Migranten auf Lesbos : Esken und Söder: Deutschland kann mehr Flüchtlinge aus Moria aufnehmen

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SPD-Chefin Saskia Esken setzt sich für die Aufnahme von Flüchtlingen aus Moria ein.
SPD-Chefin Saskia Esken setzt sich für die Aufnahme von Flüchtlingen aus Moria ein.

Die Vorsitzende der Sozialdemokraten hofft auf ein Angebot der Unionsparteien. Unterstützung gibt es von CSU-Chef Söder.

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13. September 2020, 21:20 Uhr

Berlin | Die SPD macht Druck auf die Bundesregierung und fordert, nach der Zerstörung des griechischen Migrantenlagers Moria mehrere tausend Menschen von dort nach Deutschland zu holen. Es müsse "ein hoher vierstelliger Betrag" sein, sagte die Vorsitzende Saskia Esken am Sonntagabend in der ZDF-Sendung "Berlin direkt". Näher wollte sie dies nicht beziffern. Nach landläufigem Verständnis wäre eine hohe vierstellige Zahl eine deutlich oberhalb von 5000.

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SPD-Chefin Esken fordert: Union muss Blockadehaltung aufgeben

Unter Hinweis auf die an diesem Montag tagenden Parteigremien von CDU, CSU und SPD fügte Esken hinzu: "Es muss morgen entschieden werden." Sie hoffe auf ein Angebot der Unionsparteien, dass einen Koalitionsausschuss unnötig mache. Angesprochen auf das Abstimmungsverhalten im Bundestag, wo die SPD bisher mehrheitlich gemeinsam mit dem Koalitionspartner Oppositionsforderungen zur weitergehenden Flüchtlingsaufnahme abgelehnt hat, sagte die Parteichefin: "Wenn jetzt die CDU/CSU ihre Blockade nicht aufgibt, dann müssen wir über andere Schritte nachdenken."

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Louisa Gouliamaki/AFP

Markus Söder stimmt Esken zu

Bayerns Ministerpräsident und CSU-Chef Markus Söder hat sich bereits dafür ausgesprochen, deutlich mehr Geflüchtete aus dem abgebrannten Lager Moria auf der griechischen Insel Lesbos aufzunehmen als bislang von der Bundesregierung geplant. "Es ist auch aus meiner Sicht eine persönliche Christenpflicht, in einer solchen Not zu helfen", sagte Söder am Sonntagabend im "Bild"-Talk zu Forderungen von Verbänden, Kirchen, SPD, Grünen und Linken.

"Ich glaube einfach, dass es für Deutschland ohne Probleme machbar ist, da noch einen deutlichen höheren Anteil an Menschen, an jungen Kindern, an Familienangehörigen entsprechend aufzunehmen", sagte Söder dazu weiter. "Da muss Deutschland einen substanziellen Beitrag bringen." Die Regierung solle daher ihr Aufnahmeangebot deutlich aufstocken. Darüber solle jetzt in der Koalition gesprochen werden. Eine genaue Zahl nannte Söder nicht.

Deutschland nimmt bis zu 150 unbegleitete Minderjährige aus Moria auf

Zugleich solle die Bundesregierung weiter auf eine europäische Lösung dringen, verlangte Esken. "Da werden die Staaten, die nicht bereit sind, Flüchtlinge aufzunehmen, sich anderweitig beteiligen müssen."

Deutschland hat sich auf Bitten Griechenlands bisher bereiterklärt, 100 bis 150 unbegleitete Minderjährige aus Moria aufzunehmen, ebenso wie Frankreich. Zusammen mit acht weiteren europäischen Staaten sollen insgesamt 400 unbegleitete Kinder und Jugendliche aufgenommen werden. Innenminister Horst Seehofer (CSU) hat bereits deutlich gemacht, dass er sich in einem weiteren Schritt eine Lösung für Familien mit Kindern wünscht.

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