Kommentar : Neue Grenzwerte für Autos: Übertrieben, unvernünftig

Allein der Unterschied von Stadt und Land verlangt nach verschiedenen Lösungen für motorisierten Individualverkehr - Verbrennungsmotoren eingeschlossen. Foto: Marijan Murat/dpa
Allein der Unterschied von Stadt und Land verlangt nach verschiedenen Lösungen für motorisierten Individualverkehr - Verbrennungsmotoren eingeschlossen. Foto: Marijan Murat/dpa

Wer geglaubt hatte, er sei mit seinem Benziner fein raus, muss umdenken. Überzogene Grenzwerte betreffen nicht mehr nur den Diesel, der mit dem Stickoxid in die Bredouille geriet. Jüngstes Beispiel ist die Einigung von EU-Parlament und Mitgliedstaaten auf neue Kohlendioxidgrenzwerte für PKW. Ein Kommentar.

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18. Dezember 2018, 12:37 Uhr

Osnabrück | Bis zum Jahr 2030 soll der Kohlendioxidausstoß von PKW-Motoren um 37,5 Prozent verringert werden. Bis 2025 gilt ein Reduktionsziel von 15 Prozent. Was so technisch klingt, läuft auf das hinaus, was die Diesel schon erlebt haben: Festgesetzt wurde ein hanebüchen strenger Wert in Kenntnis dessen, dass bereits die gegenwärtigen Grenzwerte mit einem Verbrennungsmotor nur mit Mühen zu erreichen sind.

Benziner betrifft es deshalb besonders, weil der Diesel bei gleicher Fahrzeuggröße über die weit bessere CO₂-Bilanz verfügt. Und glaubt irgendjemand, dass Elektromobilität nicht zu Emissionen führt? Sie verlagert diese nur zu den Kraftwerken.

Wie weit soll die deutsche Deindustrialisierung außerdem noch getrieben werden? Sich zu freuen, dass keine Verschärfungen von 50 Prozent und mehr erlassen worden sind, greift zu kurz. Die Folgen werden gravierend sein.

Gut immerhin, dass die fördernden Elemente der Einigung nicht auf Elektromobilität begrenzt sind. Die Verengung der Wahrnehmung wird hier ein Stück weit aufgebrochen. Synthetische Kraftstoffe und die Brennstoffzelle stehen nicht im Fokus von Politik und Medien, gelten aber aus vielen Gründen zumindest außerhalb des engsten Stadtverkehrs oder geringer Lasten als vielversprechender als akkugetriebene Autos. Beispielsweise kommen sie ohne ein gigantisches flächeneckendes Netz von Ladesäulen aus, das einzurichten sich Unternehmen in Deutschland aus gutem Grund ja scheuen. Das Gewichts- und Materialproblem der Akkus haben sie ebenfalls nicht, allenfalls die Herstellungskosten gelten noch als Herausforderung.

In der Summe wird der Mobilitätsmix der Zukunft sinnvollerweise von Vielfalt dominiert, nicht von Elektroantrieben. Je nach Nutzungssituation sollten etwa in ländlichen Räumen auch Diesel- und Benzinmotoren dringend zum Repertoire gehören. Der Feldzug gegen sie ist übertrieben und unvernünftig.

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