Rassistischer Angriff : Bluttat in El Paso: Ein Deutscher unter den Opfern

Viele Angehörige nahmen an den Mahnwachen für die Opfer der Massaker teil.
Viele Angehörige nahmen an den Mahnwachen für die Opfer der Massaker teil.

Viele Menschen geben Trump eine Mitschuld an dem Massaker – indirekt auch sein Vorgänger Barack Obama.

von
05. August 2019, 14:13 Uhr

El Paso/Dayton | Bei dem offenbar rassistisch motivierten Angriff im texanischen El Paso mit 22 Toten ist auch ein deutscher Staatsbürger ums Leben gekommen. Eine Sprecherin des Auswärtigen Amts bestätigte am frühen Dienstagmorgen die Angaben von El Pasos Polizeichef Greg Allen. Es blieb zunächst unklar, ob es sich um einen in den USA lebenden Deutschen oder einen Urlauber handelte. Der Polizei zufolge waren unter den Opfern der Bluttat in der Grenzstadt auch mehrere Mexikaner. Bürgermeister Dee Margo erklärte, US-Präsident Donald Trump habe die Hilfe der Bundesbehörden angeboten und werde El Paso am Mittwoch besuchen.

Obama verurteilt Sprache des Hasses

In den USA wuchs unterdessen erneut der Ruf nach strengeren Waffengesetzen – und die Kritik an Trump. Der republikanische Präsident hatte am Montagmorgen noch über Twitter strengere Überprüfungen für Waffenbesitzer gefordert, Stunden später schien er sich aber wieder davon zu distanzieren. Das zeige, dass der Präsident ein "Gefangener der Waffenlobby" bleibe, erklärten führende Demokraten in einer Stellungnahme. Sie versuchen seit Monaten, schärfere Hintergrundprüfungen im Kongress durchsetzen, doch die Republikaner blockieren das Vorhaben.


Weiterlesen: Interaktive Übersicht: Mehr als eine Massenschießerei am Tag in den USA

Auch der frühere US-Präsident Barack Obama verurteilte eine von manchen Politikern genutzte Sprache der Angst und des Hasses – er nannte jedoch seinen Nachfolger nicht beim Namen. Obama erklärte: "Wir müssen eine Sprache gründlich ablehnen, die aus den Mündern unserer Anführer kommt und ein Klima aus Angst und Hass schürt oder rassistische Vorurteile normalisiert."

Präsident fordert Todesstrafe

Nach den Massakern vom Wochenende in den USA will der Präsident zudem eine Gesetzesinitiative auf den Weg bringen, die die Todesstrafe bei Hassverbrechen und Massenmord vorsieht. Er habe das Justizministerium angeordnet, eine entsprechende Gesetzgebung auszuarbeiten, sagte Trump am Montag im Weißen Haus in einer Ansprache an die Nation.

Gleichzeitig sprach er den Menschen in El Paso und in Dayton, wo sich ein weiteres Massaker mit neun Toten ereignet hatte, sein Mitgefühl aus. "Hass hat keinen Platz in unserem Land, und wir werden uns darum kümmern", sagte er vor Journalisten.

Weiterlesen: Donald Trump hetzt gegen Demokratin – Menge skandiert "Schickt sie zurück!"

Trump sieht Mitverantwortung bei den Medien

Eine Mitverantwortung für "den Zorn und die Wut" im Land schrieb Trump den Medien zu. "Die Medien haben eine große Verantwortung für Leben und Sicherheit in unserem Land", schrieb Trump am Montag auf Twitter. "Fake News haben stark beigetragen zu dem Zorn und der Wut, die sich über viele Jahre aufgebaut hat. Berichterstattung muss anfangen, fair, ausgewogen und unparteiisch zu sein." Ansonsten würden sich diese "schrecklichen Probleme" nur verschlimmern.


Als "Fake News" bezeichnet Trump normalerweise Berichte, die sich kritisch mit ihm oder seiner Politik befassen. Trump sprach sich auf Twitter für stärkere Hintergrundprüfungen von Menschen aus, die Waffen kaufen. Er forderte Republikaner und Demokraten im Kongress dazu auf, zusammenzuarbeiten – und eine entsprechende Gesetzesinitiative womöglich mit einer Reform der Migrationsgesetze zu kombinieren.

Tat von El Paso gilt als inländischer Terrorismus

Die Bluttat von El Paso behandeln die Ermittler als Fall von inländischem Terrorismus. Ein 21-Jähriger wird verdächtigt, in einem Einkaufszentrum in der Grenzstadt das Feuer eröffnet und 22 Menschen getötet zu haben. 26 weitere wurden verletzt. Der mutmaßliche Schütze hatte sich ergeben. Die Ermittler prüfen, ob er vor der Tat ein "Manifest" verfasste, das im Internet gefunden wurde. El Pasos Polizeichef Greg Allen sagte am Sonntag, es sehe mehr und mehr danach aus, dass der Mann es geschrieben habe. In dem Pamphlet heißt es unter anderem: "Dieser Angriff ist eine Antwort auf die hispanische Invasion in Texas."

