"Verheerendes Zeichen" : USA stoppen Zahlungen an WHO – Kritik von allen Seiten

Tedros Adhanom Ghebreyesus (links) ist der Generaldirektor der WHO, die zum großen Teil von den USA finanziert wird – bis jetzt.
Tedros Adhanom Ghebreyesus (links) ist der Generaldirektor der WHO, die zum großen Teil von den USA finanziert wird – bis jetzt.

Trump macht die Organisation für die vielen Toten in der Corona-Krise mitverantwortlich.

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15. April 2020, 14:44 Uhr

Washington | Die USA stoppen mitten in der Corona-Krise ihre Beitragszahlungen an die Weltgesundheitsorganisation (WHO). US-Präsident Donald Trump sagte am Dienstag bei einer Pressekonferenz in Washington, er habe seine Regierung angewiesen die Zahlungen einzustellen, während "überprüft" werde, welche Rolle die WHO bei der "schlechten Handhabung und Verschleierung der Ausbreitung des Coronavirus" gespielt habe. Nicht nur UN-Generalsekretär António Guterres verurteilte den Schritt.

Trump warf der WHO vor, "viele falsche Informationen" zu den Übertragungswegen und der Sterblichkeit durch das Coronavirus verbreitet zu haben. "Hätte die WHO ihren Job gemacht und medizinische Experten nach China geschickt, um die Situation vor Ort objektiv zu beurteilen und (hätte sie) den chinesischen Mangel an Transparenz angeprangert, hätte der Ausbruch an seiner Quelle mit sehr wenigen Toten eingedämmt werden können", sagte Trump.

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USA sind größter Beitragszahler

Der US-Präsident machte die WHO indirekt für den Tod tausender Menschen verantwortlich. Hätte die WHO anders gehandelt, hätte zudem ein "weltweiter wirtschaftlicher Schaden verhindert" werden können, sagte der US-Präsident weiter. Die WHO habe stattdessen jedoch die "Aktionen der chinesischen Regierung verteidigt".

Video: Trump: USA stoppen bis auf Weiteres WHO-Beitragszahlungen

Bereits vergangene Woche hatte Trump zu einem Rundumschlag gegen die WHO ausgeholt und mit einem Zahlungsstopp gedroht. Die Organisation werde zwar größtenteils von den USA finanziert, sei aber "China-zentrisch", kritisierte Trump.

Die USA sind der größte Beitragszahler der WHO. Im vergangenen Jahr flossen 400 Millionen Dollar US-Gelder in die internationale Organisation. Die USA würden nun beraten, "was mit all dem Geld, das in die WHO fließt", getan werden könne, sagte Trump.

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WHO-Direktor: Nicht spalten lassen

Der Generaldirektor der Weltgesundheitsorganisation rief angesichts des Streits mit den USA zu Solidarität im Kampf gegen das Coronavirus auf. "Wir bedauern die Entscheidung des Präsidenten der USA, die Beitragszahlungen an die WHO zu stoppen", sagte WHO-Chef Tedros Adhanom Ghebreyesus am Mittwoch bei einer Pressekonferenz in Genf. "Wenn wir uns im Kampf gegen das Coronavirus spalten lassen, wird das Virus diese Risse ausnutzen", sagte Tedros. "Das ist eine Zeit, in der wir alle in unserem gemeinschaftlichen Kampf gegen eine gemeinsame Bedrohung zusammenstehen sollten." Solidarität sei die wichtigste Regel für dieses Spiel, in dem es darum gehe, das Coronavirus zu besiegen.

Tedros erklärte, dass die Organisation nun prüfen müsse, welche Bereiche von den Zahlungsausfällen betroffen seien und wie mögliche Finanzierungslücken geschlossen werden könnten. Wie hoch die jährlichen Zahlungen der USA an die WHO genau sind, sagte er trotz entsprechender Nachfrage nicht.

Deutschland: "Verheerendes Zeichen"

Aus der Union kommt massive Kritik. Der außenpolitische Sprecher der CDU/CSU-Bundestagsfraktion, Jürgen Hardt, sprach am Mittwoch in Berlin von einem "verheerenden Zeichen". Damit würden der internationalen Zusammenarbeit bei der Bekämpfung der Corona-Pandemie unnötige Schranken gesetzt.

