Hohes Rückfallrisiko : "Mache mir Sorgen": Merkel kritisiert Diskussionen über weitere Lockerungen

Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) befürchtet, dass aufgrund der Diskussionen über weitere Lockerungen die Disziplin der Deutschen nachlässt.
Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) befürchtet, dass aufgrund der Diskussionen über weitere Lockerungen die Disziplin der Deutschen nachlässt.

Nachdem erste Corona-Maßnahmen wieder gelockert werden, gibt es lautstarke Forderungen nach weiteren.

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20. April 2020, 10:55 Uhr

Berlin | Nach einer Sitzung des Corona-Krisenkabinetts am Montag hat Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) Kanzlerin die Bürger vor Leichtsinn gewarnt und weiter zu größter Vorsicht aufgerufen. "Wir dürfen uns keine Sekunde in Sicherheit wiegen, (...) sondern wir müssen wachsam und diszipliniert bleiben", sagte die Kanzlerin in Berlin.

Es wäre jammerschade, wenn wir sehenden Auges in einen Rückfall gehen. Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU)

Merkel warnte davor, dass andernfalls die Infektionszahlen wieder stark steigen könnten. Mit harten Maßnahmen sei viel erreicht worden, und die Reproduktionszahl der Infektionsketten sei unter 1 gedrückt worden. An etlichen Tagen gebe es also mehr Genesene als neu Infizierte. Merkel betonte, "dass wir am Anfang stehen und noch lange nicht über den Berg sind".

Appel an Länderchefs: Corona-Maßnahmen nicht zu früh lockern

An die Regierungschefs der Länder appellierte sie, die Schutzmaßnahmen zur Eindämmung der Corona-Pandemie nicht zu früh und zu weitgehend zu lockern. Sie wolle, dass der gemeinsam beschlossene Spielraum "möglichst eng ausgenutzt wird, nicht möglichst weit". Die Kanzlerin warnte: "Es kann auch ein Fehler sein, dass man zu schnell voranschreitet." Die Kanzlerin versicherte, sie wisse um die Not vieler Bürger, einsamer Menschen, Alleinerziehender, Hoteliers, Ladenbesitzer und Künstler. Sie kenne die Erwartungen der Kirchen und Religionsgemeinschaften und sehe das dringende Bedürfnis, das Versammlungs- und Demonstrationsrecht wieder wahrnehmen zu können. "Diese Pandemie verlangt uns allen in diesem Lande, jedem Einzelnen, aber auch der Gemeinschaft, ziemlich viel ab."

Merkel kündigte an, dass 105 mobile Teams aufgestellt und geschult würden, die vor Ort bei der Identifizierung von Kontaktpersonen helfen sollten. Die Finanzierung übernehme das Bundesgesundheitsministerium. Ab dem 22. April werde es eine Meldepflicht für Gesundheitsämter geben, die den Bundesländern mitteilen müssten, wenn sie diese Aufgabe nicht erfüllen könnten. Nötig sei "eine präzise Nachverfolgung aller Infektionsketten", betonte Merkel. "Das wird nur gelingen, wenn wir den öffentlichen Gesundheitsdienst stärken."

Merkel kritisiert "Öffnungsdiskussions-Orgien"

Zuvor hatte sich Merkel besorgt über die lauter werdenden Forderungen nach Lockerungen der Corona-Schutzmaßnahmen geäußert. In einer Schaltkonferenz des CDU-Präsidiums habe die Kanzlerin am Montagmorgen vor "Öffnungsdiskussions-Orgien" gewarnt, erfuhr die Nachrichtenagentur AFP aus Teilnehmerkreisen. Zudem mache sie sich Sorgen über eine nachlassende Disziplin bei der Einhaltung der Corona-Schutzvorkehrungen.

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Menschen müssen sich an Schutzvorkehrungen halten

Nach wie vor sei es unabdingbar, dass sich die Bürger an die Abstandsregeln und andere Schutzvorkehrungen hielten, sagte Merkel nach AFP-Informationen. Sie sei in dieser Hinsicht allerdings derzeit "skeptisch" und mache sich "große Sorgen", wurde die Kanzlerin zitiert.

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Abwarten bis mindestens 30. April

Sie habe den Eindruck, dass jetzt nur noch über Lockerungen gesprochen würde, wurde Merkel zitiert. Sinngemäß habe sie gesagt: Nun komme es erst einmal darauf an, wie sich die Lage bis zum 30. April entwickle, wenn die derzeitigen Schutzbestimmungen auslaufen. Noch wichtiger sei dann das Datum 8. oder 9. Mai – erst bis dahin werde sich zeigen, wie es der Wirtschaft gehe und wie es mit dem Unterricht in den Schulen weitergehe.

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