. Auf beiden Seiten wird laut diskutiert, immer wieder geschrien. "Wenn Sie Feministin wären, wären Sie dafür, dass wir unser Kopftuch tragen dürfen", ruft eine junge Frau. Schwarzer bietet den Frauen ein Treffen an. "Ihr findet meine Adresse, ich komme jederzeit mit euch diskutieren."

Ein weiterer Vorfall mit Schwarzer?

Die Journalistin Khola Maryam Hübsch war ebenfalls zur Konferenz eingeladen. Sie berichtete auf Twitter von einem weiteren Vorfall mit Schwarzer. So habe die Emma-Herausgeberin sie mit "Hübschchen" begrüßt, was der Journalistin missfiel. Schwarzer soll daraufhin gesagt haben: "Aber du bist so süß."

Hübsch ist 38 Jahre alt und trägt ebenfalls ein Kopftuch. "Mehr alter weißer Mann geht nicht", kommentiert sie Schwarzers Spruch auf Twitter.

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