Schläge bei Demo für freie Wahlen : Polizeigewalt in Moskau: Wegen dieses Videos wird nun ermittelt

Bei den Kundgebungen in Moskau greift die Polizei hart durch. Wegen einer brutalen Szene soll nun gegen einen Beamten ermittelt werden.
Bei den Kundgebungen in Moskau greift die Polizei hart durch. Wegen einer brutalen Szene soll nun gegen einen Beamten ermittelt werden.

Offenbar grundlos schlägt ein Polizist einer Demonstrantin auf den Bauch. Das Video beschäftigt das Innenministerium.

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12. August 2019, 22:36 Uhr

Moskau | Russlands Innenministerium hat eigenen Angaben zufolge Ermittlungen über mutmaßliche Polizeigewalt während einer Demonstration für freie Kommunalwahlen in Moskau eingeleitet. Die Schuldigen "werden sich der Verantwortung stellen müssen", erklärte das Ministerium am Mittwoch. Zuvor waren Videoaufnahmen veröffentlicht worden, auf denen ein Polizist eine Demonstrantin schlägt.

Das Video wurde bis zum Montagabend mehr als 380.000 Mal angesehen. Es zeigt eine junge Frau, die von maskierten Polizisten in Schutzausrüstung weggeschleppt wird. Einer von ihnen schlägt ihr dann offenbar grundlos in den Bauch. Das Video wurde bearbeitet, der Schlag ist in Zeitlupe zu sehen, womöglich wurden Fragmente entfernt. Trotz dieser fragwürdigen Bearbeitung sorgen die Bilder für Empörung in den Medien und Online-Netzwerken. Menschenrechtsanwalt Pavel Chikov bot gar eine Belohnung von 100.000 Rubel (rund 1360 Euro) für Hinweise, die helfen, den Schläger zu identifizieren.

Der Radiosender "Govorit Moskva" zitierte dann jedoch aus einem Statement der Nationalgarde, wonach die Sicherheitskräfte in dem Video nicht zur russischen Polizei gehörten.

"Ich konnte nicht atmen"

In einem Interview mit einer mazedonischen Website gab die Frau an, sie sei fortgezerrt worden, als sie gegen die Festnahme eines Mannes mit Behinderung protestiert habe. Die 26-jährige Daria Sosnowskaja sagte, es sei "extrem unangenehm" gewesen. Sie habe "sofort überall Krämpfe bekommen, ich konnte nicht atmen".


Am Wochenende hatten in Russland zehntausende für freie und faire Kommunalwahlen demonstriert. Mehr als 200 Demonstranten wurden festgenommen. Zahlreiche Oppositionskandidaten waren wegen angeblicher formaler Mängel von der Wahl in Moskau ausgeschlossen worden. Seitdem kommt es immer wieder zu Protesten. In den vergangenen Wochen waren bei mehreren nicht genehmigten Kundgebungen fast 2400 Menschen festgenommen worden. Unter anderem Deutschland hat die Niederschlagung friedlicher Demonstrationen scharf kritisiert.

Opposition: Behörden erlauben neue Demonstration nicht

Die Behörden in Moskau haben nach Angaben der Opposition derweil eine neue Kundgebung für freie Wahlen nicht genehmigt. Der Kommunalpolitiker Andrej Morew veröffentlichte am Montagabend auf seiner Facebookseite ein entsprechendes Antwortschreiben aus dem Rathaus. Zur Begründung wird darauf verwiesen, dass die Antragsteller Fristen nicht eingehalten hätten. Die Demonstration war für den kommenden Samstagnachmittag angemeldet geworden.

"Ich glaube, dass dies ein Fehler der Behörden ist, und wir werden einen offiziellen Einspruch dagegen einlegen", schrieb Morew. An diesem Dienstag solle über weitere Schritte beraten werden. Eine offizielle Bestätigung der Behörden gab es zunächst nicht.

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