Harte Kritik der Klimaaktivistin : Merkel und Macron widersprechen Thunberg: Wir blockieren nicht

Angela Merkel und Emmanuel Macron wollen die Kritik der Schwedin nicht unbeantwortet stehen lassen.
Angela Merkel und Emmanuel Macron wollen die Kritik der Schwedin nicht unbeantwortet stehen lassen.

Die Bundeskanzlerin hält der Aktivistin vor, wichtige Entwicklungen nicht ausreichend gewürdigt zu haben.

von
25. September 2019, 07:04 Uhr

New York | Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) hat der harten Kritik der jungen Klimaschutzaktivistin Greta Thunberg an den politischen Verantwortungsträgern teilweise widersprochen. In ihrer Rede beim UN-Klimagipfel am Montag habe die 16-Jährige ihrer Ansicht nach "nicht ausreichend zum Ausdruck gebracht", welche Chancen moderne Technologie sowie Innovationen für den Klimaschutz eröffneten, sagte Merkel am Dienstag in New York im Gespräch mit Journalisten.

Die Rolle von Technologie und Innovation vor allem im Energiesektor und beim Energiesparen sei ein Punkt, in dem sie Thunberg widerspreche, sagte die Kanzlerin. Das am Freitag beschlossene Klimaschutzpaket der Bundesregierung setze auf diese Möglichkeiten. Merkel hatte sich am Montag am Rande des Gipfels mit Thunberg zu einem Gespräch getroffen. Zu dessen Inhalt wollte die Kanzlerin aber nichts sagen.


In ihrer Rede beim Klimagipfel hatte Thunberg den versammelten Staats- und Regierungschefs wütend "Verrat" an ihrer Generation vorgeworfen. "Sie lassen uns im Stich", rief sie aus. Thunberg warf der internationalen Politik vor, die drohende Klimakatastrophe nach wie vor zu verharmlosen und an die "Märchen von ewigem Wachstum" zu glauben. Die Schwedin hatte mit 15 anderen Jugendlichen daher Beschwerde bei den UN gegen Frankreich, Deutschland, die Türkei, Argentinien und Brasilien eingereicht.

Weiterlesen: Greta Thunberg hält Wutrede unter Tränen

Macron: Lieber auf die Blockierer konzentrieren

Auch Frankreichs Präsident Emmanuel Macron kritisierte Thunberg für ihre Beschwerde. Die jungen Aktivisten sollten seiner Ansicht nach Druck auf diejenigen ausüben, die versuchten, Dinge zu blockieren, sagte Emmanuel Macron dem französischen Radiosender "Europe1". Er habe nicht das Gefühl, dass das die französische oder die deutsche Regierung sei, sagte Macron. An Thunberg richtete er die Mahnung: "Ihre sehr radikalen Positionen können unsere Gesellschaften spalten."

Auf die Frage, ob sie sich von der Kritik Thunbergs direkt angesprochen gefühlt habe, entgegnete Merkel dagegen: "Jeder aufmerksame Mensch hört zu und fühlt sich damit auch angesprochen." Zu ihrer eigenen Rede bei dem Gipfel sagte die Kanzlerin, sie habe darin "mit Überzeugung" dargelegt, wie ihre Regierung ihrer internationalen und nationalen Verantwortung für den Klimaschutz gerecht werden wolle.

Umweltministerin Schulze offen für Veränderungen beim Klimapaket

Merkel hatte in der Rede das am Freitag beschlossene Klimaschutzpaket ihrer Regierung als Beginn eines "tiefgreifenden Wandels" in Deutschland beschrieben. Die deutsche Sektion der von Thunberg gegründeten Bewegung Fridays von Future bezeichnete das Maßnahmenpaket allerdings als "desaströs", da es nicht für "echten Klimaschutz" sorge. Bundesumweltministerin Svenja Schulze (SPD) hat sich offen für nachträgliche Veränderungen des Klimapakets im Bundesrat gezeigt. Wenn dort mögliche Verbesserungen vorgeschlagen würden, wolle sie sich das "unvoreingenommen" anhören, sagte Schulze den Zeitungen der Funke Mediengruppe (Mittwochsausgaben). Sie selbst habe sich beim Klimapaket noch mehr vorstellen können.

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen