Referendum über Unabhängigkeit : Neukaledonien bleibt französisches Überseegebiet – Macron "stolz"

Die Abstimmung in Neukaledonien war 1998 vereinbart worden. Foto: Mathurin Derel/AP/dpa
Die Abstimmung in Neukaledonien war 1998 vereinbart worden. Foto: Mathurin Derel/AP/dpa

Auf der Inselgruppe im Pazifik lagen die Gegner einer Unabhängigkeit am Sonntag deutlich vorn.

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04. November 2018, 12:11 Uhr

Nouméa | Frankreich darf sein Überseegebiet Neukaledonien auf der anderen Seite der Erdkugel behalten. Auf der Inselgruppe im Pazifik – 18.000 Kilometer entfernt von Paris – entschied sich am Sonntag eine Mehrheit der Bevölkerung klar gegen die Unabhängigkeit.

In einer Volksabstimmung waren dem vorläufigen Endergebnis zufolge 56,9 Prozent dagegen, wie das öffentlich-rechtliche Fernsehen von Neukaledonien berichtete. Für die Trennung nach mehr als anderthalb Jahrhunderten stimmten demnach 43,1 Prozent.

Frankreichs Präsident Emmanuel Macron sprach in einer Rede an die Nation aus dem Pariser Élyséepalast von einer "historischen Etappe". Er fügte hinzu: "Ich bin als Staatschef stolz darauf, dass sich die Mehrheit der Kaledonier für Frankreich entschieden hat."

Enttäuschung bei den Kanaken

Das Ergebnis bedeutet vor allem für die Bevölkerungsgruppe der Kanaken – Neukaledoniens Ureinwohner – eine große Enttäuschung. Von ihnen hoffen viele seit langem auf einen eigenen Staat. Das Nein fiel allerdings nicht so deutlich aus wie von vielen erwartet.

Zudem bedeutet es nicht, dass die Hoffnung der Separatisten endgültig gestorben ist. Bis 2024 sind nach früheren Abmachungen mit Paris noch zwei weitere Volksabstimmungen möglich. Aktuell sind noch knapp 40 Prozent der Bevölkerung Kanaken. Auf deutsch bedeutet Kanake Mensch.

An dem Referendum durften etwa 175.000 Neukaledonier teilnehmen. Die Beteiligung lag nach vorläufigen Zahlen bei etwa 80 Prozent. Ursprünglich hätte die Abstimmung bereits 1998 stattfinden sollen. Sie wurde aber immer wieder hinausgezögert.

Die Wahlbeteiligung fiel mit rund 80 Prozent relativ hoch aus. Foto: Mathurin Derel/AP/dpa
Die Wahlbeteiligung fiel mit rund 80 Prozent relativ hoch aus. Foto: Mathurin Derel/AP/dpa

An diesem Montag wird Frankreichs Premierminister Édouard Philippe zu einem Besuch in der Hauptstadt Nouméa erwartet. Aus Sorge vor Unruhen verstärkte der Staat die Sicherheitskräfte. In einigen Stadtvierteln Nouméas wurden in der Nacht (Ortszeit) Autos in Brand gesetzt.

Unabhängigkeitsbewegung FLNKS seit fast 40 Jahren aktiv

Das Archipel Nouvelle-Calédonie (wörtlich übersetzt: Neuschottland) wurde 1853 von Paris in Besitz genommen und anfangs als Sträflingsinsel genutzt. Heute sind dort mehr als 280 000 Menschen zuhause - neben Kanaken und Nachfahren der Kolonialsiedler inzwischen auch viele Zuwanderer aus anderen Pazifikstaaten. Aktuell erhalten die Inseln pro Jahr etwa eine Milliarde Euro aus Paris.

Treibende Kraft der Unabhängigkeitsbewegung ist die FLNKS (Front de Libération Nationale Kanak et Socialiste, Kanakische Sozialistische Front der Nationalen Befreiung). In den 1980er-Jahren stand Neukaledonien am Rande eines Bürgerkriegs. Es gab auch mehrere Dutzend Tote. Inzwischen hat sich die Stimmung deutlich beruhigt. Die FLNKS ist längst auch an der Inselregierung beteiligt.

Neukaledonien gehört nicht zum Gebiet der Europäischen Union. Bezahlt wird nicht mit dem Euro, sondern mit dem Pazifik-Franc. Bei Europawahlen dürfen die Neukaledonier aber mitstimmen. Zudem wird aus den Kassen der EU auch die Infrastruktur auf der Inselgruppe mitfinanziert.

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