Festnahmen bei Kundgebungen : Putin ruft Russen an nationalem Einheitstag zu Patriotismus auf

Russlands Präsident Wladimir Putin (Vorne) hat den Tag der nationalen Einheit gewürdigt. Foto: imago/ITAR-TASS/Mikhail Metzel
Russlands Präsident Wladimir Putin (Vorne) hat den Tag der nationalen Einheit gewürdigt. Foto: imago/ITAR-TASS/Mikhail Metzel

Beim Festakt zum 100-jährigen Bestehen des Geheimdienstes lobte Putin die Agenten – trotz jüngster Pannen.

svz.de von
04. November 2018, 15:18 Uhr

Moskau | Der russische Präsident Wladimir Putin hat die Bürger am Nationalfeiertag zu Einheit aufgerufen. In Krisenzeiten habe immer Geschlossenheit Russland gerettet, sagte er bei einer Feier zum Tag der nationalen Einheit in Moskau. "Das Gefühl des Patriotismus ist immer ein wichtiger Teil unserer Nationalkultur gewesen, das Mark unseres genetischen Gedächtnisses", sagte er nach Angaben der Agentur Interfax.

Putin und der russisch-orthodoxe Kirchenpatriarch Kirill (rechts) legten Blumen am Denkmal von Minin und Poscharski nieder. Foto: Mikhail Klimentyev/Pool Sputnik Kremlin/AP/dpa
Putin und der russisch-orthodoxe Kirchenpatriarch Kirill (rechts) legten Blumen am Denkmal von Minin und Poscharski nieder. Foto: Mikhail Klimentyev/Pool Sputnik Kremlin/AP/dpa

Russland begeht seit 2005 den Tag der nationalen Einheit, der an die Vertreibung polnischer Truppen aus dem Kreml im Jahr 1612 erinnert. Am Denkmal für die Anführer dieser Befreiung auf dem Roten Platz legten Putin und der russisch-orthodoxe Patriarch Kirill am Sonntag Kränze nieder. Im russischen Festtagskalender ersetzt der Tag die früheren Feiern zum Jahrestag der Oktoberrevolution am 7. November.

Parallel zu den offiziellen Feiern demonstrieren am 4. November jedes Jahr nationalistische und rechtsgerichtete Gruppierungen in Russland. Bei einem "Russischen Marsch" am Stadtrand von Moskau wurden vier Teilnehmer festgenommen, darunter drei Organisatoren, obwohl die Kundgebung genehmigt war. Auch in anderen Städten gab es einzelne Festnahmen, wie das Bürgerechtsportal OVD-Info mitteilte.

100 Jahre Geheimdienst GRU – Putin gratuliert

Vor zwei Tagen hatte der russische Militärgeheimdienst GRU ungeachtet der jüngsten Enttarnungen im Fall des Ex-Agenten Sergej Skripal sein 100-jähriges Bestehen gefeiert. Präsident Wladimir Putin lobte die militärischen Aufklärer bei einem Festakt am Freitag in Moskau: Ihre Vorarbeit habe zum Beispiel eine große Rolle bei der Ausschaltung von Terroristen in Syrien gespielt, sagte er. Das russische Fernsehen zeigte den Auftritt live und hielt die Kamera nur auf den Präsidenten, nicht auf die versammelten Agenten.

Die junge Sowjetmacht hatte im November 1918 einen Geheimdienst für ihre Streitkräfte gegründet. Seitdem ist der Dienst für Spionageabwehr in der Armee zuständig und spioniert seinerseits fremde Militärgeheimnisse aus. Er hat eine Kommandotruppe Speznas, die hinter den feindlichen Linien operieren kann. Auch die Hackergruppe Fancy Bear, die in Cyberangriffe auf die USA verwickelt sein soll, wird von Experten dem GRU zugerechnet.

Nach dem Giftanschlag auf den Ex-Agenten Skripal in Großbritannien vom März nannten die britischen Behörden im September zwei Russen als mutmaßliche Täter. Recherchen identifizierten sie als Mitarbeiter des Militärgeheimdienstes. Danach förderte die Suche in Datenbanken mehrere hundert Namen mutmaßlicher Agenten zutage – unter anderem, weil sie ihre Autos auf die GRU-Zentrale registriert hatten.

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