Altersschwacher Präsident : Nach Massenprotesten in Algerien: Bouteflika zieht Kandidatur zurück

Die Ankündigung der Kandidatur für eine fünfte Amtszeit trieb in Algerien massenweise Menschen auf die Straßen – mit Erfolg wie sich jetzt zeigt.
Die Ankündigung der Kandidatur für eine fünfte Amtszeit trieb in Algerien massenweise Menschen auf die Straßen – mit Erfolg wie sich jetzt zeigt.

Ein Generalstreik legte Algerien lahm. Dann drohten sogar die Richter mit Wahlboykott. Nun lenkt der Präsident ein.

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11. März 2019, 18:15 Uhr

Algier | Angesichts massiver Proteste in Algerien hat Präsident Abdelaziz Bouteflika überraschend angekündigt, die anstehende Präsidentschaftswahl zu verschieben. Er werde sich zudem nicht mehr für eine fünfte Amtszeit bewerben, sagte er in einer über die staatliche Nachrichtenagentur APS verbreiteten Botschaft an die Nation. Die Wahl war für den 18. April vorgesehen.

"Ich habe die Entwicklungen verfolgt (...) und ich verstehe die Motivationen der zahlreichen Mitbürger, die diese Art des Ausdrucks nutzen", sagte Bouteflika. Hunderttausende Menschen hatten in den vergangenen Wochen in Algerien protestiert.

Abdelaziz Bouteflika, Präsident von Algerien, 2014 nachdem er zum vierten Mal wiedergewählt wurde. Foto: dpa/EPA/Mohamed Messara
Abdelaziz Bouteflika, Präsident von Algerien, 2014 nachdem er zum vierten Mal wiedergewählt wurde. Foto: dpa/EPA/Mohamed Messara

Er werde sich daher nicht um eine fünfte Amtszeit bewerben. Eine neue Republik mit einem neuen System müsse entstehen. "Diese neue Republik und dieses neue System werden in den Händen neuer Generationen von Algerierinnen und Algeriern sein", sagte der 82-jährige Bouteflika.

Premierminister tritt zurück

Daraufhin reichte Algeriens Premierminister Ahmed Ouyahia seinen Rücktritt ein. Sein Amt übernehme der bisherige Innenminister Noureddine Bedoui, berichtete die staatliche Nachrichtenagentur APS am Montagabend.

Auch in Paris protestierten Demonstranten. Auf dem Plakat steht: 'Nein, du kannst nicht' in Anspielung auf den Wahlslogan 'Ja, wir können das' des ehemaligen US-Präsidenten Obama. Foto: dpa/AP/Francois Mori
Auch in Paris protestierten Demonstranten. Auf dem Plakat steht: "Nein, du kannst nicht" in Anspielung auf den Wahlslogan "Ja, wir können das" des ehemaligen US-Präsidenten Obama. Foto: dpa/AP/Francois Mori

In den vergangenen drei Wochen hatte es heftige Proteste gegen Bouteflika gegeben, nachdem er angekündigt hatte, für eine fünfte Amtszeit kandidieren zu wollen. Bouteflika war erst am Sonntag von einem längeren Krankenhausaufenthalt in der Schweiz nach Algerien zurückgekehrt. Der 82-Jährige ist gesundheitlich angeschlagen und sitzt seit einem Schlaganfall im Jahr 2013 im Rollstuhl. Er trat zuletzt kaum noch in der Öffentlichkeit auf.

Auch am Montag waren im ganzen Land die Proteste gegen eine fünfte Amtszeit fortgesetzt worden.

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