Personenschutz vom Sender : "Meine Oma ist 'ne alte Umweltsau" – Morddrohungen gegen WDR-Mitarbeiter

WDR-Intendant Tom Buhrow am Montag: 'Man muss doch sagen können: 'Autsch, ist missglückt'.'
WDR-Intendant Tom Buhrow am Montag: "Man muss doch sagen können: 'Autsch, ist missglückt'."

Die Diskussion um eine Satire hat reale Folgen. Intendant Tom Buhrow will gegen Gewaltandrohungen vorgehen.

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30. Dezember 2019, 15:48 Uhr

Dortmund | Intendant Tom Buhrow hat sich "erschüttert" über Morddrohungen gegen WDR-Mitarbeiter wegen des viel kritisierten "Umweltsau"-Lieds geäußert. "Wir werden das nicht dulden, ich gehe mit allen juristischen Mitteln dagegen vor", sagte der Chef des größten ARD-Senders am Montag im "Mittagsmagazin" auf WDR 2. Die Drohungen offenbarten ein erschreckendes Maß an Verrohung. "In unserem Land ist etwas richtig krank, und wir haben alle dazu beizutragen, dass sich das ändert", sagte Buhrow. "Wir in den Medien müssen etwas demütiger sein (...) und auch mal Kritik ertragen können." Gewaltandrohungen lasse man sich aber nicht gefallen.

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Der WDR teilte zusätzlich mit, dass er bedrohten Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern Personenschutz anbiete. Dies gelte sowohl für Festangestellte als auch für freie Mitarbeiter.

Zuvor hatte im Zuge der Diskussion um das Lied diese Äußerung eines WDR-Journalisten für Aufsehen gesorgt:


Dafür entschuldigte er sich später – seine Absicht sei gewesen, eine sarkastische Bemerkung zum Thema zu machen. "Das war unüberlegt", twitterte er. Auch er bekam Drohungen, teilte sein Sender mit.


In dem Lied des WDR-Kinderchors hatte es geheißen: "Meine Oma ist 'ne alte Umweltsau." Ein immenser Shitstorm im Netz war die Folge. Der Deutsche Journalisten-Verband (DJV) forderte die Verantwortlichen beim WDR am Montag auf, sich aktiv um den Schutz eines freien Journalisten zu bemühen, der im Zusammenhang mit seinen Tweets zur "Umweltsau"-Satire derzeit Morddrohungen erhalte.

Buhrow distanziert sich erneut von dem Lied

Bundestagsvizepräsident Wolfgang Kubicki (FDP) sagte der "Bild"-Zeitung, nicht alles, was schlecht sei, könne durch "die Behauptung einer Satire gerechtfertigt werden". Buhrow distanzierte sich am Montag erneut von dem Lied. Satire sei dazu da, die Mächtigen aufs Korn zu nehmen - aber nicht pauschal eine ganze Generation. "Ich fordere jetzt nicht, dass Köpfe rollen, aber man muss doch sagen können: 'Autsch, ist missglückt'." Zusätzlich gehe es hier auch noch um die treueste Hörergruppe.

"Meine Oma ist 'ne alte Umweltsau" im Video – darum geht es:


Der WDR wolle zur "Versöhnung in der Gesellschaft" beitragen, sagte Buhrow. "Wir gehen dieses Jahr auf die Menschen zu und sagen: 'Für die nächsten vier Jahre brauchen wir 'ne ordentliche Finanzierung.' Und ich will auch auf die ältere Generation zugehen und sagen: 'Vertrauen Sie uns, wir sind für Sie da.'" Die Gesellschaft als Ganzes müsse sich im neuen Jahr darum bemühen, die zunehmende Verrohung zu stoppen und ein neues Klima zu schaffen.

Der vollständige Liedtext

"Meine Oma ist ne alte Umweltsau"

Meine Oma fährt im Hühnerstall Motorrad, Motorrad, Motorrad. Das sind 1000 Liter Super jeden Monat. Meine Oma ist ne alte Umweltsau!
Meine Oma sagt Motorradfahren ist voll cool, echt voll cool, echt voll cool. Sie benutzt das Ding im Altersheim als Rollstuhl, meine Oma ist ne alte Umweltsau.
Meine Oma fährt im SUV beim Arzt vor, beim Arzt vor, beim Arzt vor. Sie überfährt dabei zwei Opis mit Rollator, meine Oma ist ne alte Umweltsau.
Meine Oma brät sich jeden Tag ein Kotelett, ein Kotelett, ein Kotelett. Weil Discounterfleisch so gut wie gar nichts kostet, meine Oma ist ne alte Umweltsau.
Meine Oma fliegt nicht mehr, sie ist geläutert, geläutert, geläutert. Stattdessen macht sie jetzt zehnmal im Jahr ne Kreuzfahrt, meine Oma ist doch keine Umweltsau.


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