Kanzlerin in KZ-Gedenkstätte : Merkel in Auschwitz: "Ich empfinde eine tiefe Scham"

Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) besucht das ehemalige deutsche Konzentrationslager Auschwitz.
Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) besucht das ehemalige deutsche Konzentrationslager Auschwitz.

Vor Angela Merkel (CDU) hatten schon die Kanzler Helmut Schmidt (SPD) und Helmut Kohl (CDU) die Gedenkstätte besucht.

von
06. Dezember 2019, 11:44 Uhr

Oswiecim | Kanzlerin Angela Merkel (CDU) ist am Freitag im ehemaligen deutschen Konzentrationslager Auschwitz vom polnischen Ministerpräsidenten Mateusz Morawiecki empfangen worden. Morawiecki wurde vom Direktor der Gedenkstätte und Präsidenten der Stiftung Auschwitz-Birkenau, Piotr Cywinski, begleitet. Merkel wollte im Stammlager Auschwitz unter anderem eine Gaskammer und ein Krematorium besichtigen. An der "Schwarzen Wand" des Lagers war eine Gedenkminute geplant. Dort waren Tausende Häftlinge erschossen worden.

Betonen, dass Deutsche die Täter waren

Kanzlerin Merkel hat sich tief betroffen angesichts der von den Nationalsozialisten im deutschen Konzentrationslager Auschwitz begangenen Gräuel geäußert. Sie "empfinde tiefe Scham", sagte Merkel am Freitag bei ihrem ersten Besuch im ehemaligen deutschen Konzentrationslager Auschwitz in Anwesenheit des polnischen Ministerpräsidenten Mateusz Morawiecki.

Angesichts der Verbrechen, die die Grenzen alles Fassbaren überschritten, müsse man vor Entsetzen eigentlich verstummen, sagte Merkel. Dennoch dürfe das Schweigen nicht die einzige Antwort sein. Deutschland sei verpflichtet, die Erinnerung an die damaligen Verbrechen wach zu halten.

Die Kanzlerin betonte, es sei wichtig, deutlich zu benennen, dass damals Deutsche die Täter gewesen seien. Dies sei man auch den Opfern schuldig. Die Verantwortung für die damaligen Taten gehörten untrennbar zu Deutschland, sie seien fester Teil der nationalen Identität.

Millionen fließen in die Erhaltung der Gedenkstätte

Anlass für Merkels Besuch ist das zehnjährige Bestehen der Stiftung Auschwitz-Birkenau, die sich für den Erhalt der Gedenkstätte auf dem Gelände des ehemaligen Lagers einsetzt. Angesichts der historischen deutschen Verantwortung stellen Bund und Länder für die Erhaltung der Gedenkstätte zusätzlich insgesamt 60 Millionen Euro zum Kapitalstock der Stiftung zur Verfügung.

Merkel wurde unter anderem vom Präsidenten des Zentralrats der Juden in Deutschland, Josef Schuster, und dem Vorsitzenden des Zentralrats Deutscher Sinti und Roma, Romani Rose, begleitet. Das nationalsozialistische Konzentrations- und Vernichtungslager Auschwitz-Birkenau im von Deutschland besetzten Polen gilt weltweit als Symbol für den Holocaust. Nach Schätzungen starben dort mehr als eine Million Menschen, zumeist Juden.

"Ganz wichtiges Zeichen"

Der Zentralrat der Juden in Deutschland betrachtet den Besuch als wichtiges Signal. Er bewerte die Reise "ausgesprochen positiv", sagte Zentralratspräsident Josef Schuster der Nachrichtenagentur AFP. Die Kanzlerin setze knapp zwei Monate nach dem Anschlag von Halle und in einer Zeit, in der "ein Rechtsruck in der Gesellschaft" zu beobachten sei, ein "ganz wichtiges Zeichen".

Merkel unterstreiche damit ihre "sehr klare Haltung" zu den Verbrechen der Nazis, die sie zu jedem Zeitpunkt ihrer Kanzlerschaft zum Ausdruck gebracht habe. Für ihn sei es daher auch kein Anlass zu Kritik, dass die 65-Jährige erst 14 Jahre nach ihrem Amtsantritt nach Auschwitz reise, betonte Schuster.

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen