Regierungschef von 1990 bis 1992 : Mecklenburg-Vorpommerns erster Ministerpräsident Alfred Gomolka ist tot

Alfred Gomolka, ehemaliger Ministerpräsident von Mecklenburg-Vorpommern, ist tot. Foto: imago images/BildFunkMV
Alfred Gomolka, ehemaliger Ministerpräsident von Mecklenburg-Vorpommern, ist tot. Foto: imago images/BildFunkMV

Der erste Ministerpräsident des Landes Mecklenburg-Vorpommern, Alfred Gomolka, ist tot.

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25. März 2020, 10:23 Uhr

Schwerin | Die Wiedergeburt Mecklenburg-Vorpommerns ist eng mit dem Namen Alfred Gomolka verbunden. Der Greifswalder CDU-Politiker war erster Ministerpräsident des 1990 wieder hergestellten Bundeslandes an der Ostsee und bestimmte so in den turbulenten Anfangsjahren dessen Entwicklung maßgeblich mit. Nun ist der promovierte Geograf, der schon zu DDR-Zeiten im Greifswalder Stadtrat kommunalpolitische Erfahrungen sammelte und nach Außen stets Gelassenheit demonstrierte, im Alter von 77 Jahre gestorben.

"Herausragender Politiker"

In einer ersten Reaktion würdigte die Landes-CDU Gomolka als einen "herausragenden Politiker", der seine Spuren besonders in der Zeit des politischen Umbruchs hinterlassen habe. Mit Kompetenz, großem Engagement und Weitblick habe er "die Weichen für eine erfolgreiche Zukunft in Mecklenburg-Vorpommern" gestellt, heißt es in einer Mitteilung des CDU-Landesverbandes.

Auch Politiker anderer Parteien zollten Gomolka für sein Wirken Respekt und Anerkennung. "Wir feiern in diesem Jahr den 30. Geburtstag unseres schönen Bundeslandes. Der CDU-Politiker Alfred Gomolka gehörte zu den Frauen und Männern der ersten Stunde, die den Aufbau eines demokratischen Mecklenburg-Vorpommerns maßgeblich und mit großer Leidenschaft auf den Weg gebracht haben", erklärte Ministerpräsidentin Manuela Schwesig (SPD).

Die Ministerpräsidentin würdigte die Arbeit des verstorbenen Ministerpräsidenten Alfred Gomolka (CDU). "Alfred Gomolka gehörte zu den Frauen und Männern der ersten Stunde, die den Aufbau eines demokratischen Mecklenburg-Vorpommerns maßgeblich und mit großer Leidenschaft auf den Weg gebracht haben", sagte Schwesig in einer am Mittwoch in Schwerin veröffentlichten Mitteilung.

Gomolka habe sich den Herausforderungen wie etwa der Werftenkrise mutig gestellt und den Aufbau des Landes nach der Deutschen Einheit entscheidend mitgeprägt. Das Zusammenwachsen Europas sei ihm eine Herzensangelegenheit gewesen. "Für sein Engagement für unser Land und Europa gebühren ihm großer Dank und höchste Anerkennung", sagte Schwesig weiter. Sie spreche den Angehörigen ihr Beileid aus. "Wir verabschieden uns in stiller Trauer von Alfred Gomolka und werden sein Andenken stets in Ehren halten."

Fraktion entzog ihm 1992 das Vertrauen

So harmonisch die Beziehung zwischen Person und Partei nun im Nachruf der CDU auch erscheinen mag, so gleicht sie doch eher einer Berg- und Talfahrt. Gomolka war schon in jungen Jahren in die DDR-CDU eingetreten, ihr aber wegen deren Nähe zur SED nicht durchgängig treu geblieben. Im September 1990 wurde er mit 48 Jahren überraschend Spitzenkandidat der Nordost-CDU bei der ersten Landtagswahl und dann nach dem Wahlsieg der Union erster Regierungschef in Mecklenburg-Vorpommern an der Spitze einer CDU/FDP-Koalition.

Allerdings blieb Gomolka nicht lange im Amt. Die eigene Fraktion entzog ihm unter anderem in Folge der ersten Werftenkrise schon Anfang 1992 das Vertrauen. Am 16. März warf Gomolka das Handtuch und wechselte vom Stuhl des Ministerpräsidenten für den Rest der Legislaturperiode auf dem Platz des einfache Abgeordneten.

Entzündet hatte sich der parteiinterne Konflikt am Kurswechsel der Treuhandanstalt zu den Werften. Statt, wie geplant, das marode frühere DDR-Schiffbaukombinat bis 1994 zu sanieren und dann zu privatisieren, wurde auf Druck aus der Bundespolitik ein rascher Verkauf betrieben.

Machtkampf mit Krause

Gomolka plädierte dabei für den Weg einer eher kleinteiligen, mittelständischer Privatisierung. Damit traf er aber auf den entschiedenen Widerstand anderer CDU-Kräfte um den damaligen Landesparteichef und Bundesverkehrsminister Günther Krause, die eine große Lösung favorisierten, um auch gegen internationale Konkurrenz bestehen zu können. Den Machtkampf mit Krause verlor Gomolka. Die von ihm eingeforderte kritische Aussprache zur Situation innerhalb der Partei fand nach seinen Worten damals eben so wenig statt wie die Zusammenlegung von Parteiführung und Ministerpräsidentenamt.

So ging der Großteil der Ost-Werften an den Bremer Vulkan-Verbund. Da war Gomolka aber schon durch den neuen Ministerpräsidenten Berndt Seite (CDU) ersetzt. Hunderte Millionen an Staatssubventionen, gedacht für die Sanierung der Werften in Wismar, Rostock und Stralsund, versickerten im Bremer Großkonzern, der Jahre später Pleite ging. Seither erleben die Werften im Nordosten ein stetiges Auf und Ab.

In Erinnerung bleibt auch Gomolkas erfolgloses Werben für die Bildung eines Ostdeutschen Rundfunks unter Einbeziehung Mecklenburg-Vorpommerns. Eine Mehrheit entschied sich für den Anschluss des Landes an den Norddeutschen Rundfunk (NDR).

Nach seinem Abschied aus dem Landtag 1994 wurde Gomolka in das Europäische Parlament gewählt. 15 Jahre lang wirkte der gebürtige Breslauer auf EU-Ebene und setzte sich dort nicht nur für die Interessen seines Heimatlandes, sondern auch für den Ausbau der Beziehungen zu den baltischen Staaten ein.

Mit seiner Partei schien Gomolka am Ende seines politischen Wirkens auch wieder versöhnt. Bis 2015 war er Vorsitzender der Seniorenunion im Nordosten.

Gomolka war verheiratet und Vater von vier Kindern.

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