Regierungssprecher Steffen Seibert sagte am Mittwoch in Berlin, gerade jetzt sei es wichtig, die WHO zu unterstützen und zu finanzieren. Dies sei die Haltung von Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) und der gesamten Bundesregierung. Die WHO tue "eine unglaublich wichtige Arbeit", sagte Seibert.

Eine Sprecherin von Außenminister Heiko Maas (SPD) ergänzte, die Weltgesundheitsorganisation müsse gestärkt und nicht geschwächt werden. Sie verwies darauf, dass Deutschland der WHO eine Extra-Zahlung von fünf Millionen Euro zur Bekämpfung der Corona-Pandemie überwiesen habe. Deutschland schätze die Arbeit der WHO auch in der jetzigen Krise sehr, sagte Maas' Sprecherin.

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EU: "Zutiefst bedauerlich"

Die Entscheidung sei "zutiefst" bedauerlich, erklärte der EU-Außenbeauftragte Josep Borrell am Mittwoch im Onlinedienst Twitter. "Es gibt keinen Grund, der diesen Schritt zu einem Zeitpunkt rechtfertigt, an dem die Anstrengungen (der WHO) mehr denn je erforderlich sind."

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Frankreich: "Eine Lage, die wir bedauern"

Frankreich reagiert enttäuscht auf die Entscheidung. "Das ist natürlich eine Lage, die wir bedauern", sagte Regierungssprecherin Sibeth Ndiaye am Mittwoch in Paris nach einer Kabinettssitzung.

Die Sprecherin erinnerte daran, dass Frankreich und insbesondere Staatschef Emmanuel Macron dem Multilateralismus verpflichtet seien, also dem Lösen von Problemen im Rahmen von internationalen Organisationen und Regeln. Frankreich hoffe, dass bald wieder eine normale Lage einkehre, sagte Ndiaye mit Blick auf die WHO.

China: "Verantwortung erfüllen"

Die chinesische Regierung zeigte sich "ernsthaft besorgt" über die Einstellung der US-Zahlungen. Die weltweite Lage in der Corona-Krise sei "düster", die Welt befinde sich an einem "entscheidenden" Punkt, sagte Außenministeriumssprecher Zhao Lijian am Mittwoch in Peking. In dieser Situation schwäche die Entscheidung der US-Regierung die WHO und untergrabe die internationale Zusammenarbeit im Kampf gegen die Pandemie.

China fordere die USA auf, "ihre Verantwortung und Verpflichtungen ernsthaft zu erfüllen" und den von der WHO angeführten internationalen Einsatz im Kampf gegen das Virus zu unterstützen, sagte Zhao. Die Weltgesundheitsorganisation sei dabei "unersetzlich".

Russland: "Äußerst egoistisch"

Russland kritisierte den von Trump verfügten Stopp der Zahlungen als egoistisch. "Das ist der Ausdruck eines äußerst egoistischen Herangehens der amerikanischen Regierung gegenüber dem, was in der Welt im Zusammenhang mit der Pandemie geschieht", sagte Vize-Außenminister Sergej Rjabkow am Mittwoch der Staatsagentur Tass zufolge. Er rief dazu auf, «weitere Angriffe» auf die WHO zu unterlassen. Trump hatte die Beitragszahlungen am Dienstagabend gekappt. Er macht die Organisation für die vielen Toten durch das neuartige Coronavirus mitverantwortlich. Durch das Missmanagement der WHO und deren Vertrauen auf Angaben aus China habe sich die Epidemie dramatisch verschlimmert und rund um die Welt verbreitet. Seine Regierung werde prüfen, welche Rolle die WHO gespielt habe. Solange lägen die Zahlungen auf Eis

UNO: "Das ist nicht die Zeit"

Auch UN-Generalsekretär António Guterres kritisierte das Einfrieren der US-Beiträge scharf. Die verheerende Corona-Pandemie sei nicht die Zeit, Zahlungen an die WHO zurückzuhalten, erklärte Guterres laut einer am Mittwoch in Genf verbreiteten Erklärung.

Gates: "So gefährlich wie es sich anhört"

Auch Multimilliardär Bill Gates verurteilte den Schritt auf Twitter. Seiner Ansicht nach brauche die Welt die WHO nun mehr denn je. "Zahlungen für die WHO während einer weltweiten Gesundheitskrise zurückzuhalten, ist so gefährlich, wie es sich anhört."

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Weiterlesen: Trump beansprucht in Corona-Krise "allumfassende Macht"

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