Mexiko erwägt inzwischen ein Auslieferungsgesuch gegen den mutmaßlichen Schützen. "Wir werten diese Tat als einen Terroranschlag auf die mexikanisch-amerikanische Gemeinde und die mexikanischen Landsleute in den Vereinigten Staaten", sagte Mexikos Außenminister Marcelo Ebrard am Sonntag. Unter den 22 Todesopfern waren nach Angaben des mexikanischen Außenministeriums auch sechs Mexikaner.

Trump befeuere den Rassismus mit seiner Retorik

Kritiker werfen Trump seit längerem vor, mit seiner Rhetorik den Rassismus im Land zu befeuern. Der demokratische Abgeordnete Adam Schiff erklärte am Sonntag auf Twitter: "Wenn der Präsident und andere Führungspersönlichkeiten sich einer rassistischen und entmenschlichenden Sprache bedienen, um Einwanderer und Muslime als Eindringlinge zu beschreiben, dann hören wütende und einsame Männer mit Waffen zu. Und sie schreiten zur Tat."


Der demokratische Präsidentschaftsbewerber Beto O'Rourke, der aus El Paso stammt, sagte dem Sender CNN, neben einem Verbot kriegsartiger Waffen müsse man auch den Hass und den offenen Rassismus ansprechen, der von Fox News und dem Präsidenten komme. "Er ermutigt es. Er toleriert es nicht nur, er ermutigt es", sagte O'Rourke mit Blick auf Trump.


Die ranghöchste Demokratin Nancy Pelosi forderte die Republikaner im Senat auf, sich Bemühungen anzuschließen, um die Waffengesetze im Land zu verschärfen. "Genug ist genug", erklärte sie.


Bemühungen um schärfere Waffengesetze laufen seit Jahren ins Leere - vor allem, weil Trumps Republikaner dagegen sind. Die mächtige Waffenlobbyorganisation NRA bekämpft vehement jeden Versuch, Waffenbesitz stärker zu regulieren. Auch Trump ist dezidiert gegen eine Einschränkung des Rechts auf Waffenbesitz, das in der US-Verfassung verankert ist.

Trump: Regierung hat bereits viel getan

Auf die Frage, ob er etwas gegen die Waffenprobleme im Land tun werde, sagte Trump am Sonntag, seine Regierung habe bereits viel getan. Aber vielleicht müsse mehr geschehen. Er fügte hinzu, dass es bei Taten wie denen vom Wochenende auch um ein Problem psychischer Erkrankungen gehe. "Das sind Menschen, die sehr, sehr ernsthaft psychisch krank sind", erklärte er.

Unterdessen herrschte über das mögliche Motiv des Schützen in Dayton (Ohio) Rätselraten. "Wir haben darauf noch keine Antwort", sagte der stellvertretende Polizeichef Matt Carper dem Sender CNN.

Attentäter tötete auch seine eigene Schwester

Der 24-jährige Weiße soll nahe einer Bar im Zentrum das Feuer eröffnet und neun Menschen getötet haben, darunter seine eigene Schwester. Polizisten erschossen den Angreifer. Die Opfer waren 22 bis 57 Jahre alt. Die Schwester des Mannes ist demnach die jüngste unter ihnen. Sechs der Toten waren Afroamerikaner.

Nach Angaben von Bürgermeisterin Nan Whaley trug der Täter dunkle, schusssichere Schutzkleidung. Er habe eine Waffe mit vielen zusätzlichen Patronenmagazinen benutzt. Die Ermittler gehen davon aus, dass das schnelle Eingreifen der Polizei Schlimmeres verhinderte. Einsatzkräfte hätten ihn rund 30 Sekunden nach Beginn seiner Tat gestoppt, sagte Daytons Polizeichef Richard Biehl.

Merkel kondoliert Angehörigen

Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) hat US-Präsident Donald Trump nach den Gewalttaten ihr Mitgefühl ausgesprochen. "Die Nachrichten von den Bluttaten in El Paso, Texas, und Dayton, Ohio, habe ich mit großer Bestürzung und Trauer vernommen", heißt es in dem am Sonntagabend veröffentlichten Kondolenztelegramm. "Durch Akte der Gewalt und des Hasses sind Menschen aus dem Leben gerissen, Familien und ganze Städte in Trauer und Leid gestoßen worden. Die Grausamkeit und die Abscheulichkeit dieser Taten bestürzen uns alle zutiefst", schreibt Merkel.

"Unsere Gedanken sind bei den Opfern, ihren Angehörigen gilt das Mitgefühl und die Anteilnahme aller Deutschen." Den Verwundeten wünsche sie eine baldige Genesung, schließt die Kanzlerin.

Auch Papst Franziskus zeigte sich schockiert und bekundete seine Nähe zu den Opfern der Schusswaffen-Angriffe in den USA. Am Sonntagmittag betete er gemeinsam mit Tausenden Pilgern und Besuchern auf dem Petersplatz für die Toten und Verletzten der jüngsten Attacken.

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen