Atomare Abrüstung? : Kim Jong Un will seine wichtigste Atomanlage in Nordkorea schließen

Moon Jae In (l.), Präsident von Südkorea, und Kim Jong Un, Machthaber aus Nordkorea beim Korea-Gipfel.
Moon Jae In (l.), Präsident von Südkorea, und Kim Jong Un, Machthaber aus Nordkorea beim Korea-Gipfel.

Nordkoreas Machthaber macht auf dem Korea-Gipfel neue Zugeständnisse. Er will seine größte Atomanlage schließen.

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19. September 2018, 05:40 Uhr

Pjöngjang | In die Bemühungen für eine atomare Abrüstung Nordkoreas kommt Bewegung. Auf dem Gipfel mit Südkoreas Präsident Moon Jae In in Pjöngjang sagte der nordkoreanische Machthaber Kim Jong Un nach südkoreanischen Angaben am Mittwoch zu, seine wichtigste Atomanlage in Yongbyon zu schließen und auch internationale Inspekteure ins Land zu lassen.

Atomwaffenfreie Halbinsel?

In dem Komplex von Yongbyon stehen ein Atomreaktor und eine Wiederaufbereitungsanlage, die atomwaffenfähiges Plutonium erzeugen können, sowie eine Anlage zur Anreicherung von Uran, das ebenfalls zum Atomwaffenbau verwendet werden kann.

Das Foto des US-Institut für Wissenschaft und internationale Sicherheit (ISIS) zeigt das Nordkoreanische Nuklearforschungszentrum Yongbyon.
EPA/ISIS/dpa
Das Foto des US-Institut für Wissenschaft und internationale Sicherheit (ISIS) zeigt das Nordkoreanische Nuklearforschungszentrum Yongbyon.

Moon sagte, eine atomwaffenfreie Halbinsel sei nicht mehr allzu weit entfernt. Beide Führer betonten, ihre Bemühungen verstärken zu wollen, um die koreanische Halbinsel von Atomwaffen zu befreien.

Unklar ist allerdings, wann und wie der Abbau genau passieren soll, und was Kim im Gegenzug für sein Entgegenkommen erwartet.

Puffer- und auch Flugverbotszonen

Zum Abbau der militärischen Spannungen wollen Nord- und Südkorea verschiedene Puffer- und auch Flugverbotszonen nahe der schwer bewachten Grenze einrichten. Das geht nach Angaben der südkoreanischen Nachrichtenagentur Yonhap aus dem Abkommen hervor, das die Verteidigungsminister beider Länder am Mittwoch auf dem Gipfel unterzeichneten.

Beide Seiten wollen demnach ab 1. November nahe der Grenze auch auf den jeweiligen Nachbarn abzielende Militärübungen einstellen. Mit den Flugverbotszonen im Grenzgebiet sollten ungewollte Zwischenfälle vermieden werden, berichtete Yonhap. In einer Pufferzone im Gelben Meer wollten beide Seiten auch Schießübungen und Marinemanöver aussetzen.

Gemeinsame Bewerbung für olympische Spiele

Kim will nach eigenen Angaben "bald" Seoul besuchen, wie er nach der zweiten Runde der Verhandlungen auf dem dreitägigen Gipfel in der nordkoreanischen Hauptstadt gemeinsam mit Moon mitteilte. Beide koreanischen Staaten wollten sich auch gemeinsam um die Austragung der Olympischen Spiele 2032 bewerben, erklärte Moon.

Zuvor hatten beide Führer eine gemeinsame Erklärung unterzeichnet. Anschließend unterschrieben auch die beiden Verteidigungsminister ein Abkommen zur Verringerung der Spannungen auf der koreanischen Halbinsel.

Kim und Moon haben damit ihre zweite Gesprächsrunde über atomare Abrüstung, eine dauerhafte Friedenslösung und eine Verbesserung der innerkoreanischen Beziehungen beendet. Nach den ersten Verhandlungen am Vortag in der Zentrale der Arbeiterpartei fand die zweite Runde am Mittwoch im Staatsgästehaus Paekhwawon statt, wo Moon übernachtet.

Kim Jong Un und seine Frau Ri Sol Ju im Mokran-Haus.
Yonhap/YNA/dpa
Kim Jong Un und seine Frau Ri Sol Ju im Mokran-Haus.

US-Präsident Donald Trump bezeichnete die Vereinbarungen beim Korea-Gipfel in einer ersten Reaktion als "sehr spannend". Nordkoreas Führung habe den dauerhaften Rückbau einer Test- und Startanlage im Beisein internationaler Inspekteure zugesagt, schrieb Trump am Mittwoch auf Twitter. In der Zwischenzeit werde es keine Raketen- oder Atomtests geben. Trump erwähnte zudem, dass die Kontrollen der Atomanlagen unter dem Vorbehalt "finaler Verhandlungen" stünden. Außerdem hob er den Willen der koreanischen Nachbarstaaten hervor, sich gemeinsam um die Austragung der Olympischen Spiele 2032 zu bewerben.

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Es ist der dritte Korea-Gipfel in diesem Jahr und der erste zwischen Moon und Kim in Pjöngjang. Südkoreas Präsident will die stockenden Verhandlungen zwischen Nordkorea und den USA wieder in Gang bringen. Kim hatte wiederholt seine Bereitschaft zur "Denuklearisierung" bekräftigt. Doch war bislang unklar, wie und bis wann atomar abgerüstet wird und wie die Gegenleistung der USA aussehen sollte.

Südkorea und USA betonen Druck durch Sanktionen

Die USA hofften auf "bedeutende und überprüfbare" Schritte in Richtung einer atomaren Abrüstung, hatte die Sprecherin des Außenministeriums in Washington vor Verkündung der Zwischenergebnisse in Pjöngjang gesagt. Der Gipfel sei eine "historische Gelegenheit" für Kim, die bei den Gipfeln mit US-Präsident Donald Trump im Juni in Singapur und mit Moon im April und Mai im Grenzort Panmunjom eingegangenen Zusagen umzusetzen.

Die Außenminister Südkoreas und der USA hatten vor dem Gipfel betont, wie wichtig es sei, den Druck durch die internationalen Sanktionen aufrechtzuerhalten, bis eine "endgültige, komplett nachweisbare Denuklearisierung" erreicht sei. Südkoreas Präsident wird Trump nächste Woche am Rande der UN-Vollversammlung in New York treffen und über die Ergebnisse des Gipfels unterrichten.

Am Mittwochabend wollte Moon im größten Stadion von Pjöngjang "Massenspiele" besuchen. Bei diesem Propagandaspektakel präsentieren Zehntausende Darsteller ein Programm aus Gesang, Tanz, Akrobatik und rhythmischer Gymnastik. Der Gipfel soll am Donnerstag enden, doch hängt das Programm für den dritten Tag von den Ergebnissen ab, wie ein südkoreanischer Sprecher sagte.

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