30 Angeklagte : Nach Misshandlungen von Flüchtlingen in Burbach: Prozess startet

Im Skandal um misshandelte Flüchtlinge in einem Heim im siegerländischen Burbach beginnt am Donnerstag ein Mammutprozess gegen 30 Angeklagte.
Im Skandal um misshandelte Flüchtlinge in einem Heim im siegerländischen Burbach beginnt am Donnerstag ein Mammutprozess gegen 30 Angeklagte.

Wachleute und Personal aus der Heimleitung in Burbach sollen Schutzsuchende gequält und misshandelt haben.

svz.de von
08. November 2018, 10:20 Uhr

Siegen | Im Skandal um misshandelte Flüchtlinge in einem Heim im siegerländischen Burbach beginnt am Donnerstag (10 Uhr) ein Mammutprozess gegen 30 Angeklagte. Vor rund vier Jahren hatte Fotos und ein Video von den Übergriffen bundesweit schockiert. Das Landgericht Siegen verhandelt wegen des erwarteten großen Andrangs im Tagungszentrum Siegerlandhalle.

Flüchtlinge eingesperrt und misshandelt

Die Beschuldigten sollen in der Notaufnahme-Einrichtung des Landes NRW in rund 50 Fällen zwischen Ende 2013 und September 2014 Flüchtlinge oft tagelang in "Problemzimmern" eingesperrt und misshandelt haben. Bei den Vorwürfen geht es unter anderem um fahrlässige und gefährliche Körperverletzung, Nötigung oder Diebstahl. Die meisten Straftaten sollen Mitarbeiter der privaten Heim- und Teamleitung begangen haben, außerdem sind zahlreiche Wachleute angeklagt.

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Wegen Freiheitsberaubung durch Unterlassen müssen zudem zwei Mitarbeiter der Bezirksregierung Arnsberg auf der Anklagebank Platz nehmen, da sie von dem "Problemzimmern" gewusst haben sollen. Heimbetreiber war damals nach Angaben des Gerichts ein Essener Unternehmen, das eine Nürnberger Firma mit Wachdienstaufgaben betreute, die wiederum zeitweise zwei Subunternehmen beschäftigte.

Auch Heimleiter angeklagt

Bei zwei Angeklagten wurde das Verfahren aus gesundheitlichen Gründen kurzfristig abgetrennt. Damit sind im Zusammenhang mit dem Burbach-Fall formal vier Verfahren gegen insgesamt acht weitere Angeklagte abgetrennt, darunter auch eines gegen den früheren Heimleiter, wie ein Gerichtssprecher schilderte. Dieser Prozess werde voraussichtlich im kommenden Januar beginnen.

Der Skandal hatte auch eine politische Diskussion um Qualität und Standards in der Flüchtlingsunterbringung ausgelöst und die damalige rot-grüne NRW-Regierung von Hannelore Kraft (SPD) stark unter Druck gesetzt. Der private Heimbetreiber war sofort abgelöst worden, Teams zur Kontrolle in den Unterkünften wurden eingesetzt.

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