Kommentar : Nach dem Nato-Gipfel: Europa muss handeln

Donald Trump als bockiges Kleinkind: Demonstranten verhöhnen den US-Präsidenten in London. Doch die Lage ist durchaus ernst. Foto: imago/ZUMA Press
Donald Trump als bockiges Kleinkind: Demonstranten verhöhnen den US-Präsidenten in London. Doch die Lage ist durchaus ernst. Foto: imago/ZUMA Press

Die Einigung der Nato-Staaten ist keine - zumindest keine, nach der alles so wäre wie zuvor. Europa muss seine eigenen Interessen definieren und adressieren. Russland, Türkei, Nordafrika, auch die Briten: Ihnen muss ihre Aufmerksamkeit gelten. Ein Kommentar.

svz.de von
13. Juli 2018, 14:33 Uhr

Osnabrück | Nun hat sich die Nato also geeinigt: Die USA haben sich zum Bündnis bekannt, die übrigen Staaten sich zu höheren Zahlungen verpflichtet. Diese braucht kein Mensch, aber sind der Preis dafür, Donald Trump ruhig gestellt zu haben – fürs Erste.

Vertrauen sollte ihm trotzdem keiner. Eine einseitige Ausrichtung auf die USA ist nicht mehr zeitgemäß. Europa muss seine eigenen außenpolitischen Interessen formulieren und adressieren. Ebenso wie die USA ihre Aufmerksamkeit verstärkt dem südlichen Teil ihres Kontinents widmen und den Pazifik als wichtigeren Raum betrachten, muss die EU neue Parameter für den Umgang mit ihrer strategisch relevanten Nachbarschaft entwickeln. Dazu gehören die Russen, denen gegenüber die Konfliktbereitschaft drastisch sinken sollte. Dazu gehört die Türkei als hoch bedeutsamer Raum vor der Haustür. Dazu gehören die Brexit-Briten, denen gegenüber Trotz der falsche Ratgeber ist. Und dazu gehört das vernachlässigte Nordafrika, von dem Christian Wulff gerne sagte, dass das Mittelmeer Europa mit ihm verbindet und nicht trennt.

Derzeit feiert sich die EU dort für ein Kleingeld an Entwicklungshilfe, während die Golfstaaten und die Türkei ihren Einflussbereich mit Milliardeninvestitionen ausbauen und sich ein prosperierendes Marokko zu einem Brückenland in Regionen südlich der Sahara aufschwingt. Wer weiß das in Europa? Wer kümmert sich darum? Stattdessen verharren die einen in ihrer Wut auf Potentaten und halten moralischen Dünkel für eine weiterführende Politik, was andere Führung und Stärke lieber woanders suchen lässt.

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